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Hückeswagen: Projekt "Start" will Jugendliche zum Schulabschluss bringen

Projekt in Hückeswagen : Jugendliche zum Schulabschluss bringen

Als das „Wohnwerk“, das Wohnheim für Demenzkranke der OGB, im vergangenen Herbst geschlossen wurde, zog das Projekt „Start“ in das Gebäude an der Montanusstraße ein. Die ersten Monate sind gut angelaufen.

Ein gutes Vierteljahr ist es jetzt her, seit das Projekt „Start“ der Ökumenischen Initiative nun bereits aus Wipperfürth in die Schloss-Stadt umgezogen ist. Im großen OGB-Gebäude an der Montanusstraße, in dem bis Oktober das Wohnheim für an Demenz erkrankte Menschen „Wohnwerk“ untergebracht war, nutzt das Projekt der Ökumenische Initiative die Orangerie und einige Räume im dritten Obergeschoss. Der Rest des Gebäudes steht, zumindest im Moment, noch leer. Wobei demnächst ein Umzug ansteht, wie der stellvertretende Projektleiter Sebastian Eigen sagt. „Wir ziehen in den zweiten Stock, die derzeit freien Räumlichkeiten werden wohl anderweitig genutzt.“

Für das Projekt „Start“ sei es aber egal, ob der zweite oder dritte Stock genutzt werde. Platz genug gebe es auf jeden Fall. „Und das ist schön, denn auch wegen der Küche in der Orangerie können wir erstmals ein Nachmittagsprogramm anbieten“, sagt Eigen. Das Projekt, das sich in erster Linie an junge Menschen richte, die „ein wenig aus dem sozialen Netz“ gerutscht sind, gibt es seit mehr als zehn Jahren. „Wir begleiten Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Weg zum Schulabschluss – dem ersten Wegpunkt in Richtung eines selbstbestimmten Lebens“, erläutert Eigen. 30 Plätze seien im Projekt verfügbar, die Teilnehmenden würden dabei aus dem ganzen Kreisgebiet kommen.

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„Wir bieten den Projektteilnehmenden an, sie entweder zum Hauptschulabschluss Klasse neun und zehn oder zum Realschulabschluss zu begleiten“, sagt Eigen. Höhere Abschlüsse wie das Allgemeine Abitur oder ein Fachabitur seien hingegen nicht im Angebot. Wichtig sei dabei, den einzelnen Menschen im Blick zu haben, um das Angebot individuell zuzuschneiden. „Natürlich hat der Geflüchtete ohne Deutschkenntnisse andere Voraussetzungen, an die wir uns anpassen müssen, als der ehemalige Gymnasiast, der in seiner Schulzeit vom geraden Weg abgekommen ist“, sagt Eigen.

„Start“ ist ein rein freiwilliges Angebot, in dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen gefördert werden. „Die Teilnehmenden haben etwa Depressionen, Autismus, keinen Kontakt zum Elternhaus, Aufmerksamkeitsdefizite, es gibt Probleme mit Schulphobien, Drogen oder Mobbing“, zählt Eigen auf. Die besten Ergebnisse habe man in kleinen Gruppen gemacht – auch hier sei das großzügige Platzangebot von Bedeutung.

Im Projektrahmen gibt es einen Vormittags- und – das sei neu am neuen Standort – einen Nachmittagsbereich. „Vormittags ist für die Teilnehmenden Pflicht, der Nachmittag freiwillig – aber das wird auch sehr gut angenommen“, versichert Eigen. Dann würden auch soziale Angebot stattfinden, etwa gemeinsames Kochen. „Unser Kollege, der vor allem für den Nachmittag zuständig ist, bringt auch schon mal seinen Hund mit. Dann wird gemeinsam spazieren gegangen. Wenn das Frühjahr kommt, wollen wir gemeinsam den Garten bestellen.“

Zudem wurde eine weitere Nachmittagskraft eingestellt. „Der Kollege kommt immer donnerstags und möchte zusammen mit den Teilnehmenden Musik machen. Das Angebot wird auch ausgeweitet“, sagt Eigen. Außerdem wurden bereits Ausflüge in den Klettergarten, zum Bouldern oder in die Eishalle gemacht. Eigen: „Wir feilen derzeit an der konkreten Belegung und Ausweitung des Nachmittagsprogramms, da das ja neu ist.“

Finanziert wird das Projekt, das von Wolfgang Naumann entwickelt wurde, durch das Kreisjugendamt und das Jobcenter. „Es gibt eine Warteliste, im Moment sind sogar etwas mehr als die 30 Plätze belegt“, sagt Eigen. Corona habe die Situation nicht besser gemacht. „Viele Jugendliche sind im Distanzunterricht durch das Netz gefallen“, sagt der stellvertretende Projektleiter. Unterrichtet werden bei „Start“ die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch, Geschichte, Politik und Biologie. „Diese Fächer bekommen wir mit unserer Teamstruktur am besten vermittelt“, sagt Eigen.

Die Vermittlung der Teilnehmer läuft über die Schulen oder die jeweiligen Jugendämter. „Man kann aber auch auf Eigeninitiative hin zu uns kommen, auch Eltern können uns ansprechen“, betont Eigen. Wichtig sei, das Angebot möglichst niederschwellig zu halten – ohne die üblichen bürokratischen Prozesse.