Hückeswagen: Musik funktioniert auf der ganzen Welt

Kulturräume in Hückeswagen : Cellist reist extra aus Kanada an

Nicolas Cousineau aus Montréal und die Hückeswagenerin Britta Bognanni lernten sich auf dem Jakobsweg in Spanien kennen. Für ein Konzert bei den Kulturräumen am vergangenen Samstag kam der Cellist eigens nach Deutschland.

Wer am vergangenen Samstag auf der Marktstraße unterwegs war, hat aus dem Haus Nummer 17 bei Britta Bognanni sicher die klassischen Cello-Klänge gehört, gefolgt von lautem Applaus. Für die wunderschöne Musik unter anderem von Barock-Genie Johann Sebastian Bach oder Max Reger verantwortlich zeichnete indes kein Künstler aus der Schloss-Stadt. Im Gegenteil: Die Heimat von Nicolas Cousineau, die frankokanadische Metropole Montréal, ist etwa 5700 Kilometer von Hückeswagen entfernt.

Auf Einladung von Britta Bognanni war Cosineau ins Bergische gekommen und begeisterte bei den Kulturräumen mit seinem leidenschaftlichen Spiel und dem mal melancholisch-klagenden, dann auch wieder glasklar-frlöhlichen Klang seines Instruments.

Nicolas Cousineau und Britta Bognanni hatten sich vor zwei Jahren „irgendwo auf dem Jakobsweg in Nordspanien“, wie der Kanadier lachend sagte, kennengelernt. „Es war ein sonniger Tag, mehr weiß ich nicht mehr“, ergänzte der Cellist. Aber verstanden hätten sich die Hückeswagenerin und der Kanadier auf Anhieb. „Wir haben uns über Kultur und die Art und Weise, wie sie auf der ganzen Welt gleichermaßen wahrgenommen wird, unterhalten“, sagte der 50-Jährige, der sein Instrument seit mehr als 40 Jahren spielt.

Darüber sei dann auch die Idee entstanden, die Musik von Kanada nach Hückeswagen zu bringen. „Ich spiele seit vielen Jahren professionell das Cello, meine ganze Familie ist sehr musikalisch“, sagte Nicolas Cousineau. Eigentlich habe er Geige lernen wollen, beim Vater, der als Geigenlehrer arbeitete. „Aber ich konnte mein Handgelenk nicht so drehen, dass ich die Geige vernünftig hätte spielen können“, sagte er und demonstrierte die Handhaltung direkt.

Eines Tages sei dann sein Vater auf ihn zugekommen und habe gesagt: „Ich habe ein Geschenk für Dich.“ Der kleine Nicolas habe geantwortet, ob es denn ein großes Geschenk sei. „Mein Vater sagte ja. Womit er ja auch gehabt recht hatte...“, erinnerte sich der 50-Jährige lachend. Er habe dann das Instrument professionell erlernt und arbeite als Cellist, mal freiberuflich, dann in Anstellung, mal im Symphonieorchester, dann im kammermusikalischen Bereich oder als Lehrer.

Für Nicolas Cousineau sei die Musik weltumfassend. „Das war auch der Hauptgrund, warum ich für das Konzert nach Hückeswagen gekommen bin. Die Form des Auftritts in einem privaten Haus vor Menschen, die sich in den Häusern Kultur ansehen oder anhören, spiegelt perfekt mein Verständnis und meine Vorstellung von Kunst und Kultur wieder“, sagte der 50-Jährige.

Mitgebracht habe er die Musik von Johann Sebastian Bach, den er sehr verehre. „Ich glaube, dass die Musik von Bach das wohl größte Geschenk Deutschlands an die Welt war“, sagte er. Und Bachs Musik habe er auch am Sonntag im Haus Drei Birken gespielt, wo er spontan ein kleines Konzert für die Bewohner gegeben hatte. „Ich bin seit einer Woche in Hückeswagen und mit Britta auch spazieren gegangen“, erzählte der Kanadier. Dabei seien sie auch am Wohnheim der Lebenshilfe vorbeigekommen. „Er hat mich gefragt, was das für ein Haus ist. Ich habe es ihm erklärte, und er hat gesagt, dass er sehr gerne dort spielen würde“, sagte Britta Bognanni. Auch das würde seinem Verständnis von Musik entsprechen – spielen, um den Menschen einen Freude zu machen.

Und das sei dann auch der Fall gewesen, denn am frühen Sonntagnachmittag waren etwa 15 Bewohnerinnen und Bewohner in den Aufenthaltsraum gekommen, um Nicolas Cousineaus Vision einer weltumspannenden Musik zuzuhören.

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