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Hückeswagen: Sommerfest des "Wohnwerks"

Heim für Demenzkranke : „Wohnwerk“ begrüßt gefiederte Gäste

Im „Wohnwerk“, dem Heim für Demenzkranke, wurde am Samstag das Sommerfest gefeiert, zu dem sich Falkner Detlef Gaßmann und seine Greifvögel angesagt hatten. Die vollstationäre Einrichtung ist gut belegt, es fehlt jedoch an Fachkräften.

Von Berührungsängsten keine Spur: Geduldig sitzt Waldkauz „Flauschi“ auf dem Arm von Josi Palmowski und lässt sich streicheln. Die Eule, wie auch der amerikanische Wüstenbussard „Csay“, lösen am Samstagnachmittag bei den „Wohnwerk“-Bewohnern große Begeisterung aus.

Der Besuch des Falkners Detlef Gaßmann ist nur ein Höhepunkt des Sommerfestes im Wohnheim für Demenzkranke an der Montanusstraße, der nicht nur bei den Bewohnern, sondern auch bei deren Gästen und Angehörigen bestens ankommt. Ebenso sorgt der bestellte mobile Eiswagen für kulinarische Freude und schöne Kindheitserinnerungen. Auch das Wetter spielt diesmal mit. „Endlich können wir einmal ohne Regen unser Sommerfest feiern“, berichtet Einrichtungsleiterin Iris Prangenberg-Röntgen erfreut.

 Bewohnerin Josefa (Josi) Palmowski auf Tuchfühlung mit Kauz „Flauschi“, den Falkner Detlef Gaßmann zum Sommerfest im „Wohnwerk“ mitgebracht hat.
Bewohnerin Josefa (Josi) Palmowski auf Tuchfühlung mit Kauz „Flauschi“, den Falkner Detlef Gaßmann zum Sommerfest im „Wohnwerk“ mitgebracht hat. Foto: Heike Karsten

Das Fest wird bewusst in einem kleinen Rahmen gehalten, „damit unsere Bewohner nicht zu vielen Reizen ausgesetzt sind“, erläutert sie. Bewohner, Angehörige aber auch die Angehörigen ehemaliger Bewohner schauen an diesem Tag in der Einrichtung vorbei.

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Seit 2009 betreibt die Oberbergische Gesellschaft zur Hilfe für psychisch Behinderte (OBG) das Wohnheim für Demenzkranke am Montanus-Kreisel. „Vollstationär sind wir ausgebucht“, berichtet Iris Prangenberg-Röntgen. Jede Woche träfen bis zu acht Anfragen nach einem Platz im „Wohnwerk“ ein – häufig von verzweifelten Angehörigen, die mit der Pflege überfordert sind und Hilfe benötigen. Ebenso gehen Anfragen von sozialen Diensten und Krankenhäusern für Patienten ein, die aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr in ihre häusliche Umgebung zurückkehren können. 20 große Einzelzimmer hält das „Wohnwerk“ für die vollstationäre Unterbringung bereit.

Hauptsächlich sind an Demenz erkrankte Menschen dort untergebracht, aber nicht nur: „Es gibt auch Bewohner, die nicht dement sind oder eine Alkoholvergangenheit haben“, betont Prangenberg-Röntgen. Was viele nicht wissen: Das „Wohnwerk“ bietet zusätzlich pro Tag sechs Tagespflegeplätze an, einschließlich Hol- und Bringdienst. Hier hat die Hückeswagener Einrichtung noch Kapazitäten frei.

Josi Palmowski hatte nach einem Armbruch zunächst die Kurzzeitpflege in Anspruch genommen und wohnt nun im „Wohnwerk“. Ihre Tochter Barbara Glatow ist sehr froh, diese Einrichtung gefunden zu haben. „Hier herrscht eine schöne Atmosphäre, als wenn man zu Hause ist“, versichert die Lenneperin. Ihre Mutter sei in den täglichen Alltag bestens integriert. Die 91-jährige Rollstuhlfahrerin kümmert sich gerne um die Balkonblumen und hilft auch mal beim Schälen der Kartoffeln. „Es gefällt mir hier ganz gut“, bestätigt sie die Aussagen ihrer Tochter.

Einziges Problem für die Einrichtung ist der bundesweite Fachkräftemangel. „Aktuell suchen wir eine Halbtagsfachkraft im Drei-Schicht-System und eine 450-Euro-Kraft für die Nachtschicht“, sagt die Heimleiterin. Ausgebildete Pflegekräfte seien jedoch ebenso schwer zu finden wie Auszubildende, weshalb auch ein Ausbildungsplatz im „Wohnwerk“ in diesem Jahr unbesetzt bleibt. „Dabei sind wir mit 24 Pflegekräften ein tolles Team mit flachen Hierarchien“, versichert Iris Prangenberg-Röntgen.