Hückeswagen: Vom Krähenberg zum „Luftkurort“ Kaiserhöhe

Hückeswagener Orts- und Straßennamen : Majestätischer Blick auf die Stadt

Lange Zeit bestand die Kaiserhöhe nur aus einem einzigen Gebäude. Doch längst ist die Straße am Hang komplett bebaut.

Wer auf dem Interportal Facebook die Gruppe „Luftkurort Kaiserhöhe Hückeswagen“ eröffnet hat, ist nicht bekannt. Hans-Willi Kuech, der auf der Kaiserhöhe seit 1972 lebt, kann dem jedoch nicht widersprechen. „Die Abgase kommen hier oben nicht so schnell hin“, sagt er und lacht. Vor 47 Jahren hat der heute 82-Jährige mit seiner Frau Hildegard und den vier Kindern das Haus Kaiserhöhe 5 bezogen. Von den Bebauungsplänen erfuhr Kuech durch sein Engagement als Kommunalpolitiker der CDU im Stadtrat. Der Bauplatz wurde der Familie zugeteilt, dennoch bestand kein Grund zur Klage. „Es ist eins der schönsten Grundstücke hier – sehr ruhig gelegen und mit einer tollen Aussicht“, schwärmt Kuech. Von der Terrasse aus schaut er auf das Stadtpanorama und die nahegelegene Wupper-Vorsperre, die zu Spaziergängen einlädt.

Hildegard Kuech ist mit der Kaiserhöhe noch viel länger verbunden als ihr Ehemann. Mit ihrer Familie war sie im Juli 1946 als Kriegsflüchtling aus Oberschlesien in die Schloss-Stadt gekommen. Zunächst wohnte die Familie übergangsweise im Haus Hartmann und Hotel Kniep, als der Vater bei einem Spaziergang ein Jahr später das alte Haus auf der Kaiserhöhe entdeckte, das früher einmal Aussichtsturm, Gaststätte, Kinderheim, Jugendherberge, Hitler-Jugend-Heim und Wohnung für Vertriebene war (siehe Info-Kasten). Die Familie mietete schließlich die untere ersten Etage des Hauses. Weitere Gebäude wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts vom Hückeswagener Bauunternehmen Frielingsdorf errichtet. Heute ist die Kaiserhöhe komplett bebaut – bis auf einige landwirtschaftliche Wiesen, wie Hans-Willi Kuech berichtet.

In dem Haus, in dem seine Ehefrau aufgewachsen ist, wohnt heute die Familie Lemke. Oliver Lemkes Eltern hatten es Anfang der 1970er Jahre gekauft und renoviert. „Eigentlich stehen nur noch die Grundmauern des Hauses auf der rechten Seite“, berichtet Ehefrau Irmhild Lemke. Eine Haushälfte wurde abgerissen, das Flachdach der anderen Hälfte aufgestockt. „Den Keller mussten wir mit Schüttmaterial verschließen – der war total marode“, berichtet sie. Gut kann sie sich noch an die kleinen blauen Fliesen und den Holzboden im Bäderbereich erinnern, die aus der Zeit stammen, als das Haus ein Erholungsheim für Kinder war.

Irmhild Lemke vor dem mehrfach modernisierten Haus aus dem Jahr 1894, das früher unter anderem ein Erholungsheim für Kinder war. Foto: Heike Karsten

Laut Geschichtsforscherin Hella Krumm hieß die Kaiserhöhe früher Krähenberg und wurde erst während der Kaiserzeit umbenannt. Dass ein Kaiser tatsächlich mal die ehemalige Gaststätte auf der Kaiserhöhe besucht haben soll, ist ein nicht belegtes, aber rege kursierendes Gerücht.

Den Anwohnern gefällt es auf der Kaiserhöhe ausgesprochen gut. Über den steilen Anstieg ärgert sich hier niemand. Selbst im Winter ist die Straße begeh- und befahrbar, versichert Kuech: „Durch die starke Steigung steht die Kaiserhöhe im Prioritätenkatalog des Bauhofs an erster Stelle“, berichtet der 82-Jährige erfreut über den guten Winterdienst. Da die Ausfahrt jedoch direkt an einer uneinsichtigen Kreuzung im Kurvenbereich liegt, ist für Autofahrer besondere Vorsicht geboten. Immerhin sorgen zwei Verkehrsspiegel für eine bessere Einsicht.

Die Nachbarschaft auf der Kaiserhöhe sei immer gut gewesen, ohne sich jedoch zu nah auf die Pelle zu rücken. „Man hilft sich, und man tauscht sich aus“, sagt Kuech. Festlich wurde es immer dann, wenn die Hückeswagener Schützen ihren ehemaligen Ehrenchef Klaus Manns abholten. Seit den 1970er Jahren lebte der 2017 verstorbene Schützenbruder mit seiner Frau Margit auf der Kaiserhöhe. 1976 wurde Schützenkönig, 2002 traf er zum zweiten Mal und wurde Schützenkaiser. Somit lebte tatsächlich ein Kaiser auf der Kaiserhöhe. Und auch der „Luftkurort“ ist nicht ganz abwegig, bot das erste Haus der Straße doch viele Jahre Liegekuren und Solebäder zur Erholung an.

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