1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen: Norwegischer Tornister aus dem Jahr 1943

14. Schulranzentreff : Norwegischer Tornister aus dem Jahr 1943

Der Hückeswagener Gerhard Burghoff hat Spielwarenhändler Uwe Heinhaus seinen original Tornister aus dem Jahr 1943 als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Ein Hingucker aus echtem Rindsleder, von Hand gefertigt und erstaunlich robust. Beim Schulranzentreff am Samstag im Kultur-Haus Zach wird er ausgestellt.

Ein echtes Schmuckstück wird den Schulranzentreff am kommenden Samstag, 2. Februar, 10 bis 15 Uhr, im Kultur-Haus Zach bereichern. Der Hückeswagener Gerhard Burghoff hat Spielwarenhändler Uwe Heinhaus seinen original Tornister aus dem Jahr 1943 als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Ein Hingucker aus echtem Rindsleder, von Hand gefertigt und erstaunlich robust. Im Herbst 1943, also noch mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde Burghoff in der evangelischen Volksschule Weierbachstraße bei Fräulein Karola Lepping eingeschult. „Früher war das Gebäude eine Schule, heute wohnen dort Menschen“, sagt der 81-Jährige. Bis 1948 habe er die Volksschule besucht, später dann die Mittelschule, die auf dem heutigen Parkplatz an der Einmündung Am Kamp stand und nach Angaben von Burghoff „Russische Botschaft“ genannt wurde.

Den Tornister hatte ihm sein Vater aus Norwegen geschickt. „In Oslo war mein Vater von 1940 bis 1945 als Soldat in der Armee“, berichtet Burghoff. In dem Tornister befindet sich auch heute noch das entsprechende Zubehör wie Griffelkasten mit Bügel für einen Buchständer, Lineal und Schieferplatte mit Holzrahmen sowie uralte Bleistifte, die alle noch funktionstüchtig sind. Den Griffelkasten datiert Burghoff übrigens etwa auf die Zeit 1914/1915, denn den hat er von seiner Mutter übernommen, die 1908 geboren wurde. „Meine Schultüte war damals nicht ganz so groß, da war auch viel Papier drin“, erinnert er sich und lacht.

In dem alten Tornister finden sich noch heute Griffelkasten, Schieferplatte und alte Bleistifte. Foto: Joachim Rüttgen

Auch das Rindsleder ist erstaunlich gut erhalten. „Das dicke und helle Leer war sehr stabil, andere Mitschüler trugen Papp-Tornister“, erinnert sich Burghoff. Auf seinen Tornister seien viele neidisch gewesen. Von seinem Zuhause an der Rader Straße hatte Burghoff einen weiten Weg zu laufen, im Winter kam es immer mal wieder vor, dass ihm Mitschüler den Tornister wegnahmen und sie ihn als Rodelunterlage von der Pauluskirche runter nutzten. „Dann war er nass und fleckig, aber gehalten hat er sich trotzdem“, sagt Burghoff und schmunzelt. Uwe Heinhaus staunt als Fachmann für Schulzubehör über die enorme Qualität des Tornisters. Er verfügt sogar schon über eine Metallschiene zur Befestigung der Rückenschnallen. „Sonst würde das reißen, schließlich wirken hier die größten Kräfte“, erklärt Heinhaus. Eigentlich sei der Tornister von 1943 sehr simpel gebaut – mit einer festen Schnalle und einem Haken zum schnellen Auf- und Zumachen. „Der ist komplett genäht von einem Schuster, kein Fabrikstück, das Material mithin unkaputtbar“, lautet Heinhaus’ fachmännische Einschätzung. Von diesem Tornister will sich Burghoff auf keinen Fall trennen. Das Wülfingmuseum in Radevormwald hatte schon mal angefragt, aber dieses Angebot lehnte der Hückeswagener ab. „Ich trenne mich doch nicht von so einem schönen Stück“, sagt er. Für Uwe Heinhaus hat ein solcher Tornister – ein Stück übrigens, das er in seiner 43-jährigen Laufbahn als Händler noch nie gesehen hat – auch noch eine ganz andere Bedeutung: „Wir gehen davon aus, dass die Erstklässler schon bald Tablets in ihren Klassen vorfinden werden und dementsprechend wird sich auch die Form des heutigen Ranzens verändern“, sagt er. Er werde deutlich kleiner, und da schließe sich dann der Kreis zu dem alten Tornister von Burghoff, der einem Laptop genau den richtigen Platz geben würde. Heinhaus schätzt das Schmuckstück auf einen Wert von 140 bis 160 Euro (die modernen Ranzen heute kosten als Komplettsatz mit allem Zubehör 220 bis 230 Euro); er möchte es am Samstag gerne in einer Vitrine oder hinter Glas präsentieren.

Gerhard Burghoff bei seiner Einschulung im Herbst 1943 in Hückeswagen. Foto: burghoff

Gespannt ist Heinhaus auf den Aufruf zur Aktion, dass die Besucher des Ranzentreffs ihre alten Einschulungsfotos mitbringen sollen, die vor Ort direkt gescannt werden und mit denen die Teilnehmer schöne Preise gewinnen können. Der Ranzenhersteller Scout hat die Idee von Heinhaus übrigens aufgegriffen und startet die Fotoaktion jetzt bundesweit. Ausgestellt wird am Samstag auch der erste Scout-Tornister von 1973, den alle Händler der ersten Stunde vor 15 Jahren als Replikat geschenkt bekamen und mit dem Heinhaus nun einen Bogen schlagen kann von dem Tornister von 1953 über den von 1973 bis hin zu den heutigen High-Tech-Ranzen.