Hückeswagen: Unbekannte wollten Geldautomat der Deutschen Bank sprengen

SB-Filiale in Hückeswagen : Unbekannte wollten Geldautomat der Deutschen Bank sprengen

In der Nacht zu Freitag hatte es in der SB-Filiale der Deutschen Bank an der Bahnhofstraße eine Verpuffung gegeben. Die Bewohner der darüber liegenden Wohnungen mussten diese für etwa eineinhalb Stunden verlassen. Die Täter flüchteten ohne Beute.

Die fast 52-jährigen Ära der Deutschen Bank endete mit einem Knalleffekt – aber anders, als das die Verantwortlichen und Kunden gedacht hatten. Seit einigen Wochen steht fest, dass die Deutsche Bank ihre SB-Filiale, die sie seit 2002 nach der Schließung der Geschäftsstelle am Wilhelmplatz an der Bahnhofstraße betreibt, zum 5. August schließen will. Doch ihr Ende kam dreieinhalb Wochen früher in der Nacht zu Freitag. Dann nämlich versuchten Unbekannte, den Geldautomaten zu sprengen. Das gelang zwar nicht, eine Renovierung der beschädigten Räumlichkeiten lohnt sich allerdings nicht mehr. „Wir werden die SB-Filiale nicht mehr eröffnen“, bestätigte daher ein Sprecher der Deutschen Bank auf Anfrage unserer Redaktion.

Im Treppenhaus des Hauses Bahnhofstraße 18 liegt am Freitagmorgen immer noch ein leichter Brandgeruch in der Luft. Auch auf dem Bürgersteig vor der SB-Filiale riecht es verbrannt. Beim Blick durch die geöffnete Tür, die mit einem rot-weißen Flatterband der Polizei abgesperrt ist, sind Rußspuren auf dem Boden zu erkennen. Aber mehr auch nicht. Der Geldautomat sieht völlig unbeschädigt aus, auch die beiden Milchglasscheiben als Abtrennungen daneben sind unversehrt. Würden nicht der Ruß, das Flatterband, die Spurenermittler der Polizei und eine Mitarbeiterin eines Sicherheitsdienstes mit gelber Weste zu sehen sein, würde niemand auf die Idee kommen, dass sich hier wenige Stunden zuvor ein Verbrechen abgespielt hatte.

Die Täter waren in der Nacht in den unverschlossenen SB-Bereich gelangt, wo unter anderem der Geldautomat steht. „Dort öffneten sie gewaltsam eine Tür, die in den Raum hinter dem Geldautomaten führt“, teilt Polizei-Sprecherin Monika Treutler mit. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen leiteten sie gegen 2.40 Uhr aus zwei kleinen miteinander verbundenen Gasflaschen Gas in den Automaten, was aber offenbar nicht zu dem erhofften Erfolg führte – der Automat hielt dem Druck stand. Die Verpuffung führte jedoch dazu, dass im Bereich der Automatenelektronik ein Schwelbrand entstand, was wiederum eine starke Rauchentwicklung zur Folge hatte. Daher wurden auch der Löschzug Stadt und die Löschgruppe Herweg der Feuerwehr alarmiert. Anwohner hatten den lauten Knall gehört und die Polizei informiert. Als die an der Bahnhofstraße eintraf, waren die Täter bereits ohne Beute in unbekannte Richtung geflüchtet. Die sofort eingeleitete Fahndung blieb bislang erfolglos.

„Die Wohnungen oberhalb der SB-Filiale wurden zur Vorsicht vorübergehend geräumt“, berichtet Monika Treutler. Der Schwelbrand sei von von der Feuerwehr gelöscht und die Gasflaschen aus dem Gebäude transportiert worden. „Mittels Wärmebildkamera wurde der Bankraum kontrolliert und anschließend mit einem Hochleistungslüfter vom giftigen Brandrauch befreit“, teilt Feuerwehr-Sprecher Morton Gerhardus mit.

Die Anwohner des Gebäudes waren überrascht, teilweise auch geschockt, als in der Nacht an ihren Wohnungen geklingelt wurde und Polizisten vor der Tür standen. Etwa eineinhalb Stunden mussten sie im Freien verbringen, darunter waren auch Kinder. „Ich habe nicht gleich die Tür geöffnet, weil es mitten in der Nacht war“, erzählt Lulzime Koraqi. Dann habe sie aber die Polizei gesehen und doch aufgemacht. Mit ihrem Mann und den beiden acht und zwölf Jahre alten Töchtern verließ sie schließlich das Haus, nachdem die Beamten sie über den Grund aufgeklärt hatten. So hatten die beiden Mädchen an ihrem letzten Schultag vor den Sommerferien in ihren Klassen reichlich zu erzählen.

Wie Lulzime Koraqi konnte auch ein Nachbar „nicht sofort einschlafen“. Ein anderer, dessen Eingangstür zum Etapler Platz hin liegt, hatte sich über den Knall gewundert und später flimmerndes blaues Licht gesehen. Beim Nachschauen auf dem Balkon stellte sich heraus, dass Polizei und Feuerwehr auf der Bahnhofstraße standen.

Shefket Koraqi hingegen hatte den Knall nicht gehört, da sein Schlafzimmer und das seiner Frau nach hinten raus liegt. „Aber die Nachbarin hat das ungewöhnliche Geräusch bei der Polizei gemeldet“, berichtet er. „Wer weiß, was passiert wäre, wäre sie nicht wach geworden.“ Eine solche Tat sei doch echt nicht normal, sagt er kopfschüttelnd.

So ähnlich sieht das auch Michael Kniep. „Das wird immer schlimmer“, meint der Inhaber des gegenüberliegenden Hotels Kniep. „Jetzt kommen die sogar schon auf die Dörfer.“ Unter anderem Umständen hätte er die Täter vielleicht sogar gesehen, denn wenn er arbeite, sei er erst gegen 2 Uhr im Bett. Zurzeit aber habe er Urlaub, so dass er zur Tatzeit schon geschlafen hätte. „Ich habe immer schon gedacht, dass so etwas mal passieren wird“, betonte Kniep.

Wie die Polizei-Sprecherin mitteilt, entstand an dem Gebäude kein Schaden. Lediglich der SB-Raum sowie Räumlichkeiten der benachbarten Raiffeisenbank wurden in Mitleidenschaft gezogen. „Es handelte sich aber nur um etwas Löschwasser in unseren Kellerräumen“, bestätigte Thomas Knura, Pressesprecher der Volksbank Oberberg, zu der die Raiffeisenbank gehört.

Monika Treutler bittet nun Zeugen, die verdächtige Fahrzeuge, Kennzeichen oder Personen gesehen haben, sich bei der Kriminalpolizei Gummersbach unter Tel. 02261 81990 zu melden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Versuchte Geldautomaten-Sprengung in Hückeswagen

Mehr von RP ONLINE