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Hückeswagen:SC Heide stellt sich gegen jegliche Form von Rassismus

Fußball in Hückeswagen : SC Heide zeigt klare Kante gegen Rassismus

Der Hückeswagener Fußballverein musste sich wegen eines rassistischen Vorfalls beim Spiel gegen den FC Remscheid 2 vor dem Verbandssportgericht in Duisburg verantworten. Dabei kämpft der Klub offensiv gegen jeglichen Rassismus.

Unruhige Tage hat der SC Heide hinter sich. Der erst vor drei Jahren gegründete Fußballverein musste sich vor dem Verbandssportgericht des Fußballvereins Niederrhein in Duisburg verantworten. Der Vorwurf lautete, dass beim Meisterschaftsspiel der Kreisliga A gegen die zweite Mannschaft des FC Remscheid am 17. November seitens eines Zuschauers rassistische Kommentare gegenüber einem dunkelhäutigen Spieler der Remscheider gefallen seien. Konkret soll er am Sportplatz Schnabelsmühle gesagt haben: „Was bist du denn für ein dreckiger Bimbo? Verpiss dich bloß!“ Der Rufer soll einen grünen Schal, die Vereinsfarben des SC Heide, getragen haben.

Die Bestürzung über den Vorwurf war bei den Hückeswagenern groß. „Wir sind Teil der Kampagne ‚Kreisligafußball gegen Rassismus und Gewalt‘“, betont Kevin Zrock, Vorsitzender des jungen Vereins, im Gespräch mit dieser Redaktion. „Wir haben uns auf einem Festival gegründet, dass sich Anti-Rassismus praktisch auf die Fahnen geschrieben hat. Und wir haben in unserer Vereinssatzung explizit stehen, dass wir nur Menschen ablehnen, die ihrerseits andere, aus welchen Gründen auch immer, ablehnen.“

Bei dem Spiel gegen den FCR habe zwar eine emotional aufgeladene Stimmung geherrscht. „Aber Rassismus ist kein Affekt. Rassismus hat eine tief verankerte Einstellung als Grundlage“, stellt Zrock klar. Vorstandsmitglied Patrick Dworski ergänzt: „Mit dem Einstieg in die Kreisliga vor zwei Jahren haben wir einen tunesischen Mitspieler aufgenommen, der kaum ein Wort Deutsch konnte. Jetzt kann er das. Wir leisten Integration im Verein, das ist uns ein großes Anliegen.“

Bei der Partie habe der Hückeswagener Verein auch einen Linienrichter stellen müssen. „Der hat seine Fahne im Affekt kaputtgehauen. Das haben wir noch vor Ort bezahlt und auch eine Strafe dafür bekommen. Das ist völlig in Ordnung. Aber uns Rassismus vorzuwerfen, geht gar nicht“, sagt Zrock. Dennoch hatte der Schiedsrichter eine entsprechende Eintragung im Sonderbericht zum eigentlichen Spielbericht vorgenommen. Diese wurde am Wochenende in Duisburg verhandelt.

„Nachdem wir von den Vorwürfen gehört hatten, haben wir mit unseren Fans gesprochen“, sagt Zrock. „Keiner hat das mitbekommen – und ich glaube ihnen.“ Dworski: „Wir sind ein großer Freundeskreis in unserem Verein. Und Freunde sucht man sich schließlich aus. Ich lege für unsere Fans die Hand ins Feuer.“

Zur Verhandlung waren nicht nur der Vorstand um Zrock nach Duisburg gefahren, sondern auch einige Fans. Im Vorfeld hatte sich der Vorsitzende kämpferisch gezeigt: „Wenn uns das jetzt beim Verbandssportgericht so ausgelegt würde, dass wir auch nur irgendetwas mit Rassismus zu tun haben könnten, dann werde ich vor’s Zivilgericht ziehen. Denn letztlich ist das auch Rufschädigung, mit der wir dann zu tun hätten.“ So hätten sich bereits bei Bekanntwerden der Vorwürfe zahlreiche Leute an ihn gewandt mit der Frage, was denn da los sei. „Auch für Sponsoren ist so ein Ruf natürlich ein rotes Tuch“, sagt Zrock. Und Dworski betont: „Ich will unseren Verein in der Öffentlichkeit wieder in dem Licht sehen, in das er auch gehört.“

Diese Vehemenz und Nachdrücklichkeit hatten die Hückeswagener offensichtlich mit nach Duisburg genommen. Denn das Schiedsgericht nahm dem Verein letztlich vorbehaltlos ab, dass er nichts mit Rassismus zu tun hat. „Man hat uns gesagt, dass wir uns absolut glaubwürdig und korrekt verhalten haben, sobald wir von den Vorwürfen Kenntnis erlangt hatten“, erzählt Zrock. Letztlich stand die vom Schiedsrichter gehörte rassistische Aussage aber noch im Raum. „Das Gericht hat entschieden, dass es sich um ‚unsportliches Verhalten eines uns zuzurechnenden Zuschauers‘ gehandelt hat. Schließlich kann sich jeder einen grünen Schal kaufen – unsere gibt es online im Fanshop zu kaufen“, berichtet Zrock. Der Verein muss daher nun unter anderem eine Geldstrafe in Höhe von 300 Euro an den Fußballverband Niederrhein zahlen.

„In meinem Abschlussplädoyer habe ich gesagt: Wir distanzieren uns nicht nur von rassistischen Ansichten und Gedankengut, sondern auch von jedem, der so denkt“, sagt Zrock. Und dem Vorsitzenden ist es ernst damit: „Denn wenn wir ein solches Verhalten von einem unserer Anhänger mitbekommen würden, dann gäbe es sofort Hausverbot.“ Der SC Heide würde bei einem Auswärtsspiel auch den Gastgebern mitteilen, dass diese Person nicht erwünscht ist.