Hückeswagen: Sechs Fragen an die Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat

Sommerfragen : Mehr werben mit Altstadt und Bever

In den Sommerferien stellt unsere Redaktion den Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat sechs Fragen – jede Woche eine. Heute geht es um den Tourismus. Die Frage: Wie kann Hückeswagen in Zukunft noch mehr vom Tourismus profitieren?

Christian Schütte (CDU) Hückeswagen als nördliches Tor zum Bergischen Land sollte mehr als nur ein Durchfahrtsort sein. Wenn wir Attraktionen schaffen, werden sie Gäste anziehen und zum Verweilen einladen. Die Kunden des zukünftigen Designer Outlet-Centers (DOC) in Lennep könnten dazu gehören.

Neben den motorisierten Gästen wäre es auch zielführend, Radfahrern und Wanderern eine Pause in der Schloss-Stadt schmackhaft zu machen, indem wir unsere Einkaufs- und Gastronomieangebote auf der Trasse bewerben und den Radlern sichere Abstellmöglichkeiten für ihre Fahrräder bieten. Ideen, die Aufenthaltsqualität auf Wilhelm- und Bahnhofsplatz zu verbessern, gibt es bereits.

Bis auf das Heimatmuseum ist das Schloss leider nur von außen zu betrachten, keine Gastronomie lädt zur Einkehr ein. Eine kleine Seilbahn könnte das Anfahrt- und Parkproblem lösen. Der Fußweg zurück ins Tal über Markt- und Islandstraße belebt den Einzelhandel und wirkt Leerständen entgegen.

Die Bever-Talsperre als Naherholungsziel hat immer noch Potenzial, im Einklang mit dem Wupperverband braucht es aber weitere Angebote. Ein kleines Elektroschiff könnte eine gut besuchte Attraktion sein. Die „Regionale 2025“ bietet die einmalige Chance, Ideen auch zu Taten werden zu lassen.

Hans-Jürgen Grasemann (SPD) Mit der Bever-, aber auch der Neye- und Wupper-Talsperre haben wir Pfunde, mit denen wir wuchern müssen. Darüber hinaus bietet die historische Altstadt ein tolles Ambiente. Über die Fahrradtrasse sind wir mit sportlichen Menschen im Umland bestens angebunden. Mit dem von der SPD-Fraktion geforderten und mittlerweile genehmigten Ausbau der Trasse an der Kreisstraße 5 in Richtung Bever (vom Kreis für 2020 geplant; Anm. d. Red.) wird das Angebot für Radtouristen noch attraktiver. Dies alles muss verstärkt genutzt werden.

Defizite sehen wir besonders im Bereich der Gastronomie und im Hotelgewerbe – hier muss etwas geschehen. Vielleicht wäre ein Fahrradhotel eine Attraktion. Gleichzeitig müssen wir die Werbung, insbesondere für die historische Altstadt, verstärken, um die Radtouristen in die Stadt zu locken. Hier reicht das Angebot rund um den Etapler Platz nicht aus.

Wir müssen es endlich schaffen, am Schloss ein Café zu etablieren, das doch mindestens an den Wochenenden eine lohnende Sache sein müsste. Ähnliches könnten wir uns am „Pilz“ an der Wupper-Vorsperre vorstellen. Dort könnte der Betreiber einer mobilen Getränkestation an sonnigen Tagen sicher sein Geschäft machen.

Die Bever-Talsperre aus der Luft betrachtet. Foto: Peter Sondermann/Wupperverband

Egbert Sabelek (Grüne) Zum einem wird den weiteren Ausbau der sogenannten Balkantrasse unser Radwegenetz zugute kommen. Die große Beliebtheit des Bergischen Panorama-Radwegs, der auch durch unser Stadtgebiet verläuft, wird dadurch gesteigert. Zum anderen wird der Start einer zweiten Buslinie des  Bergischen Fahrrad-Busses – ein Linienbus mit großem Fahrradanhänger – größere Radtouren ermöglichen. Nun müssen wir dafür sorgen, dass die viele Radfahrer und Radfahrerinnen dann auch in Hückeswagen Halt machen, hier pausieren und irgendwo einkehren. Vielleicht ist auch ein mobiler Pavillon in den Wupperauen möglich, der betrieben wird von ortsansässigen Gastronomen oder im Wechsel von Vereinen, die ihre Kasse aufbessern möchten.

Die Hückeswagener Grünen möchten vor allem den sanften Tourismus fördern. So sind etwa mehr Wanderwege und Naturpfaden wünschenswert. Auch die Wupperauen attraktiver zu gestalten ist ein guter Weg, der bereits eingeschlagen wurde und was auch im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) ein Schwerpunktthema ist. Beitragen, den Tourismus anzukurbeln, würde auch, der Schloss-Stadt Hückeswagen ein Alleinstellungsmerkmal zu verschaffen und sie als Marke zu etablieren – wie bereits vor zwei Wochen in dieser Serie thematisiert.

Jörg von Polheim (FDP) Hückeswagen hat den auswärtigen Besuchern einiges zu bieten:
 – die Bever- und die Wupper-Talsperre, umgeben von einer abwechslungsreichen Landschaft,

 – der Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse,
 – die Altstadt mit dem 800-jähri-
gen Schloss.
Diese Bereiche müssen besser miteinander verknüpft werden, so dass alle voneinander profitieren können. Dafür müssen allerdings auch die Schwachstellen beseitigt werden:

–  Wanderwege sollen besser unterhalten werden, niemand wünscht sich Schlamm- und Pfützenwege,

– den Stadtpark  und den Schlosspark intensiver pflegen,
– durch flankierende Maßnahmen seitens der Stadt zusätzliche private Investitionen  in Gastronomie und Hotels in der Altstadt und am Schloss ermöglichen und anstoßen,

– transparente und längere Öffnungszeiten des Heimatmuseums.

Hückeswagen hat gute Voraussetzungen, vom Tourismus zu profitieren, wenn wir uns den Standards und Wünschen des 21. Jahrhunderts anpassen. Das zeigt schon die Vielzahl der Besucher bei den verkaufsoffenen Sonntagen, dem Altstadtfest oder dem Weihnachtsmarkt.

Michael Wolter (UWG) In der Schloss-Stadt Hückeswagen sind wir für den Tagestourismus gut aufgestellt. Es gibt die verschiedensten Führungen sowie (Themen-)Wanderungen im Stadtgebiet. Der Radweg über die alte Bahntrasse ist ein großer Gewinn für die Stadt. Eine weiterführende Schleife des Wegs über Mickenhagen zum Beverdamm und dann über Kleineichen zurück zur Stadt würde den Tourismus sicherlich bereichern.

Für den Urlauber oder den Übernachtungsgast der hiesigen Firmen fehlen im Stadtgebiet Hotelkapazitäten. Die Beschilderung zur Bever-Talsperre fällt spärlich aus. Innerorts sucht man vergeblich die üblichen Schilder für Campingplätze, die auf die Übernachtungsmöglichkeiten an der Bever hinweisen. Ebenso mangelt es an Hinweistafeln, die auf die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten an den Talsperren und im Stadtgebiet aufmerksam machen. Wenn man über Tourismus in Hückeswagen spricht, müsste man insgesamt nachbessern und das, was wir haben, mehr herausstellen und über die Stadtgrenzen hinaus bekannt machen. Die Bever-Talsperre mit ihrem hohen Freizeitwert sollte ein Alleinstellungsmerkmal in der Region haben. Da gibt es noch viel zu tun. Diesbezüglich ist nicht nur die Verwaltung gefragt, sondern auch die Interessengemeinschaft Zeltplätze Bever-Talsperre.

Brigitte Thiel (FaB) Wenn die Stadt vom Tourismuswandel zeitnah profitieren will, müssen die Verantwortlichen stets schauen, was der Tourist für Bedürfnisse aufzeigt und reagieren (zum Beispiel mehr Fahrradständer). Die Lücken des Radweges zur und um die Bever-Talsperre müssen geschlossen werden (Radwegenetzplanung). Dann wäre es auch für Familien reizvoll, mit dem Fahrrad diesen Rundweg anzufahren und sich auch dort aufzuhalten. Daher sollte die Attraktivität der Bever-Talsperre noch mehr in den Fokus gehoben und beworben werden. Hier sind Infrastrukturanpassungen notwendig, hilfreich und zielführend (mittel- und langfristige Planungen). Wenn die Wupper-Vorsperre als Naherholungsgebiet noch barrierefreier mit dem Rollstuhl oder Rollator zu befahren wäre, hätte das nicht nur für die Touristen, sondern auch für Inliner großen Charme.

Die Bevölkerung sowie Fachleute aus der Tourismusbranche sollten in Workshops zusammengeführt werden, damit die Wünsche in Ziele zusammengeführt, abgestimmt angegangen werden und die Kosten im Blick bleiben. Unser Schloss und das Heimatmuseum schlagen sich derzeit unter Wert als „Markenzeichen“. Hier sind attraktive Bürgerideen in tragbare Konzeptideen weiterzuentwickeln und auf den Weg zu bringen. Ein angeschlossenes Schloss-Café würde die Attraktivität steigern und noch mehr Besucher in die Altstadt locken.

Zusammengestellt von Stephan Büllesbach.

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