Hückeswagen soll Fair-Traid-Town werden

Hückeswagen : Stadt soll Fair-Trade-Town werden

Was Gummersbach, Lindlar, Engelskirchen und Wipperfürth vorgemacht haben, will die Schloss-Stadt auch: den Status "Fair-Trade-Town" bekommen. Zumindest dann, wenn es nach den Grünen geht. Die stellten das Konzept 20 Vertretern von Kirchen und Parteien, aber auch Privatpersonen vor.

Gleichzeitig betonte Ortssprecherin Shirley Finster: "Es ist auf keinen Fall eine politisch gesteuerte Sache. Wir wollten den Vorschlag in den Raum werfen - mit Leben gefüllt werden muss er aus vielen verschiedenen Richtungen."

Deutlich wurde, dass Ideologien, ob politischer oder spiritueller Art, bei der Motivation keine Rolle spielten. Abgesehen von der FDP, von der es keine Rückmeldung gab, waren Vertreter der übrigen im Rat vertretenen Fraktionen gekommen oder hatten sich per Mail positiv und unterstützend geäußert. Genauso waren Vertreter der katholischen und evangelischen Gemeinden erschienen.

Bürgermeister Dietmar Persian interessierte sich in privater wie beruflicher Funktion für das Thema. "Meine Tochter lebte und arbeitete lange Jahre in Afrika, daher ist mir das Thema nahe", sagte er.

Doch worum handelte es sich? Das erklärten Helmut Schäfer aus Engelskirchen und Iris Röttgen-Remshagen aus Lindlar, die den Fair-Trade-Town-Prozess in ihren Gemeinden erfolgreich begleitet hatten. "Um Fair-Trade-Gemeinde zu werden, muss man fünf Kriterien erfüllen", sagte Schäfer. Dabei handele es sich um einen Ratsbeschluss, der den Weg freimache, dass der faire Handel unterstützt werde. Dazu müsse bei den öffentlichen Sitzungen und im Rathaus des Bürgermeisters fair gehandelter Kaffee und ein weiteres Produkt ausgeschenkt werden. "Wenn der Rat den Beschluss gefasst hat, wird eine Steuerungsgruppe gegründet - die muss aus mindestens drei Personen aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft bestehen", sagte Röttgen-Remshagen.

Das dritte Kriterium beziehe sich auf den Einzelhandel, sagte Schäfer: "Abhängig von der Größe der Stadt werden im Einzelhandel, bei Floristen, in Cafés und Restaurants mindestens zwei Produkte aus fairem Handel angeboten." Auch eine Schule, Kirchen oder Vereine müssten zur Mitarbeit gewonnen werden. "Das ist aber in der Regel das geringste Problem", sagte Schäfer. Und nicht zuletzt müsse der Weg zur Fair-Trade-Town von den örtlichen Medien dokumentiert werden.

Der pensionierte Lehrer wies darauf hin, dass ein fraktionsübergreifender Konsens zur Umsetzung der Idee von Vorteil sei. "Es wäre für das Projekt schädlich, wenn im Rat lang und breit diskutiert wird. Daher sollte man im Vorfeld bei den Parteien vorfühlen." Schäfer betonte die besondere Wichtigkeit des fairen Handels. "Es gäbe viele Probleme auf der Welt nicht, wenn wir den fairen Handel hätten." Jeder könne in seinem kleinen Bereich viel zu einer faireren Welt beitragen. "Es kostet die Gemeinde nichts. Das läuft alles ehrenamtlich", sagte er.

Wie sich zeigte, war der Konsens über Konfessionen und Fraktionsgrenzen groß. Persian schlug für das weitere Vorgehen vor: "Alle Beteiligten sollten sich noch mal zusammensetzen und den Ratsbeschluss gut vorbereiten." Darum will sich Finster kümmern, die eine Liste herumgehen ließ, in die sich viele eintrugen. Und so Hückeswagen einen Schritt weiter in Richtung Fair-Trade-Town brachten. www.fairtrade-towns.de

(wow)
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