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Hückeswagen: Nach acht Monaten die Liebe besiegelt

Wahl-Hückeswagener feiern Goldhochzeit : Nach acht Monaten die Liebe besiegelt

Am Freitag blicken Doris und Günter Wengenroth auf 50 Jahre Ehe zurück. Das Goldhochzeitspaar zog nach Beendigung der Berufstätigkeit in seine Wahlheimat Hückeswagen. Heute lassen es die Jubilare gerne ruhiger angehen.

Seit 50 Jahren sind Doris und Günter Wengenroth verheiratet. Am Freitag könnte das Paar seine Goldhochzeit mit Familie und Freunden feiern, wenn nicht das Coronavirus dazwischen gefunkt hätte. „Wir werden die Feier irgendwann nachholen“, sagen die beiden Wahl-Hückeswagener. Nur acht Monate brauchte das Paar, um seine Liebe zu besiegeln. „Wir haben uns im Februar 1970 kennengelernt und am 9. Oktober geheiratet“, erzählt Doris Wengenroth und fügt lachend hinzu: „Beim dritten Treffen haben wir uns schon Möbel angeguckt“. Tochter Sandra kam ein Jahr später auf die Welt, Sohn Guido 1976. Ihre Freizeit verbrachte die junge Familie überwiegend auf dem Campingplatz an der Lingese-Talsperre in Marienheide.

Mittlerweile hat das Jubelpaar drei Enkelkinder. Hückeswagen ist die Wahlheimat der gebürtigen Remscheiderin und des Wuppertalers. „Hier haben wir unsere Ehe begonnen, und hier möchten wir sie beenden“, sagt Doris Wengenroth und blickt in die Zukunft. Ihren Ehemann hatte Doris Rose, wie sie damals noch hieß, in der Wuppertaler Diskothek „Blue Note“ kennengelernt. Eigentlich wollte sie nach einem Schicksalsschlag gar nicht tanzen gehen. „Mein erster Verlobter war tödlich verunglückt, und meine Kollegen meinten, ich müsste mal wieder raus“, erinnert sich die 71-Jährige an diese schwere Lebensphase.

Da sie zufällig am Tisch von Günter Wengenroth saß, kam man ins Gespräch. Erst gab es Blickkontakt, dann forderte er sie zum Tanzen auf. Beim Aufbruch fragte er direkt nach einem weiteren Treffen. „Es stand von Anfang an fest, dass wir zusammenbleiben“, beteuert der 78-Jährige. Schon im Juni folgte die Verlobung, im Oktober die Hochzeit. Trauen ließ sich das Paar standesamtlich in Barmen, kirchlich in der Evangelischen Adolf-Clarenbach-Kirche in Remscheid. Die erste Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung bezog das Paar im Hückeswagener Stadtteil Wiehagen. Da die Wohnung nach der Geburt der Tochter schnell zu klein wurde, zog die junge Familie nach Remscheid in die Fastenrathstraße. „Wir haben dort mehr als 20 Jahre gewohnt und nebenberuflich als Hausmeister-Ehepaar in dem Wohn-, Ärzte- und Geschäftshaus gearbeitet“, sagt der gelernte Starkstromelektriker. Den Lebensunterhalt der Familie verdiente er jedoch als Hammerschmied bei der Remscheider Firma Seitmann. Ehefrau Doris, die den Beruf der Friseurin gelernt hat, arbeitete als Objektleiterin in der Thyssen-Kantine. „Wir waren im Kegelclub und Schützenverein Wildschütz Aue aktiv“, berichtet das Paar. Heute lassen es Doris und Günter Wengenroth ruhiger angehen und halten sich vor allem geistig fit durch Kreuzworträtsel und Quiz-Sendungen. „Wir gucken auch gerne Krimis und haben wahrscheinlich noch keinen Tatort verpasst“, sagt die Jubilarin. Auf Flugreisen, wie zu ihrem Lieblingshotel in der Türkei, verzichtet das Ehepaar aufgrund der schweren Krankheiten, die Günter Wengenroth in den vergangenen Jahren durchstehen musste – darunter ein Schlaganfall kurz nach einer Flugreise.

In der modern eingerichteten und ruhig gelegenen Wohnung auf dem Dierl fühlen sich die Wengenroths sehr wohl. Zur Weihnachtszeit erstrahlt der Balkon im Lichtermeer von 3000 LED-Birnen. „Ich liebe es und bin ein echtes Weihnachtskind“, sagt Doris Wengenroth, die am 24. Dezember geboren ist. Täglich wird frisch und gesund gekocht. Das einzige Laster ist das Rauchen, wofür das Ehepaar zu jeder Jahreszeit auf den Balkon geht.

Ein Patentrezept für ihre glückliche Ehe haben die Jubilare nicht. „Eine Ehe ohne Streit gibt es nicht“, sagt Doris Wengenroth und ihr Ehemann fügt lachend hinzu: „Es muss schon mal qualmen, das reinigt die Luft“.

Auf die Frage, was er an seiner Frau liebt, folgt wie aus der Pistole geschossen die Antwort: „Alles.“ Doris Wengenroth gibt dieses Kompliment gerne zurück. Für die Zukunft wünscht sich das Paar Gesundheit und vielleicht noch einmal eine Reise in die Türkei, wenn es die Gesundheit zulässt. Längere Zeit getrennt waren die Eheleute noch nie. „Uns gibt es nur zusammen im Duett“, sagen die Jubilare.