Hückeswagen: Pflitsch bildet eigenen Nachwuchs aus

Blickpunkt Wirtschaft in Hückeswagen : Pflitsch bildet eigenen Nachwuchs aus

In elf Berufsfeldern werden 30 junge Männer und Frauen beim Hückeswagener Unternehmen Pflitsch ausgebildet. Außerdem will das Familienunternehmen ab kommendem Jahr ein Verbundstudium Kunststofftechnik anbieten.

Enrico Lauria ist einer der „Neuen“ bei Pflitsch, er hat gerade die ersten Tage seiner Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik hinter sich. Für den 22-jährigen Hückeswagener ist Pflitsch nicht unbekannt. „Nachdem ich meine Lehre zum Tischler abgebrochen hatte, habe ich hier schon einige Zeit über eine Leiharbeitsfirma gearbeitet“, erzählt er. Obwohl Lauria seinen neuen Ausbildungsbetrieb schon kenne, sei doch jetzt vieles anders: „Statt einzelne Tätigkeiten auszuführen, lerne ich nun den ganzen Betrieb von der Pike auf kennen.“

Sein Kollege Batuhan Batur hat das schon hinter sich. Im dritten Lehrjahr zum Industriekaufmann, sammelte der 18-Jährige in allen Abteilungen seine Berufserfahrungen. „Im Export hat es mir besonders gut gefallen. Also werde ich hier auch meine Prüfungsarbeit schreiben“, sagt Batur. Bevor sich der junge Radevormwalder für diese Laufbahn entschieden hat, absolvierte er Praktika in verschiedenen Berufsbildern und Betrieben. „So habe ich herausgefunden, dass mir das Kaufmännische gut liegt.“

„Solche Praktika sind ideal für beide Seiten – für den Azubi wie für das Unternehmen“, betont Ramona Däumer, Ausbildungskoordinatorin bei Pflitsch. „Bewerber und Betrieb lernen sich dabei kennen und können besser einschätzen, ob die Zusammenarbeit passt.“ Daher bietet der nach Klingelnberg zweitgrößte Arbeitgeber in Hückeswagen über die Schulpraktika hinaus interessierten Jugendlichen die Möglichkeit, wochenweise in den Betrieb und die Tätigkeiten hineinzuschnuppern.

„Bei den Berufsfelderkundungstagen mit den 8. Schulklassen bekommen die Mädels und Jungs einen Einblick in verschiedene Berufe. So entdecken wir gemeinsam, was passen könnte“, sagt Ramona Däumer. Dabei könnten auch immer wieder Jugendliche für eher unbekanntere Berufe wie den Verfahrensmechaniker oder den Konstruktionsmechaniker begeistert werden. „Eigentlich in allen Berufsfeldern spielt heute die moderne EDV eine große Rolle“, versichert Sascha Schier, Abteilungsleiter für Montage und Lager. Die Fachkraft für Lagerlogistik habe längst nicht mehr nur mit Pakete packen oder dem Einräumen von Regalen zu tun. „In unserem automatisierten Kleinteilelager mit 25.000 Stellplätzen läuft die Ein- und Auslagerung mannlos mit modernster Technik“, erläutert Schier.

Ähnlich sei es mit dem neuen halbautomatischen Hochregallager im Werk 2, in dem die Materialien und die Vorprodukte für die Kabelkanäle und Kanalbaugruppen vorgehalten werden. „Die Bedienung dieser komplexen Anlage erlernt Enrico ebenso wie das Bereitstellen von Waren für die Fertigung, den Versand oder andere Abteilungen wie das Marketing“, sagt der Abteilungsleiter. Und beim anstehenden Umzug der Kanalproduktion ins neue Werk in Winterhagen-Scheideweg an der Georg-Schaeffler-Straße seien die Logistikmitarbeiter bei der Verpackung der ganzen Maschinen eingebunden. „Das wird meinen Horizont bestimmt erweitern“, ist sich Enrico Lauria sicher.

Für das kommende Jahr bietet das Hückeswagener Unternehmen erstmals ein Verbundstudium Kunststofftechnik an – eine Kombination aus betrieblicher Ausbildung zum Verfahrensmechaniker und dem Studium an der Fachhochschule Südwestfalen in Lüdenscheid.

„Wir wollen damit unsere Kompetenz im Kunststoffbereich erweitern“, betont Ramona Däumer. Denn neben der umfassenden Metallbearbeitung verfüge Pflitsch über eine wachsende Kunststofffertigung, in der beispielsweise die Dichteinsätze und Verschraubungskörper der Kabelverschraubungen produziert werden. Abschluss dieses Kombi-Studiums ist der Bachelor of Engineering in Kunststofftechnik.

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