Hückeswagen: "Stolperstein" an der Weststraße für Otto Fröhlich

Hückeswagen, Weststraße : In Gedenken an Otto Fröhlich

Der Künstler Günter Demnig verlegte am Dienstagnachmittag an der Weststraße den vierten „Stolperstein“der Schloss-Stadt. Er erinnert an den Hückeswagener KPD-Vorsitzenden der 1920er Jahre, der 1935 im KZ Esterwegen starb.

Als Iris Kausemann 2003 noch das Stadtarchiv von Hückeswagen aufbaute, war Max Fröhlich zu ihr in den Schelmenturm des Schlosses gekommen und hatte ihr die Geschichte seines Großvaters Otto Fröhlich erzählt. „Wir beide waren uns einig, dass für ihn unbedingt einmal ein ,Stolperstein’ verlegt werden müsste“, erinnert sich die Vorsitzende der beiden Geschichtsvereine BZG und BGV. Sie hatte es damals versprochen. Doch auch wenn Max Fröhich inzwischen verstorben ist. „war es für mich eine Herzensangelegenheit, mein Versprechen endlich umzusetzen“.

Am Dienstagnachmittag ist es endlich soweit: Vor dem Haus Weststraße 6, wo Otto Fröhlich wohnte, verlegt Gunter Demnig einen den vierten Hückeswagener „Stolperstein“ in Erinnerung an den Vorsitzenden der Hückeswagener KPD, die er in den 1920er Jahren im Stadtrat vertrat. Viele geschichtsinteressierte Hückeswagener, darunter auch einige Nachkommen Fröhlichs, sehen dem Künstler bei der Arbeit zu. Als er fertig ist, richtet Iris Kausemann das Wort an die Zuschauer: „Das ist ein Stein gegen das Vergessen.“ Otto Fröhlich habe vieles in die Wege geleitet und sich für die Arbeiter eingesetzt. Dann legt sie eine weiße Rose rechts neben den 9,6 mal 9,6 mal zehn Zentimeter großen gegossenen Betonsteine, auf dessen goldener Messingplatte der Name Fröhlichs und einige Daten eingraviert sind.

Otto Fröhlich (1888-1935). Foto: Archiv BZG

Dann nutzt Bürgermeister Dietmar Persian die Gelegenheit, den Bogen in die heutige Zeit zu schlagen. Der Stein habe zweierlei Bedeutung, sagt er und verweist zunächst auf die Erinnerung an das, was damals geschehen war. „Es geht aber auch ums Wachsamsein“, stellt Persian klar. Jetzt sei eine Zeit, in der vieles nicht mehr so sein, wie es eigentlich sein sollte. Auch die Nationalsozialisten hätten mit Propaganda, Populismus und vergifteten Worten gearbeitet. „Ich habe die Sorge, dass das jetzt auch bei uns in diese Richtung geht – wenn wir nicht wachsam sind.“ Er appellierte, die Stimme zu erhebe, wenn Menschen oder eine Anschauung verunglimpft würden.

Nach dem Verlegung des „Stolpersteins“ wird in der BZG-geschäftsstelle, Islandstraße 1, eine Ausstellung zu Otto Fröhlich eröffnet. Sie kann bis Mai jeden ersten Samstag im Monat, 10 bis 12 Uhr, besichtigt werden. Sondertermine können unter Tel. 0151 70169168 abgestimmt werden.

Künstler Gunter Demnig verlegte den „Stolperstein“ vor dem Wohnhaus Weststraße 6, später trug er sich noch ins Goldene Buch der Stadt ein. Foto: Stephan Büllesbach

Am 1. März 1933, wenige Tage nach Hitlers Machtergreifung, war Otto Fröhlich aus politischen Gründen in Schutzhaft genommen und im November in Untersuchungshaft überführt worden. Das Sondergericht Hamm verurteilte ihn wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu zwei Jahren Gefängnis. Letztlich waren es exakt zwei Jahre, sieben Monate und drei Wochen, die der Hückeswagener unter den Nationalsozialisten in Haft saß, ehe er 47-jährig am 20. Oktober 1935 im Konzentrationslager Esterwegen im Emsland starb.

Fröhlichs Namen ist nun nicht nur vielen Hückeswagenern im Gedächtnis verankert, sondern auch im Boden der Weststraße. Als der „Stolperstein“ eingesetzt ist und der Bürgermeister seine kurze Ansprache hält, öffnet der Himmel seine Schleusen, und bergischer Landregen prasselt auf die Umstehend herab. Vielleicht waren es aber auch Freudentränen von Max, dem Enkel Otto Fröhlichs.