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Hückeswagen: Rentner unterhält Hanfplantage auf Campingplatz

Hückeswagener vor dem Amtsgericht : Rentner mit Hanfplantage auf Campingplatz

Weil er an der Bever Cannabis angepflanzt hatte, verurteilt das Amtsgericht einen 64-Jährigen zu einer Geldstrafe. Im August 2019 hatte die Polizei nach Hinweisen anderer Camper dem Frührentner in seinem Wohnwagen an der Bever einen unangekündigten Besuch abgestattet.

Über Jahre hinweg hatte ein 64-jähriger Frührentner aus Remscheid seine freie Zeit auf einem Campingplatz an der Bever zugebracht. Die Freude am schönen Leben im Freizeit-Paradies an der Talsperre war getrübt durch seine chronischen Erkrankungen und die Schmerzen, gegen die auch schwere Medikamente kaum halfen. Was zumindest zeitweise half, entdeckte der Remscheider zufällig 2015, als ein Bekannter ihn aufforderte, mit ihm Cannabis zu rauchen: „Die Schmerzen waren nicht weg, aber irgendwie gedämpft. Ich fühlte mich agiler und entspannt. Es war wie eine Befreiung“: So schilderte es der Mann, der nach eigenen Worten nie zuvor Erfahrungen mit illegalen Drogen gemacht hatte, als Angeklagter vor dem Amtsgericht.

Dort musste er sich verantworten, weil es beim gelegentlichen Cannabis-Rauchen nicht geblieben war. Im August 2019 hatte die Polizei nach Hinweisen anderer Camper dem Frührentner in seinem Wohnwagen an der Bever einen unangekündigten Besuch abgestattet: Hinterm Wagen fanden die Beamten ein selbst gebasteltes Gewächshaus. Und darin eine gepflegte kleine Hanf-Plantage mit knapp 120 Cannabis-Pflanzen, bei deren Aufzucht der 64-Jährige gärtnerisches Geschick an den Tag gelegt hatte. Hätte er die Früchte seiner Arbeit noch ernten können, wäre dabei ein knappes Pfund an Haschisch für den eigenen Bedarf herausgekommen. Der Wirkstoffgehalt hätte nur knapp unter der Grenze gelegen, bei der der Gesetzgeber nicht mehr von einem Vergehen, sondern von einem Verbrechen ausgeht. „Da haben Sie, rein rechtlich gesehen, gerade noch mal Glück gehabt, dass es nicht ein paar Pflanzen mehr waren“, sagte der Richter. Der bis dahin noch nie im Leben mit dem Gesetz in Konflikt geratene Rentner versuchte gar nicht erst, die offensichtlichen Dinge und seine Schuld zu leugnen: „Ich habe da einen riesigen Fehler gemacht, aber die Versuchung war einfach zu groß,“ Den Samen für seine kleine Plantage habe er geschenkt bekommen und dann nicht widerstehen können, sich selbst im Hanf-Anbau zu versuchen. Nicht um später mit der Ernte Geld zu machen, sondern um Cannabis für den eigenen Bedarf zu züchten und so viele Euros für den Kauf der illegalen Droge zu sparen. Denn aufs Geld muss der Frührentner sehr genau achten. Auf das Cannabis zur Linderung seiner Schmerzen hatte er aber nicht verzichten wollen. Erste Versuche, es auf Rezept zu bekommen, waren gescheitert. Das hat sich geändert: Seine Klage gegen die Krankenkasse hatte Erfolg, jetzt bezahlt sie das von einer Fachärztin im konkreten Fall als therapeutisch sinnvoll verordnete medizinische Cannabis-Produkt. Auf den gleichwohl illegalen eigenen Anbau an der Bever ist der Rentner also nicht mehr angewiesen.

Nach dem als glaubhaft bewerteten Geständnis entschied der Richter entsprechend dem Antrag der Staatsanwältin auf eine Geld- statt der rechtlich auch möglichen Freiheitsstrafe. Bei dem milden Urteil spielte auch eine Rolle, dass der nicht vorbestrafte Remscheider zwar mit gärtnerischem Geschick, jedoch ohne große kriminelle Energie und professionelles Zubehör vorgegangen war. „Sie haben da eben einen grünen Daumen bewiesen“, sagte der Richter.

Der Mann muss 90 Tagessätze zu je zehn Euro an die Staatskasse zahlen. Die darf er wegen seines geringen Einkommens in kleinen Monatsraten von 20 Euro abstottern. Der 64-Jährige nahm das Urteil an, es ist damit rechtskräftig.