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Hückeswagen: Pflitsch übernimmt den neuen Standort

Ende von Magna Powertrain : Pflitsch übernimmt den neuen Standort

Schlüsselübergabe an der Georg-Schaeffler-Straße: Seit Montag gehört dem Spezialisten für Kabelkanäle das Werk von Magna Powertrain. 1300 Quadratmeter Büros und 7000 Quadratmeter Fertigungsfläche werden dort mit Leben gefüllt.

Die große Produktionshalle ist leer. In einen Eimer tropft es von der Decke. Ein bisschen Restmobiliar ist noch abholbereit. Seit Montag gehört der große Komplex dem Kabelkanalspezialisten Pflitsch. Er hat im Jahr seines 100-jährigen Bestehens das Hückeswagener Werk von Magna Powertrain gekauft und nach eigenen Angaben „die Weichen auf weitere Expansion gestellt“. Die Schlüsselübergabe war der Startschuss für den Aufbau des neuen Kompetenzzentrums für Kabelkanäle. Die geschäftsführenden Gesellschafter Mathias Stendtke und Roland Lenzing, die das Unternehmen in der vierten Generation leiten, sparen da nicht mit Superlativen für das neue Werk II. „Das wird hier ein voll digitaler Vorzeigestandort, voll automatisch und voll digitalisiert“, sagt Stendtke.

Die Entscheidung für den zweiten Standort sei wichtig, um das Familienunternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen, denn auf dem Gelände am Mühlenweg hätte sich das enorme Wachstum nur noch ein oder zwei Jahre stemmen lassen. Während am Stammsitz ein hochmodernes automatisches Kleinteilelager vorbereitet ist für den Ausbau der Kabelverschraubung, wird das Werk an der Georg-Schaeffler-Straße der neue Standort für den Kabelkanal. „Die Ausgliederung der Kabelkanäle schafft im Stammwerk Platz für weitere Expansion für Kabelverschraubungen“, sagt Lenzing.

Die Schlüsselübergabe bezeichneten die Geschäftsführer als „ereignisreichen Tag“. Nun liefen die Planungen für den Umzug auf Hochtouren. Eigens dafür hat sich Pflitsch externe Hilfe geholt. Als Projektleiter fungiert Dr. Ulf Osmers aus München von der Firma „taskforce“. „Wir wollen Pflitsch industrieller machen“, kündigte der Fachmann an. Bedeutet: Wenn heute eine Spedition Ware bei Pflitsch abholt, klebt ein Zettel an den Paletten, anhand dessen die Mitarbeiter erkennen, welche Ware für welche Spedition gedacht ist. „Künftig holt eine Spedition die Ware ab, die dann vollautomatisch und endverpackt zur Verfügung gestellt wird“; sagt Stendtke. Am 1. Oktober soll der neue Maschinenpark in Betrieb gehen. „Bis dahin werden wir Teile der Produktionshall zurückbauen, Böden erneuern, eventuell Punktfundamente für die Maschinen setzen“, kündigte Lenzing an. Im Werk II sollen künftig 150 Mitarbeiter ihr Geld verdienen – aus Produktion und Verwaltung – die restlichen 150 bleiben am Stammsitz an der Ernst-Pflitsch-Straße. Auch die alten Maschinen bleiben erhalten, sie sollen vor allem in der Umzugsphase dafür sorgen, dass die Produktion nicht stillsteht.

Die ersten Gespräche mit Magna Powertrain führte Pflitsch im Frühjahr 2017 – jetzt also das Ende einer mehr als 30-jährigen Geschichte am Standort Hückeswagen mit mehreren Vorfirmen. „Aber Pflitsch führt das Werk in unserem Sinne weiter“, sagte Thomas Velten, Finanzleiter bei Magna Powertrain. Gut sei, dass Pflitsch drei bis Mitarbeiter von Magna übernehme. „200 Mitarbeiter sind in einer Transfergesellschaft, von denen etwa ein Viertel vermittelt sind. Wir gehen von einer Vermittlungsquote von 80 bis 90 Prozent aus, die anderen gehen in Rente“, sagte Velten.

Pflitsch plant derweil schon für die fernere Zukunft am neuen Standort, denn die Grundfläche gibt die Möglichkeit, weiter zu expandieren. „Da ist noch Wachstum möglich, das Gelände bietet noch Potential“, sagen Stendtke und Lenzing. Die neue Produktionshalle sei jetzt schon voll, im Lager gebe es aber noch freie Kapazitäten.