Sekretärin der Realschule Hückeswagen geht in Ruhestand Tschüss, Frau Gerhardus!

Hückeswagen · An der Realschule endet eine Ära: Die beliebte Sekretärin Astrid Gerhardus geht zum 1. Oktober in den Ruhestand, ihren letzten Tag hatte sie aber bereits längst. Sie erinnert sich an vier Schulleiter und jede Menge Schüler.

 Astrid Gerhardus, seit fast 21 Jahren Sekretärin der Realschule, wird am 1. September verabschiedet. Offiziell geht sie dann zum 1. Oktober in den Ruhestand.

Astrid Gerhardus, seit fast 21 Jahren Sekretärin der Realschule, wird am 1. September verabschiedet. Offiziell geht sie dann zum 1. Oktober in den Ruhestand.

Foto: Jürgen Moll

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der französische Präsident Jacques Chirac können sich nicht auf eine gemeinsame Haltung zum Irak-Konflikt einigen, denn anders als Deutschland will sich Frankreich die Option zu einem Militäreinsatz an der Seite der USA offenhalten. Es ist der 2. Oktober 2002. Astrid Gerhardus hat an diesem Tag für die große Politik allerdings wenig Sinn, verbringt sie doch ihren ersten Tag im Sekretariat der Realschule. 7669 sollten bzw. sollen inklusive Urlaubs- und Krankheitstagen folgen.

Jetzt sind es noch 32 Tage, bis ein weiterer wichtiger Lebensabschnitt für die Hückeswagenerin beginnt, denn zum 1. Oktober geht Astrid Gerhardus offiziell in Rente. Ihren letzten Arbeitstag hatte sie Anfang Juli, seither baut sie ihren Resturlaub ab. Am Freitag, 1. September, wird die 65-Jährige vom Schulkollegium und den Schülern verabschiedet. „Ich wollte eigentlich nach Unterrichtsschluss mit dem Kollegium und den ehemaligen Leitern feiern, aber Schul- und Lehrerkonferenz haben einen großen Abschied geplant“, sagt sie. Das zeigt, welch hohen Stellenwert Astrid Gerhardus sich in 21 Jahren erarbeitet hat. Ihre Nachfolgerin Petra Kurth-Loosen hat sie bereits eingearbeitet.

Auf den Ruhestand freut sie sich: „Dann muss ich den Wecker nicht mehr auf 5.45 Uhr stellen“, sagt sie mit einem Lächeln. Außerdem kann sie sich mehr um ihren 89 Jahre alten Vater kümmern und mit ihm spazieren gehen. Aber „ihre“ Schule wird ihr dennoch fehlen, davon ist Astrid Gerhardus überzeugt: „Ich habe die Arbeit mit den Schülern und Eltern geliebt.“ Als Kind aus der Felbeck-Dynastie in Straßweg sei sie dahingehend vorgeprägt. „Mich interessieren einfach die Geschichten der Menschen.“

Astrid Gerhardus wurde im Johannisstift, das damals noch ein Krankenhaus war, als ältestes von vier Geschwistern geboren. Eingeschult in der damaligen Dorfschule Straßweg, wechselte sie nach fünf Jahren ans Wermelskirchener Gymnasium. Nach weiteren sechs Jahren ging es auf die zweijährige Höhere Handelsschule, ehe sie von 1977 bis Januar 1980 ihre Ausbildung bei der Stadt Hückeswagen absolvierte. Dort arbeitete sie hauptsächlich im Steueramt – auch wenn sie es hin und wieder „mit aufgebrachten Menschen zu tun“ gehabt hatte

Als dann im Mai 1990 ihr Sohn Morton geboren wurde, hörte sie bei der Stadt auf. „Ich habe aber gemerkt, wie schnell die grauen Zellen absterben“, erzählt sie lachend. Dann fand sie eine Stelle in der Versicherungsagentur von Ulrich Weyer vom Fürstenberg. „Ich habe dort zwei, drei Vormittage gearbeitet, während Frau Weyer auf meinen Sohn aufgepasst hat.“ Als Ulrich Weyer schließlich aufhörte, wechselte Astrid Gerhardus für ein Dreivierteljahr zur Wirtschaftsschule Küster in Wermelskirchen.

Doch am 8. Januar 2002 kehrte sie zur Stadt Hückeswagen zurück: Der damalige Personalleiter Peter Schiebahn hatte auf ihre Bewerbung für Teilzeitarbeit reagiert und Bedarf im Bauamt angemeldet. „Da saß ich dann mit dem heutigen Bürgermeister Dietmar Persian in einem Büro“, erinnert sie sich schmunzelnd. Beide waren sogar gemeinsam eingeschult worden.

Es sollte nicht lange dauern, da tat sich eine neue Möglichkeit auf, als die Stelle der Realschul-Sekretärin frei wurde. Der damalige Schulleiter Dieter Schruff bat um ein Gespräch mit ihr: „Er wollte wissen, wen er sich da ins Haus holt“, berichtet die 65-Jährige. Bei einer Tasse Kaffee wurden Nägel mit Köpfen gemacht, so dass sie am 2. Oktober 2002 ihre Stelle im Sekretariat der Schule an der Kölner Straße antrat. „Damals waren es 580 Schüler, heute sind’s 475“, berichtet Astrid Gerhardus. Ihre Wochenstunden hatten sich in den 21 Jahren von 29 auf 34 erhöht.

„Die Schule ist für Astrid Gerhardus ein Spiegel der Gesellschaft: „Probleme, die früher zu Hause gelöst wurden, werden heute vermehrt in die Schule verlagert. Die soll’s dann richten, aber das funktioniert nicht immer“, stellt sie klar. Deshalb sei es immens wichtig, dass die Realschule mit Sarah Bieg eine Schulsozialarbeiterin habe, die für ein paar Stunden in der Woche an die Kölner Straße kommt.

„Die Realschule ist mein zweites Zuhause geworden“, versichert die 65-Jährige. Der wird die Hückeswagenerin aber auch im Ruhestand treu bleiben. Schon ihr Mann, der seit eineinhalb Jahren Rentner ist, kommt donnerstags, um mittags in der Mensa mitzuhelfen. „Das werde ich dann auch tun“, verspricht Astrid Gerhardus.

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