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Hückeswagen: Musikschul-Lehrer unterrichten per Internet

Fernunterricht an der Hückeswagener Musikschule : Musikschul-Lehrer unterrichten per Internet

Klavier- oder Gesangsunterricht am Computer oder Smartphone? Lehrer und Schüler der Hückeswagener Musikschule haben sich auf das Kontaktverbot eingestellt und setzen derzeit auf digitalen Fernunterricht. Das klappt bestens.

Seit sieben Jahren gibt Katrin Schmitt Gesangsunterricht an der Musikschule. Weil auch die während der Corona-Krise geschlossen ist, können die Gesangs- und Instrumentalkurse zurzeit nicht stattfinden. Unterrichtet wird dennoch – und zwar mit Hilfe neuer Medien wie die Videokonferenz-App Zoom, die Internetplattform Doozzoo oder mittels der klassischen Smartphone-Apps wie Skype, Facetime und Whatsapp. „Das funktioniert überraschend gut“, sagt Musikschulleiter Eckhard Richelshagen. Etwa 90 Prozent der Schüler und Schülereltern ließen sich auf diesen neuen Weg ein, um weiterhin in den Genuss des Unterrichts zu kommen und ihre musikalischen Fähigkeiten zu verbessern. „Die restlichen Schüler versorgen wir mit Aufgaben, Noten oder Lernvideos per E-Mail“, fügt Richelshagen hinzu.

Der Leiter der Musikschule, der selbst Klavierunterricht gibt, ist über diese Möglichkeit zur Fortsetzung des Unterrichts sehr froh. „In der Musik ist Kontinuität das A und O“, betont er. Der Online-Unterricht funktioniere bei allen Instrumenten –von der Blockflöte bis zum Schlagzeug. Lediglich größere Gruppen, wie die Musik-AG oder Ensembles, können derzeit nicht gemeinsam proben. Für den Klavierlehrer ist der Online-Unterricht jedoch Neuland, der nicht nur Vorteile bietet. So könne beispielsweise die Haltung, Technik und Intonation beim Spielen nicht immer genau überprüft werden. „Aber die Basis ist bei den Schülern schon gelegt“, versichert Richelshagen.

Auch Katrin Schmitt ist überzeugt, dass der Online-Unterricht zwar eine gute Alternative in besonderen Situationen bietet, den Unterricht von Angesicht zu Angesicht jedoch nicht ersetzen kann. „Ich bin total froh, dass eine Lösung gefunden wurde, nachdem wir von jetzt auf gleich umdenken mussten“, sagt die Sängerin. Ihr Dank richtet sich an alle Schüler und Eltern, die mitziehen und dahinterstehen. Die Schüler würden sich freuen, dass der Unterricht auf diese Weise fortgeführt werden kann und Abwechslung in den Alltag bringt.

An der Entwicklung der Online-Plattform Doozoo hat ihr Bandkollege Thomas Gier mitgearbeitet. Das Programm beinhaltet verschiedene Tools. „Man richtet sich als Musiker am Computer sozusagen einen virtuellen Raum ein“, erläutert Katrin Schmitt. Die Anwendung sei abhängig von der Hardware, mit der die Schüler ausgestattet seien. Einige hätten beispielsweise nur ein Handy, aber auch damit sei der virtuelle Unterricht möglich. Nur die Live-Begleitung der Schüler funktioniere online nicht.

Katrin Schmitt unterrichtet ihre Schüler aus ihrem Homeoffice heraus, wie viele ihrer Kollegen auch. „Man sieht sich, ohne sich anzustecken“, nennt sie den großen Vorteil in Zeiten des grassierenden Coronavirus. „Ich freue mich aber auch, wenn es zurück in die Musikschule geht und ich meine Schüler wieder live sehen kann“, betont sie.

Für die Musikschule ist die Corona-Krise zwangsläufig eine Chance, sich mit den neuen Medien intensiver zu befassen, um sie auch in Zukunft bei Bedarf einsetzen zu können. Das könnte zum Beispiel dann der Fall sein, wenn ein Musiklehrer auf Tour mit seiner Band ist, ein Schüler sich im Auslandssemester befindet oder eine Kollegin – wie in der Vergangenheit bereits vorgekommen – durch einen Unfall nicht mobil ist. Dass so viele mitziehen, freut Eckhard Richelshagen sehr: „Die Solidarität, die da aufkommt, ist schon sehr beeindruckend“, sagt er.