Hückeswagen: Stimmbildung ist Lehrergesundheit

Seminar: Stimmbildung ist Lehrergesundheit

Die Schauspielerin Beate Ritter gab 15 Lehrerinnen und Lehrern Tipps, wie sie ihre Stimme besser einsetzen können.

Aus dem Bewegungsraum der Fritz-Perls-Institut an der Bever-Talsperre sind seltsame Geräusche zu hören. Man kann Laute vernehmen, k- und t-Laute etwa, dann wieder Sätze, die auf Anhieb nicht viel Sinn ergeben, die von einer Person vorgesprochen und dann von einer Gruppe durchaus lautstark wiederholt werden. Beim Blick in den Raum sieht man eine zierliche Frau vor 15 anderen Menschen stehen, sie bewegen sich rhythmisch zu den Sätzen, machen mit den Händen und Armen teils wilde Gesten, lachen dabei, aber nicht peinlich berührt.

Am Mittwochnachmittag war die Schauspielerin Beate Ritter aus Brilon zu Gast in Hückeswagen, eingeladen hatte sie das Schulreferat des Evangelischen Kirchenkreises Lennep. „Ich gebe Seminare zu den Themen Sprechen, Körpersprache und Stimmbildung. Manchmal vor Managern, manchmal, wie heute, vor Lehrern“, sagt Ritter. Das Thema der Fortbildung lautet daher: „Authentisch unterrichten – Stimmbildung für Lehrer“.

Ein ganzer Tag ist dafür angesetzt, und die Lehrer sind mit vollem Körpereinsatz bei der Sache. „Wir haben am Morgen mit ein wenig Theorie angefangen. Aber im Verlauf des Tages kommen wir natürlich auch dazu, das theoretisch Erlernte praktisch zu üben“, sagt Ritter. Für Lehrer sei das richtige Sprechen und die gelungene Kombination aus Stimm- und Körpersprache von besonderer Bedeutung, sagt die Schauspielerin. „Lehrer sind schließlich den ganzen Tag über auf ihre Stimme angewiesen“, ergänzt sie.

Dagmar Cronjäger ist Religionslehrerin am Leibniz-Gymnasium in Remscheid. Zudem ist die Pfarrerin im Schulreferat des Kirchenkreises tätig. Die Inhalte der Fortbildung kann sie jedoch genau wie ihr Kollege Matthias Weichert vom Kirchenkreis an der Agger, der ebenfalls als Lehrer am Abendgymnasium Gummersbach tätig ist, auch ganz praktisch im beruflichen Alltag brauchen. „Ich habe heute gelernt, dass meine Gestik besonders wichtig ist. Ich kann meine Hände und meine Mimik dazu einsetzen, um deutlich zu machen, was ich will“, sagt Cronjäger.

Für Weichert ist im Laufe des Mittwochs besonders deutlich geworden, dass man in einer Fortbildungssituation immer auch in die Selbstreflexion komme. „Man weiß im Grunde genommen über die Dinge Bescheid, die man in so einer Fortbildung lernt. Aber dennoch macht man sie sich auf diese Weise wieder ganz neu klar – auch deswegen, weil man gar im Alltag nicht immer daran denkt“, sagt Weichert.

Sprach- und Stimmbildung sei zwar nicht originär ein kirchliches Thema, dennoch sehe sie eine Fortbildung wie jene mit Beate Ritter als wichtige Aufgabe des Schulreferats, sagt Cronjäger. „Unsere Aufgabe ist es auch, zu sehen, was die Lehrer brauchen. In größer werdenden Klassen steigen auch die Anforderungen an die Lehrer“, sagt sie. Es handele sich beim richtigen Sprechen nicht zuletzt um eine Form der Lehrergesundheit. Weil die Nachfrage von den Lehrern aus dem Kirchenkreis so groß gewesen sei, werde es im Juni eine weitere Fortbildung geben. Diese werde in Gummersbach stattfinden.

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