Hückeswagen: Volksbund will Triumphbogen für zurückkehrende Kriegsgefangene errichten

Rückblende Hückeswagen vor 100 Jahren : Ein Triumphbogen für Kriegsgefangene

Als einzige Quelle, die über die Rückkehr der Kriegsgefangenen aus den alliierten Lagern berichtete, dient die Bergische Volkszeitung (BVZ), ein Vorläufer der Bergischen Morgenpost.

Kaum etwas hat die Menschen in Hückeswagen in den September- und Oktobertagen 1919 so bewegt, wie die Rückkehr der Kriegsgefangenen aus den alliierten Lagern. Umso erstaunlicher ist es, dass sich kein einziger lokalhistorischer Fachaufsatz dazu findet. Selbst das ansonsten umfangreiche Standardwerk zur bergischen Geschichte, das 2016 vom Bergischen Geschichtsverein herausgegeben wurde, geht nicht einmal ansatzweise auf das Thema ein. So bleibt als einzige Quelle die Bergische Volkszeitung (BVZ), einem Vorläufer der Bergischen Morgenpost.

Das Blatt berichtet am 6. September 1919 Bemerkenswertes: Demnach ist man seitens des Volksbundes, in dem der auch in der Kriegshilfe tätig gewesene evangelische Pfarrer Friedrich Julius Stiehl Vorstandsmitglied ist, damit beschäftigt, einen Triumphbogen für die heimkehrenden Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs zu errichten. Ein öffentlicher Aufruf, aus dem dieses hervorgeht, appelliert an die Menschen „Fahnen und Fähnchen“ zur Verfügung zu stellen, da es „an Material zur Ausschmückung“ fehle. Ob es nun tatsächlich ein Triumphbogen war, bleibt in allen Folgeberichten unklar, allerdings heißt es bestätigend, dass „der Bahnhof mir Girlanden, Fähnchen und Fahnen reichlich geschmückt“ gewesen sei.

Wie viele Hückeswagener sich in Kriegsgefangenschaft befanden, ist nicht bekannt. Überregionale Statistiken geben an, dass bis Ende 1918 mehr als 800.000 Deutsche in Kriegsgefangenschaft gekommen waren. Im Oktober 1919 saßen noch 432.000 von ihnen in Frankreich fest. Arnulf Scriba vom Deutschen Historischen Museum schreibt, dass die letzten von ihnen nach der Ratifizierung des Versailler Vertrages im Januar 1920 aus den Lagern zurückkehrten.

Allerdings berichtet die BVZ im Zeitraum von September bis Oktober 1919 über sechs Einzelschicksale, die zumindest eine Ahnung davon geben, was der Betroffene selbst aber auch die Angehörigen mitmachen mussten. Der erste Rückkehrer hieß Carl Lieber, der nach einem Jahr englischer Gefangenschaft am 4. September in der Schloss-Stadt ankam. Einen Tag später wird durch ein Telegramm bekannt, dass der bereits seit 1914 vermisste Soldat Stortnick aus Brücke (Anmerkung: Vorname nicht genannt) sich in Sachsen aufhält und auf dem Weg in die Heimat befindet. Umgehend war seine Ehefrau aufgebrochen, um ihm entgegenzufahren. In den letzten Septembertagen dann vier weitere Rückkehrer: Erst Fischer vom Waidtmarkt, Otto Blumberg aus Grünenthal, Josef Rember vom Markt und Walter Schmitz von der Johannishöhe. Letzterem gelang es, mit vier anderen Kameraden aus einem Lager in Südfrankreich zu fliehen. „Nach siebentägigem Marsch unter vielen und großen Gefahren“ war er in der Heimat angekommen.

Im überregionalen Teil der Zeitung wird deutlich, dass viele Gerüchte, die aus innenpolitischen Gründen gestreut wurden, über den Verbleib der Gefangenen und deren möglichen Rückkehr im Umlauf waren und die Angehörigen verunsicherten. Auf lokaler Ebene kann man jedoch nicht viel tun, außer am 18. Oktober einen weiteren Aufruf zu starten, denn: „Der Schmuck am Bahnhof bedarf der Erneuerung.“

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