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Hückeswagen will "Fairtrade Town" werden

Hückeswagen : Fairer Handel – die Schloss-Stadt macht sich auf den Weg

Auf dem langen Weg zur anerkannten „Fairtrade-Town“ hat Hückeswagen den ersten offiziellen Schritt getan: Mit großer Mehrheit entschied der Rat, dass sich die Stadt an der internationalen Kampagne zur Förderung des fairen Handels beteiligt.

Sie soll und will nach diesem grundsätzlichen Ratsbeschluss den von TransFair e.V. verliehenen Titel „Fairtrade Town“ erlangen. Ziel der schon im Jahr 2000 in Großbritannien gestarteten Kampagne ist es, dass Städte und Gemeinden Flagge zeigen und Vorbild werden für den Einzelhandel und weitere Akteure vor Ort. Zugleich soll ein breites Bewusstsein geschaffen werden für die Bedeutung von fairem Handel.

Dass es dabei letztlich um die internationale Bekämpfung von Armut und damit auch von Flüchtlingsursachen geht, unterstrich im Rat Felix Frauendorf von den Grünen. Er begründete die Bürgeranregung, die die politischen Jugendorganisationen der Stadt über Parteigrenzen hinweg an den Rat gerichtet hatten. Junge Union, Jusos und Grüne Jugend hatten gemeinsam die Teilnahme der Stadt an der Fairtrade Towns-Kampagne gefordert. Ziel sei es, so Frauendorf, kleinbäuerliche Strukturen zu erhalten, faire Arbeitsbedingungen für die Produzenten zu erreichen und dadurch Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. „Wenn wir als Kleinstadt mitmachen, ist das nur ein kleiner Schritt für die Menschheit – aber ein großer Schritt für Hückeswagen“, sagte Frauendorf.

Die ersten jetzt vom Rat beschlossenen Schritte sind in der Tat klein – aber konkret: Wenn im Rathaus bei Ausschüssen, Ratssitzungen oder sonstigen Anlässen Menschen bewirtet werden, dann sollen Kaffee, andere Getränke oder auch Kekse aus dem fairen Handel gereicht werden. Dazu verpflichtet sich auch der Bürgermeister, wenn er Gäste empfängt. Der lässt sich gerne in die Pflicht nehmen, unterstrich Dietmar Persian: „Ich freue mich sehr, dass sich junge Menschen hier zusammengetan haben, um diese wichtige Sache voranzutreiben. Wir werden das nach Kräften unterstützen.“

Im Januar wird sich nun eine sogenannte Steuerungsgruppe gründen, die die nächsten konkreten Schritte auf dem Weg zur „Fairtrade-Town“ vorbereitet. Fünf Kriterien sind für die Zertifizierung zu erfüllen. Dazu müssen weitere Akteure wie Einzelhandel, Gastronomie und öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Vereine und Kirchen mit ins Boot geholt werden.

Der Stadtrat stimmte dem Antrag der politischen Jugendorganisationen nicht nur zu – quer durch die Parteien gab es auch viel Lob für die zukunftsweisende Initiative. Nur die FDP stimmte dagegen: „Wir halten diesen Weg nicht für zielführend, das ist nur das Placebo für ein gutes Gewissen“, begründete das Fraktionschef Jörg von Polheim. Die beiden Ratsvertreter der FaB enthielten sich bei der Abstimmung, weil die Mehrkosten der Stadt für die Bewirtung mit Produkten aus dem fairen Handel nicht beziffert seien. Nicht nur beim Bürgermeister stieß das auf Unverständnis – Persian: „Ja, fair gehandelter Kaffee ist etwas teurer, ich bin aber gerne bereit, die bei der Bewirtung von Gästen im Rathaus dadurch entstehenden Mehrkosten selbst zu tragen.“