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Hückeswagen: Pflügen für den Breitband-Ausbau

Hückeswagen : Pflügen für den Breitband-Ausbau

8000 Meter Leerrohre lässt die BEW im Oktober in Hückeswagen und Wipperfürth verlegen. Etwa zwischen Sohl und Hambüchen.

Der Lärm ist ohrenbetäubend, und ein wenig vibriert der Boden, als der Bagger mit vier Kettenrädern mehrere orangefarbene Leerrohre in den Graben einpflügt. Die Spitze der Steigung zwischen Sohl und Knefelsberg hat er soeben passiert, nun rollt das futuristisch anmutende Baugerät die schmale Gemeindestraße zu den Häusern in Knefelsberg hinunter. An der Spitze des Baggerarms ist ein Spezialpflug angebracht, durch den bis zu vier Leerrohre in einem Arbeitsgang in etwa 60 Zentimeter Tiefe verlegt werden. „Das Gefährt schafft am Tag mitunter mehr als einen Kilometer“, berichtet Jens Langner, Geschäftsführer der Bergischen Energie- und Wasser-GmbH (BEW). „Das ist schon extrem schnell.“

Seit Anfang August läuft der Breitband-Ausbau in Wipperfürth und Hückeswagen; die beiden Kommunen haben sich gemeinsam um die Zuschüsse vom Bund und Land beworben. Insgesamt sind das 20,4 Millionen Euro, damit die so genannten weißen Flecken in beiden Kommunen, also die Außenortschaften, auch mit schnellem Internet versorgt werden. Etwa 3000 Haushalte können von dieser Förderung profitieren, bislang ist aber nur die Zusage aus Berlin eingetroffen (Ende August). Die Verantwortlichen in beiden Rathäusern gehen jedoch davon aus, dass das Land seine Mittel in Kürze ebenfalls freigeben wird. So will die BEW mit ihrem Kooperationspartner innogy TelNet bis Ende übernächsten Jahres insgesamt 1270 Kilometer Glasfaserkabel verlegen.

An der Einmündung nach Hambüchen liegen bereits Leerrohre. Foto: Stephan Büllesbach

Momentan wird an der Hauptleitung („Backbone“, s. Info-Kasten) gearbeitet. So wurde in dieser Woche Leerrohre von Sohl über Knefelsberg bis nach Hambüchen verlegt. Im August waren sie bereits von Hämmern über Isenburg bis nach Altenholte eingepflügt worden. Überhaupt wird zunächst der Westen der Stadt – zwischen Holte und Ulemannssiepen sowie zwischen Engelshagen und Dreibäumen – versorgt. „Der Pflug ist in der Regel zwei bis drei Wochen am Stück unterwegs“, sagt Langner. Dann mache das Unternehmen eine Pause. Der Grund dafür sei, dass die BEW viel Zeit für die Planungen und das Einholen der Genehmigungen brauche.

Voraussichtlich im November geht es in Teilen des Clusters (Bauabschnitt) Hü 2 mit den ersten Hausanschlüssen weiter, die eine Kürtener Firma einrichten wird. Später werden dann die Glasfaserkabel mit Druckluft eingeblasen – und das mitunter über eine Strecke von bis zu 1,5 Kilometern. Zuvor wird aber noch ein Stück aus dem Leerohr herausgeschnitten, so dass die Mikrorohre mit den bis zu 24 Glasfasern zu dem jeweiligen Gebäude verlegt werden können.

Wer aber nun von den 186 geförderten Haushalten im Westen Hückeswagens, die im September zu einer Infoveranstaltung ins Forum eingeladen worden waren, die Hoffnung hat, Weihnachten schon schnelles Internet mit Datengeschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde nutzen zu können, freut sich zu früh. Die Aufgaben und Arbeiten sind so vielfältig, dass der BEW-Geschäftsführer davon ausgeht, dass im Herbst 2020 die ersten Hückeswagener Haushalte tatsächlich turboschnelles Internet haben werden.

So müssen etwa noch zwei sogenannte Pop-Standorte („Point of presents“) an der Altenberger Straße auf Wiehagen sowie an der Ecke Friedrich- / Bachstraße installiert werden. Sie verbinden die Hauptleitung, die in Wipperfürth-Ibach (bei Niederwipper) startet und ans deutschlandweite Glasfasernetz angeschlossen ist. Mit diesen Arbeiten rechnet Langner für das Frühjahr.

„Das Ganze ist ein Riesenprojekt“, betont er. Schließlich müssen in beiden Städten alleine 260 Kilometer Leerrohre verlegt werden, für diesen Monat rechnet Pressereferentin Sonja Gerrath mit etwa acht Kilometern in Hückeswagen und Wipperfürth. Und wenn der Pflug nicht tief genug kommt, weil etwa felsiger Untergrund das verhindert, wird das Leerrohr über die Oberfläche geführt. Ein Tiefbauunternehmen muss dann an diesen Stellen später nacharbeiten.