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Hückeswagen: Wegezeichner markieren die Wanderwege

Markierung der Wanderwege in Hückeswagen : Schweres Gepäck für Wegezeichner

Entlang der Wanderwege gibt es Zeichen, die das geschulte Auge des Wanderers zu deuten weiß. Sie werden von ehrenamtlichen Wegezeichnern angebracht und gepflegt – auch in der Mul, wo sich kürzlich eine Wanderin verlaufen hatte.

Normalerweise reicht ein kleiner Rucksack mit Proviant, wenn man einen längeren Streifzug durch die Natur unternehmen will. Joachim Kutzner hat wesentlich mehr Utensilien dabei, wenn er sich auf Wanderschaft in den heimischen Gefilden begibt. Im Rucksack befinden sich Ast- und Heckenschere, Universal- Dichtstoffkleber samt Kartuschenpistole, Hammer, Nägel, Weißblech, Aufkleber und Scheibenreiniger. All das benötigt der Hückeswagener, wenn er in seiner Funktion als Wegezeichner des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) oder als Wegepate des Bergischen Wanderlands unterwegs ist. Kurze Streifzüge, wie der 3,8 Kilometer lange „Wasserweg“ entlang der Wupper-Vorsperre zählen ebenso zu seinem Einsatzgebiet wie der 14 Kilometer lange Rundwanderweg um Hückeswagen.

Die Wegezeichner des SGV sorgen dafür, dass sich auf den Wanderwegen des Bergischen Lands keiner verlaufen muss. 80 ehrenamtliche Wegezeichner halten ein Netz von immerhin rund 8000 Kilometern Wanderwegen in Ordnung. In regelmäßigen Abständen wird jeder Weg einmal abgeschritten, überprüft und bei Bedarf mit neuen Zeichen markiert.

Wegezeichner ist ein Job für all diejenigen, die sich gern an der frischen Luft bewegen, so wie Britta und Roland Kissau. „Wir wandern gerne und sind meistens klassisch mit Karte unterwegs“, sagt das Hückeswagener Ehepaar. Nachdem es sich auf einem Weg in Wipperfürth einmal verlaufen hatte, entstand der Gedanke, sich selbst als Wegezeichner zu engagieren. „Wir haben dazu eine Schulung in Schloss Burg erhalten“, berichtet der 57-Jährige von der Einführung in das Thema. Immerhin gilt es, bei der Markierung bestimmte Regeln einzuhalten und die Natur zu schonen.

Ein wichtiger Leitspruch lautet daher: „Nageln nur auf totem Holz.“ An intakten Baumstämmen kommt ein umweltfreundlicher Kleber zum Einsatz, an Laternenmasten der Scheibenreiniger für eine bessere Haftung. Angebracht werden sollten die Wegezeichen möglichst in Sichthöhe und zudem so, dass sie aus beiden Wegrichtungen zu erkennen sind.

Etwa alle 500 Meter sowie an Kreuzungen wird markiert, 50 Meter nach einer Kreuzung gibt es nochmals einen Bestätigungspfeil. So weiß der Wanderer, dass er sich auf dem richtigen Weg befindet. Bei Premium-Wanderwegen beträgt der Abstand zwischen den Markierungen sogar nur 250 Meter. „Dieser Zahl nähern wir uns immer mehr an, da viele Wanderfreunde die Premiumqualität gewohnt sind“, berichtet Kutzner, der sich auch als Landschaftsgärtner betätigen muss, um zugewachsene Pfade freizuschneiden.

Sechs Wegezeichner sind derzeit in Hückeswagen aktiv, was laut Kissau ausreichend ist. Auch seien die Wege gut markiert. Dass sich vor Kurzem eine Wanderin in der Mul verlaufen hat und aufgrund fehlender Mobilfunkverbindung Mühe hatte den richtigen Weg wiederzufinden – unsere Redaktion berichtete im Bürgermonitor –, überrascht die Wegezeichner nicht. „Die Mul ist bekannt dafür, dass man sich schnell verlaufen kann oder Zeichen übersehen werden. Daher sollte man immer eine Karte dabeihaben“, empfiehlt Kutzner. Markiert sei der Weg gut, was der Wegezeichner jedoch noch einmal überprüfen will. „Ich bin letztens noch in der Mul geritten – mir sind keine fehlenden Zeichen aufgefallen“, fügt Kissau hinzu. Ganz anders sehe das auf dem Beverrundweg aus. „Hier verschwinden regelmäßig Zeichen, da kann man fast die Uhr nach stellen“, bedauert Kutzner.

Jedes Jahr im März findet die Wegezeichner-Tagung in Lindlar statt. Dann erhalten die Teilnehmer ihre Auftragsblätter samt Material, die sie bis September abarbeiten sollten. Die Herbst- und Wintermonate sind dazu eher ungeeignet. „Bei Temperaturen unter acht Grad hält der Kleber nicht“, erläutert Kutzner, der nach vielen Jahren in diesem Job mit kleinen Tricks arbeitet. „Bei Außentemperaturen bis 15 Grad erwärme ich die Kartusche in einem Topf mit kochendem Wasser, damit der Kleber zähflüssiger wird und sich besser verarbeiten lässt.“

Lob für ihre Arbeit erhalten die Wegezeichner nur selten. „Es ist kein besonders dankbarer Job. Aber man bekommt die Schelte, wenn etwas fehlt“, hat der 67-Jährige festgestellt.

Im Einsatz können sich die Wegezeichner und -paten ausweisen und damit ihre Berechtigung zum Markieren der Bäume und Masten belegen. Wanderer können mithelfen und fehlende oder beschädigte Markierungen dem SGV melden. „Sie werden dann innerhalb einer Woche repariert“, versichert Kissau.

Aber auch Wegezeichner können sich durchaus einmal verlaufen. „Das passiert aber nur auf neuen Wegen oder wenn man nicht auf die Zeichen geachtet hat, weil man zu viel gequatscht hat“, geben die beiden lachend zu.