Hückeswagen: Reise zur jiddischen Musik mit dem Duo Tangoyim

Kultur-Haus Zach in Hückeswagen : Reise zur jiddischen Musik mit dem Duo Tangoyim

Die teils melancholischen, oft beschwingten Lieder machten wieder viel Spaß. Die Mischung aus Klezmer und jiddischen Liedern, Fröhlichkeit und Traurigkeit, Hell und Dunkel, die das hervorragend eingespielte Duo seinem Publikum präsentierte, kam sehr gut an.

Das Duo Tangoyim, Stefanie Hölzle (Geige, Bratsche, Klarinette und Gesang) und Daniel Marsch (Akkordeon und Gesang), gehört zu den guten, alten Bekannten in der Hückeswagener Kultur-Szene. Auch im Kultur-Haus Zach waren die beiden bereits aufgetreten. Und ihre teils melancholischen, oft beschwingten Lieder machten auch am Freitagabend im oberen Island wieder viel Spaß. Die Mischung aus Klezmer und jiddischen Liedern, Fröhlichkeit und Traurigkeit, Hell und Dunkel, die das hervorragend eingespielte Duo seinem Publikum präsentierte, kam jedenfalls sehr gut an. Was auch daran lag, dass Hölzle und Marsch nicht nur technisch sehr anspruchsvoll musizierten, sondern dabei auch grundsympathisch und bodenständig auftraten.

Das Akkordeon versprühte dabei auf seine ganz natürliche Weise ein Flair, das einen direkt ein wenig sehnsüchtig werden ließ. Nach der Ferne, nach verwinkelten osteuropäischen Altstädten, aber auch nach Straßencafés im Süden. Verstärkt wurde das auch durch das leidenschaftliche Geigenspiel Hölzles. Die bearbeitete ihr Instrument nämlich auf sehr emotionale Art und Weise, so dass es manchmal herzzerreißend jammerte, bevor sie es dann wieder himmelhoch jauchzen ließ. In beiden Fällen steckte sie aber gleichermaßen viel Herzblut hinein, was indes auch auf Hölzles Klarinettenspiel zutraf - und sowieso auf das flinke, leichte und verspielte Akkordeonspiel Marschs.

Eigentlich hätte die Bühne im Kultur-Haus Zach gar nicht so hell beleuchtet sein müssen, wie es am Freitagabend der Fall war. Denn die Musik, etwa das wunderschöne Lied über eine ausgestoßene, ungeliebte schwarze Katze, bei dem Hölzle zum ersten Mal ihre kräftige Stimme erklingen ließ, funktionierte am besten im schummrigen Halbdunkel. Auch Marsch sang, etwa beim jiddischen Tango „Der Gassensinger“. Manchmal gab es auch ein Duett zu hören, gelegentlich las Marsch auch kurze Texte vor, etwa vom großen österreichischen Schriftsteller Joseph Roth. Aber am schönsten waren doch die Stücke, bei denen Akkordeon und Geige im Mittelpunkt standen, der Gesang nur, fraglos schmückendes, Beiwerk war.

Den beiden Musikern merkte man an, dass sie schon lange Miteinander musizierten. Viel der Verständigung untereinander lief über kurze Augenkontakte, die Dynamik im Spiel und Gesang war sehr ausgeprägt und die Einsätze saßen perfekt. Die Stücke waren dabei meist recht kurz, was aber durchaus von Vorteil war, da sie so umso eindrücklicher wirkten. Manchmal aber, etwa im Lied über den „Goldenen Pfau“, schlossen sich an einen schönen Gesangsteil auch einmal längere Instrumentalpassagen an, bei denen Akkordeon und Geige eindrucksvolle zweistimmige Harmonien spielten. Und auch zum Mitsingen luden die eingängigen Melodien ein, was vom Publikum auch gerne genutzt wurde.
Die Besucher hatten auf jeden Fall große Freude an diesem Ausflug in jiddische und osteuropäische Musikwelten. Meistens wurde andächtig gelauscht, immer wieder aber mitgeschunkelt, bisweilen auch der Refrain eines ukrainischen Trinklieds mitgesungen - und nach den einzelnen Liedern mit kräftigem Applaus nicht sparsam umgegangen.

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