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Hückeswagen: Pfarrer Veprauskas auf Hilfsmission für Menschen in Litauen

Litauenhilfe Hückeswagen : Auf Hilfsmission für Menschen in Litauen

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert sammelt Pfarrer Virginijus Veprauskas aus der litauischen Stadt Kaunas in Hückeswagen dreimal im Jahr Sachspenden für seine Gemeinde. Der Kontakt kam über das Johannesstift zustande.

VirginijusVeprauskas ist ein ruhiger Mann. Seit etwa 20 Jahren leitet der der 59-jährige Pfarrer eine Gemeinde in der Nähe von Kaunas, der zweitgrößten Stadt Litauens. Dabei ist er enger mit Hückeswagen im Oberbergischen verbunden, als es die große Entfernung von zirka 1600 Kilometern vermuten ließe. Seit mehr als 25 Jahren kommt Veprauskas mehrmals im Jahr in die Schloss-Stadt, um dann mit einem großen Transporter voller Sachspenden zurück in seine Heimatstadt zu fahren. „Ich leite eine Gemeinde in einer kleinen Stadt ungefähr zehn Kilometer von Kaunas entfernt“, erzählt der 59-Jährige.

1988, noch zu Zeiten des Sowjetregimes, wurde Veprauskas zum Priester geweiht. Der Kontakt ins Oberbergische kam Anfang der 90er Jahre zustande, als der Geistliche Gerda Franke, die damals dem Leitungsteam des Altenzentrums Johannesstift angehörte, in Xanten kennenlernte. „Der Cousin meines Opas war Leiter einer Senioreneinrichtung der Diakonie in dort. Ihn wiederum kannte Gerda Franke. Bei einem Besuch 1994 habe ich sie dort kennengelernt“, erzählt der 59-Jährige. Die Hückeswagenerin erkannte die schwierige Lage der Menschen in der ehemaligen Sowjetrepublik, vor allem der Kinder ohne Zuhause, um die sich niemand kümmerte – bis auf Pfarrer Veprauskas.

„Wir haben alle Kinder gleich behandelt und uns um sie gesorgt“, erzählt der 59-Jährige. Die Kinder, die auf der Straße lebten, bekamen in der Gemeinde Kleidung sowie Essen und konnten sich auch waschen. Diese Hilfe – letztlich bedingt durch die große Hilfsbedürftigkeit der Menschen, an die Veprauskas sich wenden kann – hat sich mittlerweile auch auf alte und kranke Menschen in der litauischen Gemeinde ausgedehnt. Zwei- bis dreimal in Jahr kommt der Pfarrer aus Litauen seither mit einem gemieteten Transporter nach Hückeswagen, um Sachspenden aller Art nach Kaunas zu bringen.

Denn mit dem Ende des Sowjetregimes hätten sich ganz neue Probleme entwickelt. „Mit der Freiheit haben wir eine neue Mentalität bekommen“ berichtet er. Früher gab es offiziell praktisch keine Behinderungen. „Und damit natürlich auch keine Versorgung und Hilfsmittel für die behinderten Menschen – die es natürlich auch bei uns in Litauen gab“, betont Veprauskas. Als er erstmals Rollatoren gesehen habe, sei er demnach auch sehr überrascht gewesen. Eigentlich unvorstellbar – und doch nach wie vor sehr nah, wie der 59-Jährige ernst sagt. „Unser Nachbarland ist Belarus – dort ist es wie bei uns vor 30 Jahren.“

Die Spenden, die Veprauskas mit nach Litauen nimmt, sind demnach auch sehr breitgefächert. „Kleidung ist natürlich dabei, aber auch medizinische Produkte, Fahrräder oder eben Rollatoren“, sagt der 59-Jährige. Die Kosten für die Fahrten – neben der Miete für den Transporter sind das Verpflegung, Sprit und nicht zuletzt Zeit – werden durch Spenden aus der Gemeinde finanziert. In der Regel steigt er sonntags nach dem Gottesdienst in den Transporter und fährt die 1600 Kilometer am Stück, zwischendurch ruht er sich in der Führerkabine aus. Er fährt meistens rund um Ostern und Allerheiligen nach Hückeswagen, dazu noch ein weiteres Mal. „Mit Corona war das dieses Jahr allerdings schwierig. Deswegen musste ich die Fahrt auch zweimal absagen“, sagt Veprauskas.

Koordiniert wird die Sammlung in Hückeswagen vor allem von der Familie Kusche aus der Pfarreiengemeinschaft Radevormwald-Hückeswagen. „Wir sammeln die Sachen hier, Virginijus wohnt dann immer auch bei uns, wenn er die nächste Ladung abholt“, sagt Egon Kusche. Das Spendenaufkommen sei zwar mittlerweile ein wenig geringer geworden, aber zwei bis drei Transporter pro Jahr bekomme man nach wie vor voll.

„Zu Zeiten von Schwester Gerda gab es im Stift aber große Aktionen“, erinnert sich Kusche. „Sie hatte etwa einmal 1000 Pakete gesammelt, die dann von einer Spedition nach Litauen gefahren wurden. Damals hat auch die Kolpingsfamilie tatkräftig mitgeholfen.“ Und auch die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) in Hückeswagen unterstützt den Pfarrer. „Wir spenden jedes Jahr 500 Euro“, berichtet deren Vorsitzende Beate Knecht.