Hückeswagen: SB-Center Wiehagen ist ein Zuschussgeschäft für Sparkasse

Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen : SB-Center Wiehagen ist ein Zuschussgeschäft

Auch Geldautomaten der Sparkasse werden immer weniger genutzt.

Als die Mitarbeiter der Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen an einem Montagmorgen im März zur Arbeit erschienen, mussten sie feststellen, dass sich Unbekannte an den beiden Geldautomaten im Vorraum der Geschäftsstelle an der Peterstraße zu schaffen gemacht hatten. Ein Automat war mit brachialer Gewalt aufgebrochen und das darin gelagerte Bargeld gestohlen worden, bei dem anderen war es beim Versuch geblieben. Beide Geldautomaten waren derart beschädigt, dass sie ausgetauscht werden musste. Inzwischen steht ein neues Gerät im Foyer der Filiale, das zweite stammt aus der Radevormwalder Filiale in Bergerhof. „Das benötigen wir dort nicht mehr“, bestätigte Pressesprecher Michael Scholz jetzt beim Gespräch zur Jahresbilanz der Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen.

Dass das Kreditinstitut an sechs Standorten in den beiden Städten weiterhin Geldautomaten unterhält, „ist ein Investment in die Bargeldversorgung“, betonte Vorstandsvorsitzende Dorothea Sabolewski. Aber rentieren würden sie sich nicht mehr. „Wir nehmen ein verändertes Kundenverhalten dar“, erklärte die neue Chefin der Sparkasse, die seit dem 1. Januar die Geschäfte zusammen mit Alexander Still führt. „Die Automaten werden nicht mehr so viel genutzt.“ Stattdessen habe sich das so genannte Payment-Segment, die elektronischen Bezahlvorgänge, ausgeweitet. Viele Kunden würden in den Geschäften mit der Karte oder mittlerweile auch mit dem Smartphone bezahlen. „Es rechnet sich keine unserer Automaten“, versicherte Dorothea Stabolewski. Still ergänzte: „Jedes Auffüllen schlägt mit Kosten von etwa 80 Euro zu Buche.“ Dazu kämen Versicherungskosten. Da müsste es schon sehr viele Abhebungen geben, bis sich das rentieren würde.

Selbst das SB-Center in Wiehagen ist nicht rentabel. Zum 1. Oktober 2017 hatte die Sparkasse die dortige Filiale kurz vor deren 50-jährigen Bestehen geschlossen, was ebenfalls mit dem veränderten Kundenverhalten zu tun hatte. Denn immer weniger Menschen gehen noch an den Schalter, viele nutzen inzwischen die Möglichkeiten des Online-Bankings. Doch so ganz zurückziehen konnte und wollte sich die Sparkasse nicht aus dem Stadtteil, in dem immerhin um die 4000 Menschen leben. So wurde aus der Filiale ein SB-Bereich mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker. Der zielt vor allem auf ältere Wiehagener ab, die nicht mehr so mobil sind und etwa für ihre Bankgeschäfte in die Stadt fahren, und die auch nicht so firm mit den neuen Medien sind. Gerade für sie hat die Sparkasse nach der Schließung der Filiale einen Geldbotendienst eingerichtet, „aber der wird seit Monaten nicht mehr genutzt“, bestätigte Scholz.

Dabei sieht etwa Dorothea Stabolewski durchaus Potenzial bei Geldautomaten, da sich die Großbanken aus diesem Segment zurückziehen würden. „Wenn die mal ganz weg sind, würden unsere mehr genutzt“, zeigte sie sich sicher. Denn ein großer Prozentsatz derjenigen, die an den Sparkassen-Terminalen Geld abheben würden, seien Fremdkunden. Und die Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen will diesen Service auch weiterhin anbieten. Zumindest so lange, bis die Verluste nicht allzu groß sind.

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