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Hückeswagen: Parasportler Benjamin Lenatz kämpft auch noch gegen Leukämie

Zweiter Schicksalsschlag für Hückeswagener Sportler : Die Diagnose „Blutkrebs“ war ein Schock

Bis vor wenigen Wochen war für Parasportler Benjamin Lenatz die Teilnahme an der Paralympics 2020 in Tokio zum Greifen nah. Doch dann riss ihn die Diagnose Blutkrebs aus seinen Träumen, gefolgt von der Corona-Pandemie und der Absage der Olympischen Spiele.

Dass Benjamin Lenatz sich aus persönlichen Gründen für den Welt-Blutkrebs-Tag, der jedes Jahr am 28. Mai begangen wird, engagiert, hätte sich der erfolgreiche Paratriathlet wahrscheinlich selbst nicht unter diesen Umständen vorstellen können. Doch das Schicksal hat bei dem Hückeswagener zum zweiten Mal zugeschlagen: Nach einem Verkehrsunfall 2003, der ihn in den Rollstuhl zwang, bekam der durchtrainierte Sportler am Valentinstag, 14. Februar, die Diagnose Chronische Myeloische Leukämie (CML) mitgeteilt. „Das war ein Schock, den man erst einmal verdauen muss“, sagt der 35-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion.

Seitdem sind gut drei Monate vergangen und die Schockstarre ist seinem schier unbeugsamen Kampfgeist gewichen. Die Medikamente, die der Sportler gegen die Krankheit einnehmen muss, schlagen gut an – jedoch nicht ohne Auswirkungen auf den Körper. „Der Nebenwirkungskatalog dieser Art der Mini-Chemo ist schon relativ lang“, sagt der Mitarbeiter der Stadtverwaltung Bergisch Gladbach. Die CML sei jedoch die einzige Leukämie-Art, die medikamentös zu Hause behandelbar sei.

Gespürt hat der Sportler die ersten Anzeichen der Krankheit im Januar im Trainingslager auf Lanzarote, wo er sich zusammen mit seinem Trainer Oliver Quittmann auf die anstehenden Qualifikationswettkämpfe zu den Paralympics 2020 vorbereiten wollte. „Wir waren am dritten Tag abends Essen. Einen Tag später hatte ich extreme Magen-Darm-Probleme, und wir dachten schon an einen Virus oder eine Lebensmittelvergiftung“, erinnert sich Lenatz. Als die Beschwerden nicht besser wurden, erhielt der Sportler im Krankenhaus Infusionen gegen den enormen Flüssigkeitsverlust. Zu Kräften gekommen sei er dennoch nicht. „Normalerweise erhole ich mich von Infekten aufgrund meiner sportlichen Situation immer schnell, doch das war nicht der Fall.“

Irgendwann will Benjamin Lenatz wieder so jubeln können wie beim Parathriathlon im türkischen Alanya. Foto: Janos M. Schmidt

Ein paar Tage flog er nach Hause und suchte hier seinen Hausarzt auf. Nach einem Anfangsverdacht und weiteren Untersuchungen in der Klinik sei dann zum ersten Mal der Begriff „Leukämie“ gefallen. „Das Leben ändert sich nach solch einer Diagnose schlagartig und betrifft auch das soziale Umfeld. Einigen fällt es schwer, die Tatsache zu akzeptieren“, sagt der 35-Jährige. „Ich hatte schon einmal einen Schicksalsschlag und kenne es, mit Krisensituationen umzugehen. Vielleicht habe ich dadurch einen Vorsprung.“

Nicht einfacher machte die Corona-Krise die ohnehin schwere Situation des 35-Jährigen. „Die ersten Wochen waren relativ gefährlich. Nach dem Klinikaufenthalt war ich fast nur zu Hause und habe sehr vorsichtig gelebt. Aber es geht uns ja nun allen so“, denkt Lenatz auch an seine Mitmenschen. Mittlerweile kann der Paratriathlet in gewissem Rahmen wieder Sport treiben – meistens an den heimischen Sportgeräten oder draußen in den frühen Morgen- und späteren Abendstunden, wenn nicht so viele Menschen unterwegs sind. Seine Ehefrau Frauke, die durch Corona viel im Homeoffice arbeitet, steht immer an seiner Seite. „Man kämpft sich so langsam wieder ins Leben zurück“, bleibt Lenatz trotz allem optimistisch.

Die Absage der Paralympics, für die schon der Flug nach Tokio so gut wie gebucht war, ist nur ein kleiner Trost. „Nach so einer Diagnose steht der Sport hinten an. Stattdessen stehen lebenserhaltenen Maßnahmen an erster Stelle“, betont Lenatz. Durch die Corona-Krise seien nicht nur die Sportler weltweit betroffen, sondern in erster Linie das Gesundheitswesen und die Wirtschaft. „Der Sport ist das Erste, was in den Firmen gestrichen wird. Das ist eine Problematik, die weltweit für alle Sportler entsteht“, fügt er hinzu. Trotz der wirtschaftlichen Lage seien ihm bisher aber alle Sponsoren treu geblieben. Das liegt vielleicht auch daran, dass der Hückeswagener immer offen mit seiner Situation umgegangen ist. Sport ist für ihn zu einem absoluten Luxusgut geworden. „Ich werde weiter trainieren, mich aber nicht überfordern. Es ist ein Drahtseilakt, den man versucht, hinzubiegen“, kündigt Lenatz an.

Eine Rückkehr zum Leistungssport schließt der Hückeswagener keineswegs aus: „Ich werde alles versuchen, aber nicht um jeden Preis. Die Gesundheit ist das höchste Gut.“ Durch die Beschäftigung mit dem Thema Blutkrebs ruft Benjamin Lenatz öffentlich zur Stammzellenspende auf, auch wenn er sie selbst derzeit nicht benötigt: „Man kann anderen Menschen damit helfen, denen es schlechter geht.“

Gerne würde er sich auch an den Aktionen zum Welt-Blutkrebs-Tag am 28. Mai beteiligen. Die sind in diesem Jahr jedoch aufgrund der Corona-Situation weitgehend abgesagt.