1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen: „Schubsi“ steigert Haromacs Bekanntheitsgrad

Hückeswagener Unternehmen in der Corona-Krise : „Schubsi“ steigert Haromacs Bekanntheitsgrad

Dem Werkzeughersteller Haromac ist mit der Entwicklung und dem Vetrieb der Holzgriffe, die an die Stangen von Einkaufswagen montiert werden, ein großer Coups gelungen. Bislang wurdenbereits etwa 30.000 Zweiersets verkauft.

Dank „Schubsi“ ist Haromac derzeit in aller Munde. Nicht nur bei den Kunden von Lebensmittel- und Baumärkten, die diesen Griff auf die Stangen der Einkaufswagen stülpen, sondern auch bei potenziellen neuen Kunden. Denn das Unternehmen mit 130-jähriger Geschichte, das seit 1999 im Gewerbegebiet Winterhagen-Scheideweg produziert, hat sich auf Maurer- und Glättekellen spezialisiert. „Schubsi“ hat damit auf dem ersten Blick wenig zu tun, hat aber seit Anfang April dafür gesorgt, dass Haromac bei vielen aus der Branche in den Fokus gerückt ist. „Zu uns sind jetzt mögliche Kunden gekommen, die nun an unserem Werkzeugsortiment interessiert sind“, berichtet Prokurist Michael Molitor im Gespräch mit unserer Redaktion. So habe etwa ein Interessent aus dem fränkischen Roth gesagt: „Wir sind über den ,Schubsi’ auf Sie gestoßen. Sie produzieren genau das, was wir suchen.“

Die „Kellenmacher“, wie sich das Unternehmen selbst bezeichnet, haben mit dem innovativen Griff für die Einkaufswagen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Zum einen hat das Unternehmen in der für die Industrie aktuell schwierigen Zeit weiter produzieren können, und das ohne Kurzarbeit. Zum anderen „haben wir eine Lösung für unsere Vorlieferanten gefunden“, betont Geschäftsführer Oliver Lück. Denn es sei wichtig gewesen, dass auch sie in der Corona-Krise Aufträge erhielten. So kann etwa die Wuppertaler Drechslerei Rauhaus, die für Haromac die Griffe der Werkzeuge produziert, derzeit eben Griffe für den „Schubis“ herstellen. Die Schellen, mit denen diese an die Stange des Einkaufswagens geklipst werden, stammen von Elektro Müller aus Hückeswagen, mit dem das Unternehmen seit Jahren schon zusammenarbeitet. Und in der Firma Schweißtechnik Noll von der nahen Clarenbachstraße wird ein Teil der Griffe montiert.

Mitarbeiter Alexander Neumann montiert Griff und Schelle – fertig ist der „Schubsi“. Foto: Stephan Büllesbach/Stephan Büllesbaxch

Mittlerweile hat Haromac bereits 30.000 Zweiersets verkauf – „Tendenz steigend“, versichert Molitor. Mittlerweile gibt es zwei weitere Größen im Angebot, denn der ursprüngliche „Schubsi“ mit einer Schellengröße von 25 Millimetern passt nicht auf alle Einkaufswagenstangen. Vor allem die moderneren sind größer, die das Unternehmen aber nun mit 32er- und 40er-Schellen ebenfalls abdecken kann. So war zum Beispiel schnell klar, dass für die Obi-Märkte die mittlere Größe montiert werden muss. Und für Wagen des Edeka-Markts in Lennep oder der Aldi-Märkte wurde die große Lösung entwickelt, denn nur die 40er-Schelle passt über die Hörnchen an den Seiten der Stangen. Nachdem Molitor im ARD-„Marktcheck“ gesehen hatte, wie viele Keime es auf den Einkaufswagen gibt, „packe ich keinen mehr an und nutze nur noch den ,Schubsi’“.

Haromac-Geschäftsführer Oliver Lück mit einer Kiste unbedruckter und noch nicht montierter Griffe. Foto: Stephan Büllesbach/Stephan Büllesbaxch

Mittlerweile hat Haromac seinen speziellen Griff patentieren lassen. „Das wollten wir eigentlich nicht“, betont Lück. Als andere Firmen jedoch auf den Erfolg aus Hückeswagen aufmerksam wurden, ging die Geschäftsführung diesen Schritt sicherheitshalber dann doch. Mittlerweile wird der Griff bundesweit in 222 Obi-Märkten verkauft, ebenso in vielen Hornbach- und Hagebaumärkten sowie über den Heimwerker-Onlineshop Westfalia und ebay. „In Kürze werden wir auch was für einen Obst- und Blumenhändler entwickeln“, berichtet Lück. Der suche etwas, womit die Waren kontaktlos geschoben werden können.

Der Griff wird mit dem Haromac-Firmenlogo bedruckt. Foto: Stephan Büllesbach/Stephan Büllesbaxch

Für den Geschäftsführer steht fest: „Der ,Schubsi’ ist eine Erfolgsgeschichte, die hoffentlich noch weitergeht.“ Zudem hat die Innovation für Haromac einen weiteren positiven Effekt: Das Unternehmen wurde mit dem Griff für den Wettbewerb „Land der Ideen“ nominiert. Lück: „Ich bin froh, dass ein Stück Holz das geschafft hat.“