1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen: Sturmtief „Sabine“ hat sich erst einmal zurückgehalten

Sturmtief über Hückeswagen : „Sabine“ hat sich erst einmal zurückgehalten

Die Auswirkungen des Sturmtiefs sind weitaus geringer als befürchtet. Der Radweg ist aber bis mindestens Dienstagmittag gesperrt.

Roland Kissau vom Ordnungsamt bringt es auf den Punkt: „,Kyrill’ war ein paar Nummern schlimmer“, sagte er am Montagmorgen auf Anfrage unserer Redaktion. Während das Orkantief am 18./19. Januar 2007 auch in Hückeswagen eine Schneise der Verwüstung hinterlassen hatte, ist von „Sabine“ nur wenig zu sehen. Zwar liegen auf vielen Straßen und Gehwegen abgebrochene Äste, aber das ist es dann auch schon fast.

Die Feuerwehr war gerüstet: In den geöffneten Türen der Einsatzwagen in der Wache an der Bachstraße hingen bereits die Jacken für die Einsatzkräfte. Foto: Feuerwehr


Was hatte die Feuerwehr zu tun? In der Wache an der Bachstraße hatte die Freiwillige Feuerwehr ab Sonntagnachmittag – wie auch alle anderen Wehren im Oberbergischen Kreis – einen sogenannten Unwettermeldekopf eingerichtet, so dass die Einsätze nach der Alarmierung direkt am Ort koordiniert werden konnte. Damit sollte die Kreisleitstelle in Gummersbach entlastet werden. Die Kameradinnen und Kameraden waren neun Stunden in Bereitschaft – von 16 Uhr bis 1 Uhr in der Nacht zu Montag.

Die Feuerwehr musste zu sieben sturmbedingten Einsätzen ausrücken. Foto: Feuerwehr

„Zunächst wurde die Löschgruppe Holte zu einem umgestürzten Baum gerufen“, berichtete Feuerwehr-Sprecher Morton Gerhardus. Insgesamt mussten die Feuerwehrleute zu lediglich zu sieben Einsätzen im Stadtgebiet ausrücken: zum Radweg an der Schlossfabrik, zur Bachstraße, nach Goldenbergshammer, Mickenhagen, Braßhagen, Neuenholte sowie Warth / Odenholler Mühle. „Dabei handelte es sich überwiegend um umgestürzte Bäume, die Straßen blockierten.“ Nachdem sich das Sturmtief in der Nacht etwas abgeschwächt hatte, wurde der Unwettermeldekopf in der Wache aufgelöst. „Danach musste die Feuerwehr Hückeswagen trotz teils heftiger Böen nicht erneut ausrücken“, teilte Gerhardus mit.

In Westhoferhöhe hatte der Sturm ein Umleitungsschild umgeworfen. Foto: Stephan Büllesbach


Was ist auf dem Radweg los? Eine Sperrung gibt es aktuell auf dem Radweg zwischen Kleineichen und den Wupperauen sowie ab dem Mühlenweg. Dort sind laut Roland Kissau mehrere Bäume umgestürzt und etliche Äste heruntergefallen, die nun von den Mitarbeitern des Bauhofs entfernt werden müssen. „Wir werden die Sperrung bis voraussichtlich Dienstagmittag aufrechterhalten, denn wir haben eine weitere Sturmmeldung erhalten“, berichtete er. Die ersten Orkanböen am Sonntagabend und in der Nacht zu Montag hätten doch einige Bäume gelockert. Die Gefahr ist also entsprechend groß, dass sie bei einem erneuten Sturm umkippen könnten. Auch sind durch die zwei zurückliegenden heißen Sommer viele Äste – auch größere – vertrocknet, so dass auch diese heruntergeweht werden könnten.

In der Wache an der Bachstraße hatte die Feuerwehr einen sogenannten Unwettermeldekopf eingerichtet, um die Kreisleitstelle in Gummersbach zu entlasten. Foto: Feuerwehr


Wie war die Situation an den Schulen und Kindergärten? Bereits seit dem späten Freitagnachmittag stand nach Abstimmung der Stadtverwaltung mit den Schulleitungen fest, dass an den Hückeswagener Schulen am Montag durchgehend sturmfrei ist. Und die Kommunikation schien bestens funktioniert zu haben, denn die Schüler blieben zu Hause. Für die Lehrer gab es dagegen keinen freien Tag. „Wir nutzen den Tag etwa für Klassenkonferenzen oder Teambesprechungen“, bestätigte Claudia Sträter. Leiterin der Löwen-Grundschule. Zudem war ein IT-Techniker im Gebäude, um die neuen Panele der Klassenräume und die i-Pads der Lehrerinnen internetfähig zu machen. „Wir waren aber darauf vorbereitet, Kinder zu betreuen, wenn sie von ihren Eltern gebracht worden wären“, versicherte Claudia Sträter. An der Realschule sah es ähnlich aus: Keine Kinder, aber alle Lehrer waren da. Die nutzten die Gelegenheit, sich auf die Schulinterne Lehrerfortbildung vorzubereiten. Auch zum Berufskolleg, der Privatschule bergischer Unternehmer, waren keine Schüler gekommen. Der Unterricht fand dennoch statt – über das Lernmanagement-System „eSchool“, wie es die Schulleitung auf Facebook kommunizierte.

Auf der K 5 zwischen Beverteich und Beverdamm war in der Nacht ein Baum in der Mitte durchgebrochen und auf die Fahrbahn gestürzt. Foto: Stephan Büllesbach

Den Eltern von Kindergartenkindern war es freigestellt, ihre Sprösslinge zu Hause zu lassen. Viele nutzten das auch. So waren etwa in der „Rappelkiste“ an der Bachstraße gerade einmal zwei Kinder von 21 da, die aber wieder frühzeitig abgeholt wurden. Die beiden Awo-Kindergärten bekamen jeweils knapp eine Gruppe voll – in Wiehagen sind normalerweise zwei, auf dem Dierl vier Gruppen untergebracht. Und der dreigruppige katholische Kindergarten Am Kamp betreute 20 Kinder.


Wie sah es auf den Straßen aus? Der Berufsverkehr am Montagmorgen floss reibungslos. Es kam zu keinen sturmbedingten Unfällen, wie Polizei-Sprecher Michael Tietze bestätigte. Überraschend gut funktionierte auch der Linienbusverkehr. Schon am Sonntag hätte es keine Einschränkungen gegeben, sagte Manuel Kippelt, Betriebsleiter der Oberbergischen Verkehrsgesellschaft (OVAG). Und auch am Montagmorgen fuhren die Busse – lediglich in Gummerbach war ein Baum auf den hinteren Teil eines Busses gestürzt. Der Schaden war zu verkraften, Menschen wurden nicht verletzt.

„Wir hatten mehr Schwierigkeiten damit herauszufinden, welche Schulen noch Busse benötigen“, berichtete Kippelt. Zwar hätten sich Lehrer und Eltern untereinander gut abgestimmt, die OVAG sei aber häufig nicht über etwaige Unterrichtsausfälle informiert worden. „Von Hückeswagen wussten wir am Samstagmorgen als erste Stadt Bescheid, dass die Schulen nicht öffnen werden“, sagte der Betriebsleiter.

Was war mit der Müllabfuhr? Am Montag wurden in Hückeswagen keine Mülltonnen abgeholt. Auf seiner Internetseite nennt der Bergische Abfallwirtschaftsverband (BAV) den kommenden Samstag, 15. Februar als Ausweichtermin.


Darf man jetzt einen Waldspaziergang machen? Rein theoretisch ja, denn das Betreten der Wälder geschieht ohnehin jedes Mal auf eigene Gefahr. „Ich rate davon aber dringend ab“, warnt Revierförster Heiner Grüter. Zwar hat er noch keine Übersicht über mögliche Schäden in den Hückeswagener Wälder. „Aber überall befinden sich trockene Äste oder auch abgebrochene Kronen in den Bäumen, die jederzeit herunterfallen können“, sagte er. Und zumindest bis Mittwoch ist laut Meteorologen auch im Bergischen noch mit teils starken Sturmböen zu rechnen. Die Gefahr ist also längst nicht vorbei.