Hückeswagen: Tödlicher Unfall – Firmenchef angeklagt

Amtsgericht Wipperfürth: Tödlicher Unfall – Firmenchef angeklagt

Ein Mann starb, ein anderer erlitt schwerste Verletzungen bei einem tragischen Arbeitsunfall im November 2016 in einem Entsorgungsfachbetrieb in Winterhagen. War der Firmenchef mit schuld? Darum ging es jetzt im Amtsgericht.

Die Anklage gegen den 60-jährigen Unternehmer aus Hückeswagen lautete auf fahrlässige Tötung und schwere Körperverletzung: ein schwerwiegender Tatvorwurf gegen einen bislang nicht vorbestraften Mann, der vor 30 Jahren seinen Fachbetrieb für Autoverwertung und Autoentsorgung an der Industriestraße in Hückeswagen-Winterhagen gegründet hatte und ihn bis heute erfolgreich führt. Nie war es dort zu Problemen gekommen, nie hatten die Gewerbeaufsicht beziehungsweise das Amt für Arbeitsschutz Grund zu Beanstandungen – bis zum 23. November 2016.

Was damals als ganz normaler Arbeitstag begann, endete am Nachmittag schrecklich mit einem tödlichen Unfall. Ein 48-jähriger Mitarbeiter aus Ratingen starb, ein damals 45-jähriger Kollege aus Gummersbach wurde lebensgefährlich verletzt. Er ist bis heute arbeitsunfähig.

Der 48-Jährige war damals in den Unterbau eines schweren Lkw, einer mobilen Auto-Presse, gestiegen, um Reparaturen vorzunehmen. Es kam zu einem Druckabfall der Hebehydraulik, ein Sicherheitsventil fehlte. Ddadurch bedingt stürzte der ausgefahrene Schwenkarm ab, der dazu dient, Container vom beziehungsweise auf den Lkw zu heben. Er begrub den Mann unter sich. Der 48-Jährige war sofort tot. Lebensgefährlich verletzt wurde sein Kollege, der zufällig hinter dem Lkw gestanden hatte und ebenfalls von dem abstürzenden Schwenkarm getroffen worden war. Wochenlang lag der Mann danach im Koma. Ob der heute 48-Jährige jemals wieder arbeiten kann, ist ungewiss, denn bis heute leidet er schwer unter den bei dem Unfall erlittenen Verletzungen. 16 Mal musste er seitdem operiert werden.

Im Strafprozess gegen den Firmenchef ging es nun darum zu klären, inwieweit er Mitschuld an dem furchtbaren Arbeitsunfall trägt. Waren alle Sicherheitsvorschriften im Unternehmen ausreichend beachtet, die Mitarbeiter den gesetzlichen Vorgaben entsprechend in Sicherheitsfragen unterwiesen worden?

Jedenfalls hatte es einen Sicherheitsbeauftragten in der Firma gegeben: den Vater des Unternehmers, einen früheren technischen Betriebsleiter, der dann als Rentner in den Betrieb des Sohnes eingestiegen war, um sich dort speziell um die Arbeitssicherheit zu kümmern. Ein früheres Verfahren gegen ihn wegen des Arbeitsunfalls mit tödlichem Ausgang war eingestellt worden. Im Strafverfahren gegen seinen Sohn wurde nun auch ein Mitarbeiter des Amtes für Arbeitsschutz als Zeuge gehört.

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Demnach hatte es formale Fehler bei den Sicherheitsvorkehrungen in dem Entsorgungsbetrieb gegeben, auch unzureichende Unterweisungen der Mitarbeiter durch den Senior-Chef. Die dazu vorgelegten Unterlagen seien „mangelhaft“ gewesen, sagte der Gewerbeaufsichtsbeamte aus. Nach dem Unfall hat der Unternehmer darauf reagiert: Seitdem sorgt ein externer Sicherheitsingenieur in dem Betrieb dafür, dass alle gesetzlichen Vorgaben zum Arbeitsschutz eingehalten und entsprechend dokumentiert werden.

„Ich sehe meinen Betrieb auch in Sachen Sicherheit gut aufgestellt“, betonte der Unternehmer. Gleich zu Beginn des Prozesses drückte er sein großes Bedauern über den tragischen Arbeitsunfall aus: „Das hat mich tief getroffen und schwer erschüttert. Ich stelle mich der Verantwortung.“ Unbegreiflich sei ihm bis heute, wie es zu dem Unfall kommen konnte, denn sein dabei getöteter Mitarbeiter sei erfahren im Umgang mit Reparaturen an den Lkw und den hydraulischen Einrichtungen gewesen. Er hätte wissen müssen, dass es lebensgefährlich war, unter diesen Umständen in den Unterbau des Lkw zu steigen. Dass er es an dem Tag im November vor zwei Jahren dennoch tat, spielte jetzt auch eine Rolle im Strafverfahren gegen den Arbeitgeber. Den Mitarbeiter treffe erhebliche Mitschuld an dem furchtbaren Unfall, der ihn das Leben kostete und seinen Kollegen die Gesundheit, befand das Gericht.

Nach einem Rechtsgespräch mit Staatsanwalt und Verteidiger, für das die fast sechsstündige Sitzung vor dem Wipperfürther Amtsgericht unterbrochen worden war, stellte das Schöffengericht deshalb das Verfahren gegen den Unternehmer ein: „Eine strafrechtliche Verurteilung ist hier nicht erforderlich“, sagte der Vorsitzende Richter.

Die Auflage: Der Firmenchef muss 10.000 Euro zahlen, davon 2000 an die Staatskasse und insgesamt 8000 Euro an Gruppen der Freiwilligen Feuerwehr und der DLRG.

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