Hückeswagen: Pflitsch bekennt sich zum Standort und expandiert

Ansichtssache : Mit Füßen über Zukunft im Einzelhandel abstimmen

Ganz wichtig: Es gibt Papiertüten, Plakate und Postkarten für ein Gewinnspiel – so sollen die Hückeswagener daran erinnert werden, ihre Einkäufe unbedingt in der Schloss-Stadt zu erledigen. Ganz traurig: Der Heimat-, Verkehrs- und Verschönerungsverein löst sich auf. Zu wenig Aktive, kein Nachwuchs. So macht die Arbeit keinen Sinn mehr.

Die Werbegemeinschaft ist unermüdlich im Einsatz, damit die Hückeswagener ihre Einkäufe jedenfalls in der Mehrzahl in der Schloss-Stadt erledigen. Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist vielen Bürgern nicht bewusst: Wer ständig im Internet bestellt, schwächt den örtlichen Einzelhandel und muss sich nicht wundern, eines Tages durch eine Geisterstadt zu spazieren. Aber wem sollte das gefallen? Vielmehr wird dann der Aufschrei groß sein. Völlig zu Unrecht, denn der Kunde stimmt heute mit seinen Füßen darüber ab, wie die Einzelhandelslandschaft in Hückeswagen künftig aussieht. Und noch bietet die Schloss-Stadt seinen Kunden etwas. Fast für alle Lebensbereiche gibt es Angebote: Spielzeug, Kleidung für Kinder und Erwachsene, Deko-Artikel, Köstlichkeiten in fester und flüssiger Form – wenn die Hückeswagener dieses Angebot erhalten wollen, müssen sie konkret etwas dafür tun und zwar in ihrer Heimatstadt einkaufen gehen. Und wenn es dort mal nicht das gewünschte Produkt gibt, hilft der Händler sicher gerne weiter und bestellt die Ware. Vielleicht auch im Internet, aber dann doch immer noch mit Vorteilen für die eigene Kasse. Deshalb tut die Werbegemeinschaft gut daran, weiter am Ball zu bleiben und die Kunden immer wieder dafür zu sensibilisieren. Denn der einprägsame Slogan einer Stadt im Rheinland vor vielen Jahren „Kauf in Deiner Stadt, damit sie eine Zukunft hat“ gilt ganz sicher auch für Hückeswagen. Tipp: Einfach bei der nächsten Bestellung im Internet mal drüber nachdenken.

Foto: Jürgen Moll

Nachdenken muss die Stadtverwaltung auch über den Zustand ihrer Straßen. Denn der wird zusehends schlechter, wie eine aktuelle Erfassung, dessen Ergebnisse diese Woche im Fachausschuss vorgestellt wurden, gezeigt hat. Obwohl die Stadt „am Ball bleibt“ und versucht, Straßen frühestmöglich zu sanieren, altern die Straßen schneller. Ein schleichender Prozess. Und ein teurer außerdem. Alleine für die Erfassung des Straßenzustandes gibt die Stadt 60.000 Euro aus – Geld, das sich aber lohnt, denn nur so bekommt die Stadt überhaupt einen Überblick und weiß, wo eine Sanierung dringend notwendig ist. Die aktuelle Erfassung zeigt auch, dass die Stadt in den kommenden Jahren mehr Geld investieren muss, um die Straßen zukunftsfähig zu erhalten. Da führt überhaupt kein Weg dran vorbei. Woher nehmen? Da ist sicher Kreativität gefragt, aber es ist sicher keine Lösung, die Straßen aus Kostengründen verkommen zu lassen. Vorausschauende Planung wird auch in Zukunft immer wichtiger.

Interessant und vor allem spannend könnte das Bauprojekt am Eschelsberg werden – nicht, weil dort Wohnbebauung, eine neue Schule und eine neue Feuerwache entstehen sollen, nein, dort gibt es noch eine weitere Besonderheit, nämlich einen alten Bergwerksstollen, der bei genauerem Betrachten auch deutlich zu erkennen ist. Der Hügel am Wegerhof ist schon bemerkenswert. Bleibt abzuwarten, welche Stellungnahmen beteiligter Behörden zu dem Bauprojekt bei der Stadt eingehen werden. Die Verwaltung glaubt zwar nicht an eine Verzögerung des Bauprojektes, sollte sich aber vielleicht doch auf die eine oder andere zusätzliche Untersuchung einstellen, denn ganz so ohne weiteres wird ja wohl eine Wohnbebauung auf einem alten Bergwerksstollen nicht möglich sein.

Keine guten Nachrichten gab’s diese Woche vom Heimat-, Verkehrs- und Verschönerungsverein. Der Verein löst sich auf. Zu wenig Mitglieder, zu wenig Aktive, kein Nachwuchs – die Gründe sind vielschichtig und nachvollziehbar. Traurig ist es trotzdem, schließlich wurde der Verein nach Angaben des Vorsitzenden Lutz Jahr bereits 1887 gegründet. Damit geht eine lange Tradition zu Ende. Schade!

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