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Hückeswagen: Vielfältige Unterstützung für das Johannesstift

Hückeswagen in der Corona-Krise : Vielfältige Unterstützung für das Johannesstift

Spätestens seit den positiven Coronatests in dieser Woche steht der Alltag im Altenzentrum Kopf. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet die Heimleitung, wie die Lage ist – auch über schöne Momente in der Krise.

Eins will Georgina Kovacs, die Leiterin des Altenzentrum Johannesstifts, klarstellen: „Ich habe tolle, engagierte Mitarbeiter. Die gehen wirklich tough mit der Situation um.“ Ist die Arbeit von Menschen in Pflegeberufen ohnehin schon anstrengend und dazu noch schlecht bezahlt, müssen sie jetzt in der Corona-Krise noch mehr Einsatz zeigen. Alleine das An- und Ausziehen der Schutzkleidung, das ständige Waschen und Desinfizieren der Hände und die besondere Belastung durch die ersten Corona-Fälle im Stift machen den Job nicht gerade leichter. „Länger als üblich arbeiten sie aber nicht“, versichert Georgina Kovacs. Für die Heimleitung mit der Hygiene- und Qualitätsentwicklungsbeauftragten Stefanie Gotzmann-Hessel und der Pflegedienstleiterin Izabella Dlubis dagegen enden die Arbeitstage momentan erst nach zwölf, dreizehn Stunden.


Wie ist die aktuelle Lage? Als Vorteil beim Johannesstift erweist sich gerade, dass die Bewohner in zwei getrennt voneinander liegenden Gebäuden untergebracht sind – im Haus am Buschweg und im Haus am Park. Während in ersterem nach derzeitiger Erkenntnis noch niemand mit dem Virus infiziert ist, sind es im Haus am Park 14 Bewohner und neun Mitarbeiter. Nach der Veröffentlichung der Testergebnisse am Dienstag kamen noch zwei Mitarbeiter hinzu, die positiv auf das Virus getestet wurden.

Welche Schutzmaßnahmen werden ergriffen? Während sich die Bewohner im Haus am Buschweg noch weitestgehend frei bewegen können – bei Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen wie dem Mindestabstand von 1,50 Metern –, sieht das im Haus am Park anders aus. Weil dort 23 Bewohner und Mitarbeiter positiv getestet wurden, müssen die Bewohner auf ihren Zimmer bleiben. Allerdings gibt es Ausnahmen, wie Georgina Kovacs berichtet: Demenzkranke und sogenannte nicht-absprachefähige Personen, die es nicht verstehen, dass sie auf den Zimmern bleiben müssen, und die mitunter einen starken Bewegungsdrang haben. Diese tragen einen Mundschutz und werden von den Mitarbeitern in Schutzmontur über den Flur begleitet.

Wenn sie mit nicht-infizierten Bewohnern im Haus am Park zu tun haben, tragen die Mitarbeiter Mundschutz und Handschuhe. Betreuen sie jedoch jemanden, der das Coronavirus in sich trägt, müssen sie FFP2-Masken, eine Brille, Haube, Einmal-Handschuhe und -Kittel anziehen. „Wir haben auch die Übergabe reduziert, so dass die Mitarbeiter möglichst wenig Kontakt haben“, sagt die Heimleiterin. Zudem werden – das aber schon seit drei Wochen – beide Häuser zweimal täglich desinfiziert, und es gibt keine gemeinschaftliche Veranstaltungen mehr. Bei den 14 infizierten Bewohner wird seit den positiven Tests dreimal täglich der Blutdruck, die Temperatur und die Sauerstoffsättigung gemessen, bei allen anderen zweimal.
Werden Mitarbeiter eingesetzt, die positiv getestet sind? „Das ist momentan nicht der Fall“, versichert Georgina Kovacs. Möglich ist das allerdings und über die Pendlerverordnung geregelt: Demnach könnten solche Mitarbeiter, die positiv sind aber keinerlei Symptome aufweisen, ausschließlich Bewohner mit dem Virus versorgen. Alle neun positiv getesteten Mitarbeiter seien zurzeit aber in häuslicher Quarantäne, sagt die Heimleiterin.


Werden nun auch die übrigen der 134 Bewohner und etwa 180 Mitarbeiter vorsorglich getestet? Dahingehend halte sich das Kreisgesundheitsamt noch bedeckt, sagt Georgina Kovacs. Zwar wollten das viele Angehörige, aber noch hat Gummersbach keine generellen Tests angekündigt. Allerdings steht die Heimleitung täglich mit der Heimaufsicht und dem Gesundheitsamt beim Kreis in Kontakt, und sie pflegt einen engen Austausch mit Bürgermeister Dietmar Persian und der Wipperfürther Helios-Klinik.


Ist die Versorgung der Bewohner gesichert? „Die ist gewährleistet“, stellt die Heimleiterin klar. Zum einen wurde eine Urlaubssperre ausgesprochen, zum anderen helfen die Mitarbeiter aus der inzwischen geschlossenen Tagespflege ebenfalls mit. Zudem hat die Rheinische Gesellschaft für Innere Mission und Hilfswerk, dem Träger des Johannesstifts, drei Mitarbeiter aus anderen Einrichtungen zur Unterstützung nach Hückeswagen abgeordnet. Das Stift ist bislang die einzige ihrer Einrichtungen, in der das Coronavirus ausgebrochen ist.

Im Eingangsbereich können Angehörige Geschenke wie Blumen an die Bewohner ablegen. Foto: Stephan Büllesbach


Wurden die Mitarbeiter auf den Ernstfall vorbereitet? „Wir haben schon vor vier Wochen mit Schulungen der Mitarbeiter für einen Ernstfall begonnen“, berichtet Stefanie Gotzmann-Hessels. Der sei dann am vorigen Sonntag plötzlich gekommen, aber es sei eben gut gewesen, dass das gesamte Team darauf vorbereitet gewesen war.


Wie ist die Versorgungslage mit Schutzmaterialien? Die Verantwortlichen im Stift sind ständig mit der Neubeschaffung von Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln beschäftigt, bestätigt die Hygiene- und Qualitätsentwicklungsbeauftragte. „Momentan sind wir aber gut ausgestattet.“ Auch erhielt das Johannesstift jetzt eine Lieferung von der Kreisverwaltung (s. Info-Kasten).


Wie gehen die Bewohner mit der Situation um? „Ich hätte mit mehr Panik gerechnet“, gesteht Georgina Kovacs. Die sei aber nicht eingetreten. Noch seien die Bewohner nicht beunruhigt, was sich aber ändern könne, je länger der aktuelle Zustand andauere. „Und jetzt kommt auch noch Ostern“, sagte sie. Wegen der Kontaktsperre und des Betretungsverbots der oberbergischen Pflegeheimen können sie keine Besucher empfangen. „Und ganz schlimm ist es für viele, dass der Frisör geschlossen hat“, sagt Georgina Kovacs.


Was können die Angehörigen tun? Im Haupteingang, zwischen den beiden Schiebetüren, ist rechts ein Kasten aufgestellt, in denen sie Briefe an die Bewohner einwerfen können. Links steht ein Gitterwagen für Geschenke aller Art. So bringen die Angehörigen etwa Blumen, Süßigkeiten oder Geschenktüten vorbei. „Enkel und Urenkel malen Bilder und legen sie dort ab“, erzählt die Heimleiterin.