Hückeswagen: Wird Neubaugebiet zum lokalen Klima-Primus?

Hückeswagen Brunsbachtal : Neubaugebiet als lokaler Klima-Primus?

Im Neubaugebiet „Am Eschelsberg“ schlägt die Stadt auch in Sachen lokaler Energiepolitik neue Wege ein. Ob die Bürger dabei mitziehen, bleibt abzuwarten. Beim Info-Abend im Heimatmuseum am Mittwochabend war das Interesse jedenfalls groß.

Das ist eine Premiere für Hückeswagen: Bei der Planung des Neubaugebietes „Am Eschelsberg“ im Brunsbachtal entwickelt die Stadt zusammen mit Kooperationspartnern und wissenschaftlich begleitet erstmals ein Konzept für eine ökologisch sinnvolle Energieversorgung. Diese neue lokale Energiepolitik wird finanziell vom Staat gefördert. Ziel ist es letztlich, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu senken. Zwei Bausteine sind dabei wesentlich: Der Aufbau eines Nahwärmenetzes und die konkrete Förderung der Elektro-Mobilität durch eine entsprechende Infrastruktur im Quartier.

Das grundsätzliche Interesse von Anwohnern und Bauinteressenten scheint gegeben: Bei der Informationsveranstaltung war der Saal des Heimatmuseums jedenfalls gut besetzt. Daniel Oßwald vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement der Universität Trier erläuterte, was ein Nahwärmenetz überhaupt ist und wie es dazu beitragen kann, den Energiebedarf und damit auch den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Kernstück ist eine „Heizzentrale“ – die es mit dem Blockheizkraftwerk (BHKW) im Bürgerbad schon jetzt gibt. Dort wird die benötigte Wärme erzeugt und über ein Rohrleitungsnetz an die Endverbraucher weitergeleitet. Bislang wird darüber neben dem Bad auch die Mehrzweckhalle versorgt. Zukünftig soll darüber hinaus die neue Löwen-Grundschule über das mit Erdgas betriebene BHKW im Bad mit Energie versorgt werden. Zielsetzung ist es auch, möglichst viele der noch zu bauenden Häuser im Neubaugebiet an das Netz anzuschließen und darüber hinaus auch die schon bestehenden Haushalte im Umfeld – konkret an der Kölner Straße, der Robert-Schumann-Straße und am Parkweg. Das setzt allerdings eine Erweiterung der „Heizzentrale“, also des BHKW, voraus.

Angestrebt wird eine Anschlussdichte von rund 75 Prozent, denn nur damit kann das Nahwärmenetz auch wirtschaftlich sinnvoll betrieben werden. Es müssen also viele mitmachen, sowohl unter den neuen Bauherren als auch unter den Hausbesitzern im Umfeld des Neubaugebietes. In einer Fragebogenaktion will das Institut der Uni Trier nun für die Stadt ermitteln, ob das Interesse bei den Hauseigentümern und den potenziellen Bauherren ausreichend groß ist, um das Konzept tatsächlich umzusetzen.

Mehrere solche Ladestationen für E-Autos, wie die an der Landbäckerei Bauer im Gewerbegebiet Winterhagen-Scheideweg, könnten künftig im Brunsbachtal stehen. Foto: Stephan Büllesbach

Zum ökologischen „Vorzeigequartier“ von Hückeswagen soll das Neubaugebiet mit etwa 50 Ein- und vier Mehrfamilienhäusern auch in Sachen Elektromobilität werden. Die entsprechende Infrastruktur im Brunsbachtal will die BEW als heimischer Energieversorger aufbauen. Dazu gehört das Angebot von öffentlichen Ladesäulen im Wohngebiet, aber auch die konkrete Beratung der Bauherren, wenn es um die Installation privater Ladestationen direkt am eigenen Haus und deren finanzielle Förderung geht. Die ökologisch und wirtschaftlich optimale Lösung: Von einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Neubaus fließt der Strom über die Haus-Steckdose direkt ins eigene E-Auto.

Darüber hinaus untersucht die BEW, ob die Einrichtung von Car-Sharing innerhalb des Neubaugebietes machbar und sinnvoll sein könnte. Dann würden E-Autos leihweise zur Verfügung gestellt, zum Beispiel als kostengünstigere und umweltfreundliche Alternative zum Zweit- oder Drittwagen in der Familie. Ein fertiges Konzept dafür hat die BEW noch nicht, die Realisierung des Projekts hängt auch in diesem Fall davon ab, ob das Interesse der potenziellen Nutzer im Brunsbachtal und der Umgebung groß genug ist.

In jedem Fall wird die BEW aber bei allen Planungen für das Neubaugebiet eine wesentliche Rolle spielen: Der Energieversorger, an dem die Stadt 25 Prozent Anteile hält, betreibt das Blockheizkraftwerk im Bad und liefert das Erdgas dafür. Wer sich künftig dem geplanten Nahwärmenetz anschließt, wird also quasi automatisch auch Gaskunde der „Stadt-Tochter“ BEW.

Die Energieversorgung bestehender Gebäude ist der Schlüssel für mehr Klimaschutz, so auch in Hückeswagen. Es gilt, das Einsparpotenzial an Energie zu heben, weil dadurch zwangläufig der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase sinkt. Die Schloss-Stadt will das Stadtgebiet Brunsbachtal auf diese Weise energetisch sinnvoll sanieren und neubauen. Für die Konzeption des Quartiers wurden Bundesmittel der KfW-Bank eingeworben, und die Aussichten auf eine weitere Förderung für die Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen sind positiv.

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