Hückeswagen: Revierförster Grüter freut sich über Regen für die Wälder

Hückeswagener Wälder : Warum der Förster den Regen so liebt

Dass es schon seit Wochen viel regnet und der Winter mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt auf sich warten lässt, freut vor allem die Waldbauern und die Förster. Denn das dezimiert die Borkenkäfer. Sie wünschen sich daher noch mehr Niederschlag.

Revierförster Heiner Grüter ist ein ganz normaler Mensch. Jemand, der sich gerne die Sonne ins Gesicht scheinen lässt und lieber im Trockenen durch die Wälder streift. Das momentane Wetter mit dem vielen Regen der vergangenen Wochen sollte ihm daher keinen Spaß machen. Grüter strahlt trotzdem, denn die nasse Witterung tut den Wäldern gut – aus zweierlei Gründen: Zum einen füllen sich die Wasserspeicher im Boden wieder etwas, die unter den zwei vorangegengenen sehr trockenen Sommern gelitten haben, zum anderen „mag der Borkenkäfer dieses Wetter nicht“.

Welche Bedingungen liebt der Borkenkäfer? Die aktuelle Milde gefällt Buchdrucker, Kupferstecher & Co. eigentlich ganz gut. Optimal für ihre Entwicklung wäre aber, wenn es trocken bliebe. Selbst einen richtigen Winter könnten sie ganz gut überstehen, bestätigt Grüter: „Bis minus 20 Grad ist für den Borkenkäfer kein Problem.“ Die Sommer 2018 und 2019, trocken und mit wenig Niederschlag, waren für sie ein Fest: Gleich drei Generationen von Borkenkäfern flogen vor zwei Jahren aus und schädigten entsprechend viele Bäume, vor allem die Fichten. Im oberbergischen Süden war das auch im vorigen Jahr der Fall, „im Norden gab es aber keine dritte Generation mehr wegen des feuchten Herbstes“, berichtet Grüter. Horst Winterhager, ehemaliger Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft, messe jeden Tag die Niederschlagsmenge, sagt der Revierförster: „Von September bis zum Tag vor Heiligabend hat er insgesamt 500 Liter pro Quadratmeter gemessen. Das ist fast die Hälfte dessen, was in Hückeswagen im ganzen Jahr fällt – zirka 1100 Liter.“


Was mögen Kupferstecher, Buchdrucker & Co. nicht? Ganz klar: die aktuelle und schon länger anhaltende Nässe. Die Larven sitzen unter der Runde und verpilzen, wenn es über einen längeren Zeitraum sehr nass ist. Im Klartext heißt das: „Sie gehen kaputt“, bringt es der Revierförster. Und genau das ist es, was die Waldbauern wollen. Hat doch der Buchdrucker auch in Hückeswagen in den vergangenen beiden Jahren für viele Schäden gesorgt.
Wie sieht’s mit den Schäden in der Schloss-Stadt aus? „Es gibt einige größere Befallsherde, die noch beseitigt werden müssten“, sagt Grüter und verweist etwa auf den Norden des Stadtgebiets an der Grenze zu Radevormwald. Im gesamten Bereich des Forstamts Bergisches Land, das Oberberg, Teile von Rhein-Berg, Niederberg sowie das Anger- und das Neandertal umfasst, seien zirka eine Millionen Festmeter befallen. Nehme man noch die Wälder der Kommunen und des Wupperverbands hinzu, kämen man auf das Doppelte, rechnet der Revierförster vor. Für Hückeswagen schätzt er das sogenannte Käferholz vorsichtig auf etwa 20.000 Festmeter. „Das Fatale ist, dass manche der betroffenen Bäume noch grün sind – und irgendwann fällt dann die Rinde ab“, sagt Grüter. Selbst 80-, 90-jährige vitale Fichten würden absterben, wenn der Borkenkäfer sie unter der Rinde angebohrt hätte.


Was wäre optimal für die Wälder? Der Revierförster unterstreicht: „Was wir jetzt dringend brauchen, ist, dass es weiter viel Niederschlag gibt und dass Frühjahr und Sommer möglichst nass werden.“ Das würde dem Wald-Öko-System gut tun. „Und dann könnte sich der Wald auch allgemein regenerieren.“


Und was wäre fatal? Wenn es erneut einen trockenen Sommer geben sollte, wie in den zurückliegenden Jahren, könnte das wieder zu einer massenhaften Invasion des Borkenkäfer kommen – weitere Bäume würden absterben. Betroffen sind vor allem die Fichten, und das selbst an Standorten, die bis vor kurzem noch als völlig ungefährdet galten. „Auf manchen Höhen über 300 Metern im Südkreis sind ganze Fichtenwälder verschwunden“, berichtet Grüter. Ebenso sollte es keine Orkane geben wie etwa „Kyrill“ (Januar 2017) oder „Friederike“ (Januar 2018). Weil manche Wälder aufgrund der vielen gefällten Bäume „aufgerissen“ sind, hätte der Wind noch leichteres Spiel, weitere umzuknicken.