Hückeswagen: Rückblende zu Kolls Ecke.

Rückblende : Kolls Ecke ist ausgeräumt, nun beginnt der Abriss

Viel ältere Hückeswagener kennen noch den Begriff Kolls Ecke. Das war ein dreistöckiges Gebäude im Kreuzungsbereich Lindenberg- / Friedrich- / Bachstraße, dessen Abriss vor 50 Jahren beschlossen und kurze Zeit später umgesetzt wurde.

Die 1960er-Jahre waren allgemein dafür bekannt, dass die Verantwortlichen in Bezug auf den Abriss alter Häuser relativ schmerzfrei waren. Unabhängig von der Stadtkernsanierung in Hückeswagen wurden historisch bedeutende Bauten schnell dem Erdboden gleich gemacht, falls sie den immer breiter werdenden Straßen im Weg waren. Eines dieser Häuser war Kolls Ecke. Nach Meinung von Rat und Verwaltung stellte diese eine Sichtbehinderung und Gefährdung für den Verkehr dar. Der Berichterstatter schreibt am 6. September 1968 in der Bergischen Morgenpost in Bezug auf den Abriss: „Lange kann es nicht mehr dauern.“ Tatsächlich waren die letzten Mieter ausgezogen und das Schaufenster mit Brettern vernagelt. In der zweiten Oktoberhälfte war dann das Zerstörungswerk fast erledigt.

Das Haus, die sogenannte Kolls Ecke, in der Ansicht vor 1968. Foto: Stadtarchiv

Kolls Ecke war nicht irgendein Haus. Schon der Name hatte sich im Volksmund durchgesetzt, und er diente bei der Stadtverwaltung als feststehende Ortsangabe für den Kreuzungsbereich Lindenberg- / Friedrich- / Bachstraße unterhalb der heutigen Stadtbibliothek. Noch heute ist der Begriff vielen Hückeswagenern geläufig, wenngleich die Erinnerung so langsam verblasst.

Folgt man dem Heimatforscher Arno Paffrath, war 1834 in dem Haus Franz Steinkäuler ansässig, der dort eine Weinwirtschaft betrieb. Historische Bedeutung erlangte das Gebäude, weil dort von 1842 bis zum 22. Februar 1879 die Poststation untergebracht war, bevor sie an den Stricks Platz, dem heutigen Wilhelmplatz, verlegt wurde. Steinkäuler wurde Postmeister und das Gebäude fortan „Posthaus“ oder später dann „alte Post“ genannt.

Der eigentliche Namensgeber von Kolls Ecke war Friedrich Wilhelm Koll, der 1905 auf den Plan trat. Er kaufte das Anwesen und richtete dort sein Polster- und Dekorationsgeschäft ein. Vier Jahre später kam es jedoch zu einer Katastrophe: Am 16. Dezember 1909 – Koll hatte noch am Tag zuvor für das Weihnachtsgeschäft geworben – brannte das Gebäude bis auf die Außenmauern nieder. Doch er gab nicht auf. Größer und architektonisch ansprechender ließ Koll es 1910 dreigeschossig wieder aufbauen, wobei die Gebäudeecke hin zum Kreuzungsbereich abgerundet wurde. Der verrohrte Brunsbach verlief interessanterweise unter dem Haus.

Bis 1936 blieb Koll dort wohnen, bis der nächste berühmte Hückeswagener einzog: Wilhelm Distelmeier, später FDP-Ratsmitglied und Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins, verlegte sein Lebensmittelgeschäft von der Bachstraße 2 zur Kolls Ecke. Noch bis 1968 wurde es unter anderem von Heinrich Menke und Herbert Mörl als Geschäft genutzt, bevor der Beschluss zum Abriss fiel, um einer neuen Verkehrsführung der Lindenbergstraße Platz zu machen.

Hella Krumm hat die Geschichte von Kolls Ecke in „Leiw Heukeshoven“ Nr. 45 zusammengefasst, unabhängig dazu berichtete Arno Paffrath aus der Entstehungszeit. Umfangreiches Material inklusive eines Lageplans zur Verdeutlichung befindet sich im Stadtarchiv.

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