Hückeswagen: Wenn Poetry Slam auf Klaviertöne trifft

Offener Adventskalender in Hückeswagen : Wenn Poetry Slam auf Klaviertöne trifft

Jana Goller und Olga Schröder sorgten für ein hochinteressantes Format in einem Modegeschäft.

Wenn in Christoph Winklers Ladengeschäft knapp 30 Menschen sind, dann wird es dort eng. Wenn aber wie im Vorjahr der Offene Adventskalender dort zu Gast ist, dann können es gar nicht genug Besucher sein. Und so ging es nach dem Motto „je mehr, umso gemütlicher“ zu, und rund um das Klavier scharten sich die Besucher, die am Freitagabend der Wipperfürther Poetry-Slammerin Jana Goller und der Pianistin Olga Schröder lauschen wollten. Die beiden hatten Texte und Musik mitgebracht, die einerseits besinnlich und zerbrechlich, aber auch leidenschaftlich und voller Kraft waren. Es war ein hochinteressantes und nachhallendes Format, das umso eindrucksvoller im gemütlichen Ambiente des Modegeschäfts wirkte.

Jana Goller, die bereits bei den Kulturräumen im Sommer im vollbesetzten Heimatmuseum mit einem Poetry Slam begeistert hatte, hatte Texte mitgebracht, die eine junge Frau zeigten, in der so viele Worte schlummerten, die sie hervorragend pointiert und punktgenau gesetzt herausließ. Die Worte von Texten wie „Ein Türspalt offen“ oder „Adventsgedanken“ wurden mit kräftiger Stimme vorgelesen, entwickelten die Wucht von Hammerschlägen. Aber nicht solche der destruktiven Art. „Vergiss mich nicht und trag mich weiter, ich bin die Liebe und gerne dein Begleiter.“ Das sagte Jana Goller wie nebenher, aber in diesem kleinen Satz steckte doch eine so tiefe Wahrheit, die einen beim Zuhören tief ins Herz traf. Oder auch ihre Betrachtung eines Mädchens mit Handicap, das in eine Analyse ihres vielleicht künftigen Mutterseins mündete und dabei eine ausgeprägt reife Gedanken- und Gefühlsklarheit offenbarte, die man sehr oft bei jungen Erwachsenen findet, die sich mit offenen Augen in der Welt bewegen.

Der Abend war sehr abwechslungsreich gestaltet: Mal spielte Olga Schröder am Klavier alleine wunderschöne Melodien, mal ihre kleinen Klavierschüler Angelina, Miro und Vanessa, dann präsentierte Jana Goller alleine ihre Texte, die mal richtig lustig waren. Etwa ihr „Dorfkindtext“, der zwischen Selbstironie als Mädchen vom Dorf und dem dazugehörigen Selbstbewusstsein pendelte. Aber dennoch waren es die gemeinsam vorgetragenen Texte, die am meisten Kraft und Leidenschaft freisetzten. Etwa der abschließende Text „Heimat“, der sich wortgewaltig mit dem Gefühl des Daheimseins und des Aufgehobenseins auseinandersetzte; während darunter melancholische Klaviertöne einen weichen Teppich bildeten, die Worte und ihre Bedeutung einhüllten und den Zuhörer einwickelten, einfingen und auch nach dem Verhallen des letzten Tons nicht mehr losließen.