Hückeswagen: Weihnachten mit dem BEW-Notdienst

Nachtschicht : Weihnachten mit dem BEW-Notdienst

Stephan Flüß ist Netzmeister und betreut die Stromnetze von Hückeswagen, Wermelskirchen und Wipperfürth.

Der Höhepunkt ist sicherlich der Orkan Kyrill im Jahr 2007 gewesen. „Der hängt uns noch heute in den Knochen“, sagt BEW-Netzmeister Stephan Flüß. Der Wipperfürther ist bei der Bergischen Energie und Wasser GmbH für die Stromnetze in Hückeswagen, Wermelskirchen und Wipperfürth zuständig. An und für sich arbeitet er mit seinen Kollegen ganz normal im Tagdienst. „Aber alle sechs Wochen habe ich für eine Woche Bereitschaftsdienst – dann bin ich rund um die Uhr erreichbar“ sagt Flüß. Und muss im Notfall – wie es der Orkan ganz zweifelsohne gewesen ist – ausrücken, um Schäden und Störungen im Stromnetz zu beheben. Mit insgesamt jedoch abnehmender Tendenz. „Die Störungen sind in den vergangenen Jahren weniger geworden“, sagt der 48-Jährige. Das liege vor allem daran, dass die Leitungen kaum noch oberirdisch verliefen, sondern in der Erde. Und damit nur selten kaputt gehen.

Störungen gebe es aber natürlich dennoch, sagt der Netzmeister. „Das kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, zum Beispiel Unfälle. Wenn jemand gegen einen Strommasten fährt und den umsägt. Oder sein Auto in einen Verteilerkasten setzt. Dann müssen wir raus, egal, wie spät es dann ist.“ Die Bereitschaft geht von 16.30 bis 7.30 Uhr am nächsten Tag. „Wir müssen dann immer übers Handy erreichbar sein und uns im Bereich Hückeswagen, Wermelskirchen, Wipperfürth aufhalten“, sagt Flüß.

Neben den Unfällen ist der klassische Störungsfall allerdings witterungsbedingt: „Sturm, Wind und Regen – das sind die Hauptursachen“, sagt der Netzmeister. Die Bürger rufen an, wenn Äste oder Bäume umgefallen sind und in irgendeiner Weise den Strom kappen. „Das kommt auch oft vor, wenn Leute das nachts merken.“ Und nachts den Fehler zu suchen, ist natürlich weit komplizierter, als es das ohnehin am Tag schon ist. „Der Zugang zu den Masten und Kästen ist ja oft mit Büschen oder auch Bäumen zugewachsen, dann ist es zudem natürlich meistens dunkel, wenn wir als Bereitschaft ausrücken müssen – und bei Schnee wird es dann richtig schwierig“, sagt Flüß.

Die nächtlichen Störungen werden meist gemeldet, bevor das erste Räumfahrzeug unterwegs war. „Einmal mussten wir uns bei einem Anwohner eine Schneefräse leihen“, erinnert sich der BEW-Netzmeister. Wenn dann noch eine Störung im Kabel dazukommt, kann es gut sein, dass sich Flüß und seine Kollegen die ganze Nacht im Freien aufhalten müssen, um den Fehler zu finden. Und zu beheben. Denn für die BEW-Mitarbeiter gilt: „Wir gehen erst, wenn die Störung behoben ist und wieder alles reibungslos funktioniert.“

Dafür sei das Verständnis der Menschen groß, wenn die BEW-Mitarbeiter ausrücken. „Die meisten Leute sind sehr hilfsbereit – sie freuen sich natürlich, wenn der Strom wieder da ist. Aber auch sonst können wir uns nicht beklagen“, sagt der 48-Jährige. Eines Nachts sei es einmal so kalt gewesen, dass die Anwohner ihm und seinen Kollegen – immer drei arbeiten im Bereitschaftsdienst – Kaffee und Kerzen gebracht hätten. „Das macht die Arbeit dann doch ein wenig leichter“, sagt der Netzmeister und schmunzelt.

Störungen sind natürlich in erster Linie für alle Beteiligten eine lästige Angelegenheit. Für die BEW-Mitarbeiter, weil sie sich teils zu nachtschlafender Zeit auf die Suche nach der Stecknadel im Störungs-Heuhaufen machen müssen. Für die Anwohner, weil sie ohne Strom und gegebenenfalls auch Heizung sind, bis die Störung behoben ist.

Dass man aus den widrigen Umständen jedoch auch eine nachhaltig positive Erinnerung machen kann, erzählt Stephan Flüß mit einem Lächeln im Gesicht. „Einmal ist an einer Straße in Wipperfürth am Abend der Strom ausgefallen – die Leute sind dann rausgekommen und haben spontan ein Straßenfest gefeiert. Darauf werde ich noch heute angesprochen“, sagt er.

Auch ein Weihnachtsfest ist dem BEW-Mitarbeiter ganz besonders im Gedächtnis geblieben. „Das war eine Störung an Heiligabend. Wir sind ausgerückt, es war eine sehr langfristige und komplizierte Geschichte, die nicht mal eben zu beheben war.“

Die Anwohner hätten jedoch das Beste daraus gemacht – und einfach gemeinsam mit den BEW-Mitarbeitern Weihnachten gefeiert. „Die Leute haben gesagt, das sei das schönste Weihnachten überhaupt gewesen“, sagt Flüß. Dafür nimmt man dann auch eine um die Ohren geschlagene Nacht in Kauf.

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