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Hückeswagen: Viele Baumarten stärken den Mischwald

Waldwirtschaft in Hückeswagen : Viele Baumarten stärken den Mischwald

Der Forstbetrieb Bever wird von Christian Hardt in fünfter Generation geführt. Dort gibt es in großer Zahl exotische Bäume. Diese neue Art der Wiederaufforstung kann helfen, große Schäden durch Monokulturen zu verhindern.

Für das ungeübte Auge sieht der Wald von Christian Hardt nicht groß anders aus, als andere Waldgebiete im Bergischen Land. Wenn man aber genauer hinsieht, wie das am Donnerstagvormittag auch der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Deppe getan hat, wird man eine besondere Vielfalt erkennen, die in Deutschland nahezu einzigartig ist. Denn die Familie Hardt, die den etwa 188 Hektar großen Forstbetrieb Bever schon in der fünften Generation führt, setzt auch schon seit dieser Zeit auf exotische Baumarten.

Entstanden ist der Forstbetrieb im Jahr 1897, als Friedrich Hardt, ein Textilfabrikant aus Lennep und Ur-Ur-Großvater von Hans-Friedrich Hardt, der den Betrieb 2016 an seinen Sohn Christian übergeben hat, im Zuge des Neubaus der Bever-Talsperre Flächen günstig kaufen und aufforsten konnte. „Das lief immer zweigleisig, unsere Vorfahren waren als Textilproduzenten und -händler weltweit unterwegs und haben von dort immer wieder exotische Bäume oder Samen mitgebracht. Da sie die Forstwirtschaft nicht hauptberuflich machten, hatten sie die Freiheit zu experimentieren“, sagt Christian Hardt.

Entsprechend finden sich im Waldgebiet Ulenflucht oberhalb der Bever-Talsperre zwischen Neuhückeswagen und Wipperfürth gelegen, viele Baumarten, die man normalerweise nicht in hiesigen Breitengraden finden kann: Küstentanne, Amerikanische Butternuss, Esskastanie, Amerikanische Roteiche, Riesenlebensbäume oder die Tempelzeder aus Japan. „Der Förster Ernst Mühlenbein, der mit meinem Ur-Urgroßvater den Wald betreut hat, hat schon 1929 über die Vorteile exotischer Arten Bescheid gewusst und publiziert“, sagt Christian Hardt.

Dabei herrsche nach wie vor Angst vor den exotischen Baumarten, sagt Rainer Deppe. „Das bekomme ich bei meiner Arbeit im Landtag auch immer wieder mit. Aber ich bin froh, dass man zumindest allmählich anfängt, umzudenken“, sagt der CDU-Politiker und ergänzt: „Wenn der Klimawandel die Welt verändert, muss man sich eben mit verändern.“

Eine Angst sei etwa die Verbreitung invasiver Arten, die sich unkontrolliert ausbreiten würden. „Das gilt etwa tatsächlich für die Späte Traubenkirsche, die nur schwer zurückzudrängen ist“, bestätigt Christoph Hardt. Dennoch würden die Vorteile exotischer Baumsorten deutlich überwiegen. „Sie kommen oft aus ähnlichen Klimazonen, aber mit zu hier unterschiedlicher Witterung, sie wurzeln besser und sorgen für Vielfalt im Wald“, sagt Christian Hardt. Ein immenser Vorteil, wie sich nicht zuletzt derzeit durch die massiven Schäden in den Fichtenkulturen durch den Borkenkäfer zeigt. „Wenn man nicht nur auf Monokulturen setzt, sondern vielfältig anpflanzt, ist der Schaden natürlich geringer, wenn sich ein Schädling so ausbreiten kann, wie es der Borkenkäfer derzeit tut“, sagt Christian Hardt.

Außerdem seien die exotischen Bäume hierzulande nicht in solchem Maße Schädlingen ausgesetzt, ihre Nadeln und Blätter würden am Boden besseren Humus ergeben, und nicht zuletzt könnten Forstbetriebe auch auf die wirtschaftlichen Erfahrungen aus anderen Ländern mit den dort heimischen Baumarten zurückgreifen.

Langfristiges Ziel der Bewirtschaftung mit Exoten sei es, einen Dauermischwald mit heimischen und fremdländischen Arten zu schaffen, betont Christian Hardt. „Dafür werden alle 18 Abteilungen unseres Forstbetriebs alle fünf Jahre turnusgemäß durchforstet.“ Ausgangslage dafür sei dei Betriebseinrichtung im Jahr 2009. Dabei hätten seit 2018 jedoch Wetterereignisse wie die Stürme Burglind und Friederike sowie die Borkenkäferproblematik für eine Unterbrechung dieser Durchforstung gesorgt.