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Hückeswagen: Nachbarn sammeln für Hochwasser-Opfer in Kleineichen

Hückeswagen nach der Starkregen-Katastrophe : Nachbarn sammeln 3000 Euro für die Hochwasser-Opfer

In Kleineichen und Hartkopsbever legen die Menschen zusammen, um Betroffene des Unwetters finanziell zu unterstützen. Die Empfänger sind überwältigt.

Vor dem Haus der Familie Kühne in Hartkopsbever steht ein großes, selbst gemaltes Bild mit dem Wort „Danke“ und einem Herz. Es soll die Dankbarkeit für die Unterstützung ausdrücken, die die achtköpfige Familie erreichte, nachdem Teile ihres Fachwerkhauses vom Hochwasser geflutet wurden. Die direkten Nachbarn vom Haus gegenüber, Jutta und Peter Albuschat, die selbst vom Hochwasser betroffen waren, hatten kurzerhand in Hartkopsbever Geld gesammelt. Stolze 1320 Euro sind dabei zusammengekommen.

Für Susen und Jürgen Kühne eine überwältigende Erfahrung: „Wir sind vor vier Jahren von Wuppertal nach Hückeswagen gezogen. Da hätte es nie so einen Zusammenhalt gegeben wie hier“, ist das Ehepaar überzeugt. Die Nacht, in der das Wasser immer weiter stieg, hatte die Familie im Auto verbracht. Die eigenen Pumpen waren gegen die Wassermassen machtlos. Der gesamte Keller war bis zur Decke vollgelaufen, und auch Küche und Schlafzimmer im Erdgeschoss waren betroffen. „Wir haben ein paar Möbel, Waschmaschine und Trockner gebraucht bekommen“, berichtet Susen Kühne. Einige persönliche Sachen sind dennoch unwiederbringlich verloren. „Die Kinderfotos, die als Erinnerung gedacht waren, sind jetzt nicht mehr in dem Ausmaß vorhanden“, bedauert die Mutter.

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Zu den Spendensammlern zählt auch Erika Krause aus der Siedlung Kleineichen. Nachdem sie erfahren hatte, dass der Kfz-Meisterbetrieb von Rüdiger Bruderer, An der Schlossfabrik, fast komplett vom Hochwasser zerstört wurde, wollte sie helfen. „Ich bin Kundin dort, und er ist so ein anständiger Kerl, der in unserer Ecke viele als Kunden betreut“, erzählt Erika Krause. Kurzentschlossen startete die 78-Jährige in Kleineichen zu einer Sammeltour. Ein Nachbar gab ihr dazu einen großen Karton mit Schlitz. „Drei Tage war ich in der Siedlung unterwegs – aus Nächstenliebe“, wie sie sagt.

Einige dumme Sprüche musste sie sich an den Türen anhören. Die meisten Anwohner hätten jedoch Geld gespendet, einige sogar 50 und 100 Euro. Der Inhalt des Kartons wollte die Anwohnerin gemeinsam mit Rüder Bruderer in der Autowerkstatt zählen. „Aber da war alles noch dreckig“, sagt sie. Am heimischen Küchentisch gab es dann die große Überraschung: „1731,85 Euro sind zusammengekommen“, freut sich Erika Krause über das tolle Ergebnis, mit dem sie nicht gerechnet hatte.

Die Übergabe des Geldes sei dem Kfz-Meister „ein bisschen peinlich“ gewesen. Aber unabhängig davon, ob er seine Autowerkstatt wieder aufbauen kann oder letztendlich schließen muss, war es Erika Krause wichtig, aktiv zu helfen. „Ich hatte schon immer eine soziale Ader. Und Rüdiger Bruderer hat nach dem Hochwasser viele Kosten aber keinerlei Einnahmen“, sagt sie und ist dankbar für die großzügige Unterstützung in der Nachbarschaft.