Hückeswagen: Politiker sind uneins über die Rolle der Haselmaus

Äußere Ortsumgehung Hückeswagen : Politiker uneins über Rolle der Haselmaus

Dass nun die winzige Haselmaus die weiteren Planungen für die äußere Ortsumgehung gestoppt hat, sorgte im Rat bei SPD-Politiker Hans-Jürgen Grasemann für einen Zornausbruch. Cornelia Päper (CDU) hofft dagegen auf den Nager.

Schon der Rotmilan hatte in der Vergangenheit für viel Kopfschütteln und großes Unverständnis gesorgt. War doch der in seinem Bestand gefährdete Greifvogel Auslöser dafür, dass die äußere Ortsumgehung für Hückeswagen zwischen Kammerforsterhöhe und Kobeshofen auf den Trassen der L 68 und K 5 erst einmal auf Eis lag. Die Kuh ist zwar mittlerweile von selbigem, weil für das Rotmilan-Paar, das an der K 5 brütet, im Odenholler Wald ein Ausweichquartier gefunden wurde (dass es dort wohl kaum seinen Hort errichten wird, ist für die Bürokratie nicht mehr von Belang). Doch was der Vogel nur bedingt vermochte, schaffte jetzt die deutlich kleinere Haselmaus: einen verbalen Schlagabtausch der Argumente im Stadtrat.

„Wofür planen wir eigentlich?“, fragte SPD-Fraktionschef in der Sitzung in der vorigen Woche und schaute entsprechend frustriert drein. Die Haselmaus sei zwar ein schützenswertes Tierchen, versicherte er. „Aber die Anwohner der Innenstadt liegen mir dann doch deutlich mehr am Herzen.“

Hintergrund: Verwaltungsgerichte sowie Naturschutzbehörden und -verbände erkennen die Gutachten von 2006 und 2013 für die äußere Ortsumgehung nicht mehr an und haben daher einer Fortschreibung nicht zugestimmt. Nun muss die künftige Trasse der B 237n ein Jahr lang neu kartiert werden. Dazu zählt auch das Haselmaus-Monitoring entlang der Kreisstraße, mittels dessen geforscht wird, ob es diese kleinen Nager entlang der K 5 überhaupt gibt. Wenn ja, müssen sie vor den möglichen Bauarbeiten umgesiedelt oder vergrämt werden. Ist doch das etwa sieben Zentimeter lange und 15 bis 35 Gramm schwere „Wildtier des Jahres“ 2017 in seinem Bestand gefährdet.

Dem widerspricht Grasemann auch nicht, der SPD-Politiker argumentierte in der Ratssitzung jedoch: „Die Haselmaus ist ein scheues Tier, das jedwedem Lärm aus dem Weg geht.“ Und damit auch dem des Verkehrs an der K 5. Daher werde man dort auch nicht dort auf ein Haselmaus-Pärchen stoßen. Grasemann: „Es gab für fünf Jahre keine Haselmäuse dort, und es sind auch heute keine da.“

Irgendwann höre der Spaß auf, zumal die Planungen für die äußere Ortsumgehung bereits seit fast 50 Jahren andauern. Für die Stadtverwaltung könnten die neu zu erstellenden Gutachten und das erforschen der Haselmaus-Population nur Horror sein. „Und wir Ratsmitglieder fragen uns, warum planen wir eigentlich?“ Der SPD-Fraktionschef forderte die Verwaltung daher auf, mit den zuständigen Behörden Tacheles zu reden. „Die äußere Ortsumgehung kann doch nicht an dem Haselmäuschen scheitern“, betonte Grasemann.

Nicht nur dafür bekam er viel Applaus von fast allen Politikern. lediglich die Grünen regten sich nicht – und Cornelia Päper. Auch der CDU-Ratsfrau stand der Zorn ins Gesicht geschrieben. Allerdings steht sie auf der anderen Seite, denn sie wohnt in Posthäuschen und erlebt schon jetzt den Verkehr auf der Kreisstraße direkt vor ihrer Haustür. Die äußere Ortsumgehung lehnt sie daher ab, denn: „Dann kämen noch mehr Autos und noch mehr Motorräder, die Lärm machen können.“ Auch dürfe dann mit Sicherheit schneller gefahren werden – aktuell liegt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit bei 60 Kilometern in der Stunde. Schon jetzt sei die Grenze des Zumutbaren erreicht.

Sie könne verstehen, dass die Anwohner der Innenstadt von dem vielen Verkehr dort genervt seien. „Aber auch um Hückeswagen herum leben Menschen!“, stellte sie klar. Darunter seien viele, die sich die Straße nicht wünschten. Dann wurde Cornelia Päper sehr deutlich: „Ich bin froh, dass uns Rotmilan und Haselmaus die äußere Ortsumgehung bislang vom Leib gehalten haben.“

Auch Bürgermeister Dietmar Persian meldete sich zu Wort. Das Ärgernis seien nicht Haselmaus und Rotmilan, sagte er an den zornigen Hans-Jürgen Grasemann gewandt. „Vielmehr werden die Planungen so lange verzögert, dass Gutachten veraltet sind und erneuert werden müssen“, unterstrich er. Diese Spitze ging eindeutig in Richtung Landesbetrieb Straßen.NRW, der für die Planungen der B 237n verantwortlich ist. „Auch mir fehlt jegliches Verständnis“, versicherte der Bürgermeister und versprach: „Bei passender Gelegenheit werde ich das auch beim Verkehrsminister deutlich machen.“

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