Hückeswagen: Weltenbummler Gerd Rück macht Lust auf jecke Tage

Herings-Essen der Kolpingsfamilie : Weltenbummler macht Lust auf jecke Tage

Hoher Besuch bei der Kolpingsfamilie: Gerd Rück ging am Samstagabend in die Bütt – sehr zur Freude des Publikums.

Es braucht nur ein paar Sekunden. Obwohl die Luftschlangen noch verpackt in der Schublade liegen, die Kostüme nicht mehr als eine Idee sind und es selbst für die robustesten Jecken nach dem 11. November wieder still geworden ist, zündet der Funke im Kolpinghaus sofort. Kaum hat der Weltenbummler – noch ohne Tusch und Alaaf – die Bühne betreten, beginnen die Zuschauer zu kichern. Da sind die Heringe der traditionellen Veranstaltung der Kolpingsfamilie bereits verspeist, die Erinnerungsfotos und -videos an vergangene Sessionen bereits bedacht.

Das Kichern wächst zum Lachen, das Lachen zum Prusten. Der Weltenbummler weiß, was er tut. Auch mit 81. Die sieht man ihm unter Schminke, Perücke und Sonnenschirm ohnehin nicht an. Die Bütt scheint ein Jungbrunnen zu sein – zumindest für Gerd Rück, der seit Jahrzehnten als Weltenbummler auf den Bühnen des kölschen Karnevals unterwegs ist. „Eigentlich eine Nummer zu groß für uns“, wird Tobias Bosbach von der Kolpingsfamilie später sagen. Aber weil Vereinskollege Heinz Pohl beste Beziehungen in den kölschen Karneval hat, steht nun also der Weltenbummler auf der vor-karnevalistischen Bühne in Hückeswagen.

Die hat bereits Tradition: Zum Herings-Essen werden Vereinsmitglieder und Teilnehmer des Rosenmontagszugs ebenso ins Kolpinghaus eingeladen wie die Öffentlichkeit. Dort erzählt der Weltenbummler am Samstag dann drüsch von einem Ausflug nach Düsseldorf, von Potenzproblemen und Kneipenbegegnungen. Mal hochdeutsch, die meiste Zeit op Kölsch. „Sie kennen Nonnen?“ fragt er in die Runde. Ein wissendes Raunen. „Wussten sie auch, dass es Supernonnen gibt?“ Fragende Blicke. „Deren Mütter und Großmütter waren auch schon Nonnen.“ Stille, dann fällt der Groschen und ein Kichern wird laut.

Oder der hier: Im Museum beraten zwei über ein Bild. „Zieht die Dame auf dem Gemälde die Hose an oder zieht sie sie gerade aus?“ fragt der eine. Der andere weiß die Lösung: „Sie zieht die Hose wieder an“, sagt er und verweist auf das kleine Schild neben dem Bild mit der Erklärung: „Nach einem Stich von Rembrandt.“ Karneval darf eben auch mal unter die Gürtellinie zielen. „Da dürfen sie doch hier bei Kolpings auch drüber lachen“, sagt der Weltenbummler noch. Aber einer Aufforderung hätte es ohnehin nicht bedurft – das Publikum freut sich über den besonderen Gast.

Der lässt die Zuhörer schließlich noch an einem Rätsel teilhaben: Er habe neulich ein Nonnenhaus besucht, erzählt er. Im Erdgeschoss die Novizinnen („Die heißen so, weil sie so viele Witze reißen“). Oben wohnte die Schwester Oberin, die sogar eine eigene Toilette zur Verfügung habe. Dann fragt er schelmisch: „Und, wie heißt die Schwester Oberin?“ Ratlose Blicke. Also gibt der Weltenbummler selbst die Antwort – und die muss man hören, um sie zu verstehen. Da wird aus Magdalene im Dialekt kurzerhand „Machtallene“. Ein fröhliches Prusten und begeisterter Applaus belohnen den Weltenbummler für seinen Besuch – und Tobias Bosbach überreicht dem Gast den Ehrenorden der Kolpingsfamilie und bedankt sich für die Station in Hückeswagen. Alaaf.

Als Gerd Rück längst die Schminke abgewischt hat und sich auf den Rückweg macht, wird im Saal hier und da noch immer ein Kichern laut. „Da kribbelt es einen schon in den Fingern“, sagt Tobias Bosbach, „die Vorfreude auf unseren Karneval wächst.“