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Hückeswagen: Neustart beim Flüchtlingscafé in Wiehagen

Angebot der Evangelischen Kirchengemeinde Hückeswagen : Neustart beim Flüchtlingscafé im KiWie

Vor fünf Jahren startete das Projekt der Evangelischen Kirchengemeinde im Café KiWie am Drosselweg. Der Bedarf ist nach wie vor groß, für viele Geflüchtete ist es ein wichtiger Anlaufpunkt. Jetzt wurde der Betrieb wieder aufgenommen.

Die Stimmung am Mittwochnachmittag auf dem Parkplatz vor dem Café KiWie ist gut. Bierbänke sind aufgestellt, unter einem Sonnenschirm steht ein Tisch mit Getränken und Snacks. Es wird sich rege unterhalten, mehrere Menschen aus unterschiedlichen Ländern sitzen in der Sonne. Das Flüchtlingscafé der Evangelischen Kirchengemeinde hat nach gut einem Jahr der Corona-Zwangspause wieder aufgemacht.

„Mit den sinkenden Zahlen haben wir nach Absprache mit dem Presbyterium wieder den Betrieb aufgenommen“, berichtet Friedhelm Selbach aus dem Organisationsteam. „Es hat auch immer wieder viele Anfragen der geflüchteten Menschen gegeben, wann es denn wieder losgeht.“ Eigentlich hätte in diesem Jahr das fünfjährige Bestehen des Angebots gefeiert werden sollen, Corona hat dem jedoch einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. „Aber es ist toll, dass es uns schon so lange gibt“, betont Selbach.

Wahid Amini ist bereits seit vielen Jahren regelmäßiger Besucher des Flüchtlingscafés; der junge Mann aus dem Iran ist dabei vom Besucher zum Helfer geworden. „Ich habe heute schon beim Aufbau geholfen – Friedhelm hat mich angerufen“, sagt Amini. Er sei vor einigen Jahren ein paar Mal in der evangelischen Kirche gewesen, da habe er Selbach kennengelernt. „Er hat mir vom Flüchtlingscafé erzählt, ich bin dann mal hergekommen – und seitdem regelmäßig“, sagt der junge Mann, der vor einigen Wochen seinen Führerschein gemacht hat.

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„Es ist schön zu sehen, wie sich die Menschen, die zu Beginn noch kein Wort Deutsch konnten, entwickelt haben“, sagt Selbach. Amini beispielsweise habe mittlerweile Arbeit bei der Firma Breidenbach in Winterhagen gefunden. „Viele Hückeswagener Unternehmen sind wirklich offen für geflüchtete Menschen und unterstützen sie bei Ausbildung oder Arbeit“, berichtet Selbach.

Evi Jung ist ebenfalls von Anfang an im Helferteam des Flüchtlingscafés dabei. „Sie versorgt alle mit Getränken und kauft Süßigkeiten oder Kekse“, berichtet Selbach. Evi Jung freut sich besonders darüber, dass immer wieder Familien mit Kindern ins Flüchtlingscafé kommen. „Platz haben wir genug, und eine unserer Helferinnen kümmert sich dann um die Kleinen“, erzählt die Hückeswagenerin. Sie betont, dass das Café KiWie offen für alle Hückeswagener sei. „Gerade vorhin noch ist eine deutsche Frau mit ihren Kindern am Drosselweg vorbeigegangen. Die Kinder haben gesehen, dass hier viele Menschen sind und wollten gerne dazukommen – einfach so, so soll es doch sein“, sagt Evi Jung.

Es sei sehr gut und wichtig für die Menschen, dass das Café wieder geöffnet sei, betont Selbach nachdenklich. „Wir hatten während Corona auch weiterhin Kontakt, aber eben nur per Telefon oder WhatsApp. Und auch so kann man sicherlich die eine oder andere Frage klären – aber so wirklich gut funktioniert das natürlich auch nicht.“ Das Schöne am Café sei zudem, dass er merke, dass die Menschen sich hier wohlfühlten. „Es ist für viele auch eine Gelegenheit, um Kontakt zu halten beziehungsweise, um auch erst einmal in Kontakt zu kommen.“ Es seien Menschen aus vielen verschiedenen Ländern, die sich nicht kennen würden, aber ähnliche Geschichten teilten. „Da ist es ganz einfach, sich etwa beim gemeinsamen Kicker-Spiel kennenzulernen“, sagt Selbach.

Wobei es nicht nur um Gesellschaft und Zusammensein gehe. „Die Menschen können auch mit ihren Fragen zu Behörden oder dem Ausländeramt kommen, die auf jeden Fall immer wieder auftreten“, berichtet Selbach. Hier sei auch der Kontakt zur Stadt sehr wichtig. „Der ist sehr gut und hilfreich, gerade wenn es etwa um die Ausländerbehörde geht.“ Da könne oft schnell und unkompliziert geholfen werden.

Aber auch wenn viele der regelmäßigen Besucher mittlerweile fest im Leben in ihrer neuen Heimat stünden, sei das Projekt Flüchtlingscafé durchaus eine kontinuierliche Aufgabe. „Eine, bei der es konkret um die Menschen geht“, betont Selbach. „Und eine, die auch vollkommen vom Presbyterium unterstützt wird.“ Wozu auch passe, dass etwa Pfarrer Reimund Lenth, der oberhalb des Cafés KiWie wohnt, sich gerne mit dazusetze. Wie auch am Mittwoch, als das Flüchtlingscafé erstmals seit Pandemie-Beginn wieder geöffnet hat.