Brandschutzbedarfsplan für Hückeswagen Starke Feuerwehr – aber auch Handlungsbedarf

Hückeswagen · Die Freiwillige Feuerwehr ist leistungsfähig. Es gibt aber auch Defizite, vor allem bei Unterkünften und Ausstattung, die die Stadt unbedingt in den Blick nehmen muss. Im Entwurf für den neuen Brandschutzbedarfsplan werden die Defizite aufgelistet.

Die Drehleiter, hier im Einsatz Anfang Dezember beim Großbrand an der Heidenstraße, ist in die Jahre gekommen. Ein neues Fahrzeug ist bereits bestellt.

Die Drehleiter, hier im Einsatz Anfang Dezember beim Großbrand an der Heidenstraße, ist in die Jahre gekommen. Ein neues Fahrzeug ist bereits bestellt.

Foto: Joachim Rüttgen

Es gehört zu den Pflichtaufgaben von Städten und Gemeinden, eine leistungsfähige Feuerwehr vorzuhalten. Aber an welchen objektiven Kriterien ist die Leistungsfähigkeit zu bemessen? Antworten darauf sollen Brandschutzbedarfspläne geben, die nach gesetzlichen Vorgaben des Landes für jede Kommune aufzustellen sind, um darüber auch die langfristige Planung eines überall vergleichbar guten Feuerschutzes zu ermöglichen. In Hückeswagen muss der Brandschutzbedarfsplan in diesem Jahr fortgeschrieben werden, damit hat die Stadt eine Fachfirma beauftragt. Der Entwurf liegt inzwischen vor; Christian Böddeker, Berater der Firma, stellte ihn jetzt im Haupt- und Finanzausschuss vor.

Die Kernaussage des Fachmanns klang zunächst einmal gut – mit Einschränkung: „Eigentlich ist Ihre Feuerwehr leistungsfähig so, wie sie ist. Die Eintreff-Zeiten und Einsatz-Stärken sind gut.“ Das Wörtchen „eigentlich“ deutete schon an, dass es dennoch auch Probleme gibt. Auf sie ging Böddeker dann ausführlich ein, wobei schnell deutlich wurde: Die Stadt wird in den nächsten Jahren viele Millionen investieren müssen, um die volle Leistungsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr sicherzustellen. Denn: Die Minuspunkte liegen nicht in der Qualifikation der aktiven Feuerwehrleute, auch nicht bei Einsatzwillen und -fähigkeit der Mannschaft – sie sind vor allem in teils heftigen Defiziten bei der Unterbringung und Ausstattung begründet.

Konkret nannte Böddeker die schlecht ausgestatteten Standorte. In den Gerätehäusern sei der Handlungsbedarf am größten, für alle müssten „mittelfristig Überlegungen zu Neubauten angestellt werden“. Vor allem gelte das für den Standort Straßweg, der aus Sicht der Fachleute außerdem an eine andere Stelle im Löschbezirk verlegt werden sollte. Vorrangig wichtig sei es, derzeit bestehende Unfallgefahren zu beseitigen und alle Gerätehäuser mit einer Notstromversorgung auszustatten.

Das Gerätehaus in Straßweg ist nicht nur zwingen modernisierungsbedürftig, es sollte laut Gutachter auch an einen anderen Standort verlegt werden.

Das Gerätehaus in Straßweg ist nicht nur zwingen modernisierungsbedürftig, es sollte laut Gutachter auch an einen anderen Standort verlegt werden.

Foto: Stephan Büllesbach

Dass die Feuerwache an der Bachstraße längst nicht mehr den Anforderungen an eine leistungsfähige Feuerwehr entspricht, ist schon länger bekannt. Deshalb baut die Stadt das neue Feuerwehrhaus an der Ruhmeshalle. „Wir warten auf die Baugenehmigung“, sagte Bürgermeister Dietmar Persian zum aktuellen Stand der Dinge. „Der Bau des neuen Feuerwehrhauses wird uns in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen.“

Beschäftigen muss sich die Stadt laut Böddeker auch mit dem Fahrzeugpark der Wehr. Einige Einsatzfahrzeuge sind annähernd oder sogar über 20 Jahre alt: „Bei diesem Alter entsprechen sie nicht mehr dem neuesten Stand der Technik.“ Bei der Investitionsplanung sei unbedingt zu berücksichtigen, dass die Spezialfahrzeuge inzwischen bis zu drei Jahren Lieferzeit haben. Über Ersatzbeschaffungen sei also frühzeitig zu entscheiden, damit es nicht zu kritischen Ausfallzeiten komme. Außerdem empfehlen die Gutachter den Kauf eine Gerätewagens Logistik.

Wie bei den Gerätehäusern und dem neuen Feuerwehrhaus geht’s auch bei den Fahrzeugen um Millionen-Investitionen in den nächsten Jahren. Teuer würde es auch, eine weitere Empfehlung des Gutachters umzusetzen, nämlich die Einstellung eines hauptberuflich tätigen Gerätewarts. Die Gerätewartung sei angesichts der aufwändigen technischen Ausstattung ehrenamtlich letztlich nicht mehr zu leisten, unterstrich Böddeker.

Nicht mit Geld zu lösen ist ein anderes Problem der Freiwilligen Feuerwehr, das der Fachmann im Ausschuss ansprach: Grundsätzlich ist die Wehr zwar auch durch Zuwächse in den zurückliegenden Jahren personell gut aufgestellt – kritisch ist aber weiterhin die Situation bei Einsätzen in der Woche tagsüber. Der Grund: Viele der Feuerwehrleute haben auswärts ihren Arbeitsplatz, sind also nicht in Hückeswagen oder unmittelbarer Nähe, wenn sie für einen großen Notfall-Einsatz eigentlich gebraucht würden.

Bei allen aufgezeigten Problempunkten zog der Bürgermeister am Ende doch eine positive Bilanz: „Wir sind in verschiedenen Bereichen besser geworden, zum Beispiel bei der Gewinnung neuer Kräfte und bei der Qualifizierung. Wir haben ein gutes Leitungsteam und eine gute Mannschaft in unserer Wehr.“ Die Stadt investiere auch viel in den Brandschutz, unter anderem aktuell in die Anschaffung der neuen Drehleiter und vor allem ins neue Feuerwehrhaus. Persian: „Trotzdem, es bleibt noch viel zu tun in den nächsten Jahren.“