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Hückeswagen: Niedrige Zinsen erschweren Stiftungsarbeit

Sparkasse : Niedrige Zinsen erschweren Stiftungsarbeit

Die beiden Stiftungen der Sparkasse Radevormwald/Hückeswagen haben Probleme, das Geld auszuschütten. Die Zinslandschaft ist am Boden, Kapital bringt kaum noch Zinsen. Die Kuratorien müsse neue Renditeanlagen finden.

Es wird immer schwieriger, Gutes zu tun. Mit dieser erstaunlichen Erkenntnis sehen sich die Kuratoriumsvorstände der Sparkassenstiftungen für Hückeswagen und Rade konfrontiert. Bei der Ausschüttung nach der Herbstsitzung Ende November gab es für die Bürgerstiftung keinen Beschluss für Hückeswagener Projekte. „Weil es keine Anträge gab“, sagt Michael Scholz, Marketingleiter der Sparkasse und Mitglied im Kuratorium.

Mit der Fusion zur Sparkasse Radevormwald/Hückeswagen 1991 ging zunächst die Bürgerstiftung an den Start. „Seitdem erleben wir täglich gemeinsamen und ehrenamtlichen Einsatz von Menschen, die sich mit ihren Ideen für Vereine und für die Städte einsetzen“, sagt Scholz. Die Kulturstiftung wurde mit einem Stiftungsfonds von 1,3 Millionen Euro ausgerüstet. „Das Kapital wird angelegt, die Zinsen dürfen wir ausschütten“, erläutert Scholz. Zu Spitzenzeiten wurden 150.000 Euro ausgeschüttet, 2019 sind 15.000 Euro geplant. „Das ist sehr schmerzhaft“, findet Scholz. Weil die Bürgerstiftung 1996 voll war, wurde 1997 die Sport- und Sozialstiftung gegründet, ebenfalls mit 1,3 Millionen Euro Stiftungsfonds. Wegen der enormen Nachfrage wurde der Fonds nach fünf Jahren um 500.000 auf 1,8 Millionen Euro aufgestockt. „Die Kuratoriumsmitglieder fanden, dass Kunst und Kultur schön und nett sind, der Bedarf im Bereich Soziales und Sport aber weitaus höher ist“, sagt Scholz.

Heute erschwert die Zinslandschaft die Stiftungsarbeit. „Anfangs haben wir die Leute gebeten, einen Antrag zu stellen, damit wir Großprojekte begleiten, heute sind die Vereine viel zurückhaltender“, berichtet Scholz, der von Beginn an die Stiftungsarbeit begleitet. Die Bürger seien vorsichtiger geworden, weil es immer schwieriger werde, das Kapital aufzubringen. Und das klassische „Klinken putzen“, um Sponsoren zu gewinnen, liege auch nicht jedem.

Aus der Sport- und Sozialstiftung profitierten die Sportvereine in Hückeswagen mit 182.000 Euro (Radevormwald: 266.000 Euro), und fürs soziale Engagement flossen in beiden Städten 362.000 Euro. Aus der Bürgerstiftung gingen 85.000 Euro an die Musikschule Hückeswagen (Radevormwald: 111.000 Euro), 207.000 Euro flossen in die Kultur (Rade: 324.000 Euro), der Geschichtsverein und das Museum profitierten mit 60.000 Euro und die Kirchengemeinden in beiden Städten mit 337.000 Euro. Das Wülfingmuseum erhielt 65.000 Euro, der Heimat- und Verkehrsverein in Rade 130.000 Euro.

Die schwierige Situation in der Zinslandschaft führt nun dazu, dass das Kuratorium die Sparkasse aufgefordert hat, sich über Renditeanlagen Gedanken zu machen. „Wir müssen schauen, das Kapital optimierter anzulegen“, sagt Scholz. Die Satzung gebe genau vor, wie das Kapital angelegt werden darf. So dürfe kein Negativeffekt entstehen das heißt: „Wir dürfen nicht spekulieren und Aktien kaufen“, erklärt Scholz. Es gehe um alternative Finanzierungsmodelle.

Wer von den Stiftungen profitieren möchte, muss einen Antrag bis 30. Januar (Frühjahrssitzung) und 30. September (Herbstsitzung) einreichen. Zuschüsse werden nicht für laufende oder abgeschlossene Projekte bezahlt. „Und die Vereine müssen einen eigenen Anteil einbringen und den auch beziffern“, sagt Scholz. Eine 100-prozentige Übernahme sei nicht vorgesehen. Und kein Antragsteller habe einen Pflichtanspruch. Die Kuratorien entscheiden völlig frei.

Wenn es denn Anträge in Zukunft gibt. Scholz: „Wir könnten mehr ausschütten, wenn wir mehr Zinsen hätten, aber die Zinslandschaft ist am Boden. Kapital liegt irgendwo, bringt aber keine Zinsen mehr.“ Während die Volksbank Oberberg mit einem Spendensuchportal im Internet (Fundraising) versucht, alternative Möglichkeiten zu finden, überlegt die Sparkasse, es vielleicht mit Zustiftungsmöglichkeiten zu versuchen. Die Sparkasse fungiert dabei als Gesprächspartner für Kunden, die vielleicht überlegen, eine Familienstiftung oder eine Kundenstiftung ins Leben zu rufen, um so ihr Vermögen sinnvoll anzulegen.

Scholz weiß, dass sich Stiftungsarbeit neu aufstellen muss. Gerade die Bereiche Sport und Soziales würden immer wichtiger. Aber: Viele Leute wollen sich nicht mehr dauerhaft binden, sondern nur projektbezogen mit erkennbarem Ende.