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Hückeswagen: Pflitsch kauft Magna und expandiert

Blickpunkt Wirtschaft : Firma Pflitsch kauft das Magna-Werk

Der Experte für Kabelverschraubungen und Kabelkanäle bezieht im Gewerbegebiet Winterhagen einen zweiten Standort. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Investition liegt im zweistelligen Millionenbereich.

Die Zeichen bei der Firma Pflitsch stehen auf Veränderung. Sichtbares Zeichen dafür sind die bereits wehenden Fahnen am künftigen zweiten Standort des Experten für Kabelverschraubungen und Kabelkanäle. Gestern gab das mittelständische Unternehmen mit Sitz am Mühlenweg offiziell bekannt, dass es das Werk von Magna Powertrain im Gewerbegebiet Winterhagen gekauft hat. An der Georg-Schaeffler-Straße 1 soll ein Kompetenzzentrum für den stark wachsenden Kabelkanal-Produktbereich entstehen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Gesamtinvestition liegt aber in zweistelliger Millionenhöhe.

Wie die geschäftsführenden Gesellschafter, Roland Lenzing und Mathias Stendtke, mitteilten, liefen die ersten Verhandlungen seit April 2017. Zuvor hatte es Gespräche mit der Stadt gegeben. Den neuen Standort nahm Pflisch sehr genau in den Blick. Ein Planungsbüro wurde eingeschaltet, außerdem Fachleute einer Technischen Hochschule. „Wir haben uns das Gelände in Bezug auf unsere künftige Produktionstechnik angeschaut und festgestellt, dass es optimal geeignet ist“, sagte Lenzing. Das Unternehmen erwarte bis 2024/2025 einen Umsatz von 80 Millionen Euro. „Aber auf unserem Gelände am Mühlenweg könnten wir das Wachstum nur noch ein bis zwei Jahre stemmen“, sagt er.

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Während der Standort nahe der Wupperschleife bereits mit dem hochmodernen neuen Automatischen Kleinteilelager vorbereitet sei für die Expansion der Kabelverschraubung, schaffe der neue Standort perfekte Rahmenbedingungen für den boomenden Bereich Kabelkanal. „Hier haben wir Platz, um Produktionsprozesse optimal zu gestalten und unsere Baugruppen-Fertigung weiter auszubauen“, erklärte Lenzing. Stendtke bezeichnet den Kauf als „großen Schritt“ und „große Investition“. „Die Verhandlungen mit Magna liefen vorbildlich, auch die Gespräche mit der Stadt waren gut“, berichtete er. Mit dem Kauf von Magna habe Pflitsch die Chance, sich neu zu entfalten, die Produktionsabläufe stärker zu automatisieren und die Produktionskosten zu senken. Außerdem werde man die Personalstärke in einem angemessenen Verhältnis ausbauen. „Da sind wir ein typischer Mittelständler, der konsequent, aber geplant und nachhaltig wachsen will“, sagte er.

 Die Firma Magna wird Ende des Jahres Geschichte sein. Frühester Einzugstermin für die Firma Pflitsch ist der 2. Januar 2019.
Die Firma Magna wird Ende des Jahres Geschichte sein. Frühester Einzugstermin für die Firma Pflitsch ist der 2. Januar 2019. Foto: Stephan Büllesbach

Lenzing ist wichtig, dass der alte Standort entzerrt und entkoppelt werde. So könne sich jeder Wachstumsbereich optimal entwickeln. Wichtig sei auch, dass es an der Georg-Schaeffler-Straße keine Bebauungsverpflichtung gebe. Mehr als 17.000 Quadratmeter Fläche stünden noch frei für den weiteren Ausbau der Kabelverschraubung. Umbaumaßnahmen sind am neuen Standort nicht nötig. Noch viel wichtiger sei es aber, dass es durch den Umzug keinen Stillstand in der Produktion geben darf.

Bürgermeister Dietmar Persian zeigte sich erfreut. „Das ist eine richtige und gute Entscheidung“, sagte er. Und es sei besonderer Tag für Hückeswagen, denn mit dem Kauf der Firma Magna gehe eine 18-jährige Geschichte zu Ende. Das verbinde er auch mit wehmütigen Gefühlen. Seine Gedanken seien bei den Menschen, die ihre Arbeitsstelle verloren haben. Pflitsch bezeichnete der Bürgermeister als hervorragendes Beispiel für nachhaltiges Handeln und Verantwortungsbewusstsein.

Michael Sallmann von der IHK Oberberg wies auf den enormen Mangel an Industrieflächen im Oberbergischen hin. „Das ist kritisch, weil wir eine Industrieregion sind“, sagte er. Mehr Industrieflächen seien entscheidend für den Standort. Stendtke nahm die Politik in die Pflicht: „Die Landesregierung muss diese Flächen ausweisen, es gibt einen riesigen Bedarf, da muss was passieren“, forderte er. Persian weiß aber auch, dass da viele Interessen aufeinanderprallen: Industrie, Natur und Landwirtschaft. Waldflächen in Gewerbe umzuwandeln – das sei emotional besetzt. Die Gesellschaft müsse sich aber entscheiden, wo die Wertschöpfung passiere. Für Sallmann geht es nicht um den letzten Baum: „Der Wald hat seinen Wert, aber wir sollten faktenorientiert abwägen und nicht nur emotional.“