Dreifachhalle für Hückeswagen Neue Sporthalle wird gebaut – aber wo?

Hückeswagen · Sicher ist: Hückeswagen bekommt eine neue große Dreifachhalle, da sind sich alle Ratsparteien einig. Auch in der Frage, wie sie aussehen und ausgestattet sein soll. Uneinigkeit herrscht noch darin, ob die Halle im Brunsbachtal oder in Wiehagen gebaut wird. Der Fachausschuss fasste keinen Beschluss dazu.

 Könnte hier, zwischen Wendehammer Blumenstraße (u.) und der B 237 bei Grünental, die gewünschte Dreifachhalle entstehen?

Könnte hier, zwischen Wendehammer Blumenstraße (u.) und der B 237 bei Grünental, die gewünschte Dreifachhalle entstehen?

Foto: Jürgen Moll

Die neue Sportstätte wird eine Dreifachturnhalle mit einer lichten Höhe von zehn Metern – die brauchen die Trampolin-Turner für Wettkämpfe – und einer feststehenden Tribüne über drei Geräteräumen je Hallenteil sein. Die Halle wird so konzipiert, dass sie auch als „Versammlungsstätte“ für bis zu 1000 Menschen genutzt werden kann. Das entspricht in etwa der Größenordnung der Mehrzweckhalle im Brunsbachtal. Einstimmig gab der Fachausschuss für Schule, Sport und Kultur am Dienstagabend die Empfehlung an den Rat, dieses Anforderungsprofil für den Hallen-Neubau zu beschließen. Das war ohne große Diskussionen schnell geschehen.

Sehr viel schwieriger und vor allem strittiger wurde es, als es um die Frage ging, wo die Sporthalle gebaut werden soll. Möglich ist das an zwei Standorten: im Brunsbachtal neben der Mehrzweckhalle und dem geplanten Hallenbad-Neubau und in Wiehagen-Grünenthal am Hang zwischen der Grundschule Blumenstraße und der Bundesstraße 237. Am Ende der Debatte fasste der Fachausschuss keinen Beschluss dazu, sondern verschob die Entscheidung in den Stadtrat, der am Dienstag, 18. Juni, tagt.

Die Debatte dort dürfte kontrovers werden und möglicherweise mit einer knappen Mehrheit pro Grünenthal ausfallen. Denn nach der Diskussion im Ausschuss zeichnet sich ab, dass CDU, FDP und FaB den Hallen-Bau dort wollen, SPD und Grüne aber einem Neubau im Brunsbachtal den Vorzug geben. Die AfD positionierte sich noch nicht.

Oder wird sie doch auf der freien Fläche zwischen Löwen-Grundschule (l.), Bürgerbad (M.) und Mehrzweckhalle (r.) gebaut? Die Entscheidung könnte am 18. Juni fallen.

Oder wird sie doch auf der freien Fläche zwischen Löwen-Grundschule (l.), Bürgerbad (M.) und Mehrzweckhalle (r.) gebaut? Die Entscheidung könnte am 18. Juni fallen.

Foto: Jürgen Moll

Aus Sicht der Stadtverwaltung sind beide Standorte geeignet, sie selbst favorisiert den in Wiehagen – vor allem mit Blick auf die Entwicklung der Infrastruktur: Halle und „Versammlungsstätte“ werteten den Stadtteil Wiehagen auf, begründete das Bürgermeister Dietmar Persian. Dabei sieht er auch, dass Edeka ebenfalls in Grünenthal einen neuen großen Supermarkt bauen will, mit dem die Nahversorgung in Wiehagen verbessert wird. Stadt und Edeka würden sich die Kosten für die Verkehrserschließung teilen und in der Bundesstraße einen Kreisverkehr bauen, aus dem heraus sowohl der Supermarkt als auch die neue Sporthalle angefahren werden könnten.

Laut Persian hat der Landesbetrieb Straßen NRW als Baulastträger für die B 237 bereits Zustimmung zum Bau eines Kreisverkehrs signalisiert. Über den könnte in fernerer Zukunft auch das Neubaugebiet erschlossen werden, das der Flächennutzungsplan für das Gelände angrenzend an die Blumenstraße vorsieht. Konkrete Planungen gibt es dafür aber noch nicht.

Für die CDU ist der Aspekt der städtebaulichen Entwicklung von Wiehagen entscheidend, unterstrich Pascal Ullrich. Im Hintergrund scheint es für sie auch eine Rolle zu spielen, dass Edeka möglicherweise Abstand von den Neubauplänen in Grünenthal nehmen könnte, wenn der Bau des Kreisverkehrs und der Erschließungsstraße allein auf ihre Kosten ginge. In diesem Fall gäbe es wohl irgendwann gar keinen Edeka-Markt in Wiehagen mehr, denn der an der Wiehagener Straße ist zu klein, nicht ausbau- und damit auch nicht zukunftsfähig.

Die SPD steht dem Hallen-Neubau in Grünenthal vor allem wegen der noch nicht abschätzbaren Kosten kritisch gegenüber. Das betonte Regine Gembler. Tatsächlich konnte die Verwaltung keine auch nur grobe Schätzung zu den Kosten für den Hallen-Neubau in Wiehagen und alternativ im Brunsbachtal abgeben. Klar ist nur, dass in Wiehagen zu den reinen Baukosten die für den Kauf des Grundstücks und für die Erschließung samt Kreisverkehr kommen. Im Brunsbachtal gehört das Grundstück der Stadt und es ist auch voll erschlossen. Andererseits müsste keine kleinere Halle mehr für die Grundschule Wiehagen gebaut werden, wie ursprünglich geplant, wenn die große Halle gleich nebenan entsteht.

Eine Rolle spielt es für SPD und auch für die Grünen daneben aber auch, dass die Halle im Brunsbachtal eben wegen der vorhandenen Erschließung vermutlich schneller stehen könnte als das in Wiehagen der Fall wäre. Vorausgesetzt, mit dem Bau würde nicht erst nach Fertigstellung des neuen Hallenbads begonnen, sondern beide Projekte würden gleichzeitig in Angriff genommen. Das allerdings wäre auch wegen der räumlichen Enge des Grundstücks kompliziert. So oder so wird es noch lange dauern, bis die neue Halle, an welchem Standort auch immer, genutzt werden kann. Vor 2030 dürfte das nicht der Fall sein, wahrscheinlicher ist nach erster Einschätzung der Verwaltung das Jahr 2031.

Unabhängig davon befürwortete Karin Wroblowski für die FDP den Bau in Wiehagen auch, weil dort mehr Raum zur Verfügung steht. Werde die Halle in den Hang am neuen Hallenbad gebaut, sei zukünftig dort kein Platz mehr vorhanden für die Gestaltung des Außengeländes, also zum Beispiel für eine Liegewiese am Bad. Aus Sicht der FaB ist der Fall klar: „Es ist doch sehr eindeutig, dass der Hallen-Bau in Wiehagen viel mehr Vorteile hat als der im Brunsbachtal“, sagte Oliver Junginger. Seit Jahrzehnten verspreche die Stadt den Wiehagenern, mehr für ihren Stadtteil zu tun; jetzt sei es an der Zeit, das Versprechen einzulösen.

Der Rat soll nun am Dienstag den Beschluss zum Standort der neuen Halle fassen. Tut er das nicht, wird mehr als ein Vierteljahr ungenutzt verstreichen, denn die nächste Ratssitzung ist erst nach der Sommerpause am 24. September.