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Hückeswagen: Multifunktionale Ideen für das Schloss der Zukunft

Hückeswagen : Multifunktionale Ideen fürs Schloss der Zukunft

Die Verwaltung stellte am Montagabend den Politikern des Planungsausschusses die Ergebnisse des Architekten-Workshops von November vor.

Die „Kameradrohne“ fliegt über die Wupper und den Bahnhofsplatz auf den in den Schlosshagen gebauten Eingang an der Bahnhofstraße, zeigt Bilder aus dem in den Fels gehauenen Tunnel mit seiner Dauerausstellung über die Themen „Natur“ und „Wasser“, dann geht’s im Aufzug nach oben ins Schloss. Schließlich fliegt sie weiter und gibt den Blick frei auf den „neuen“ Schelmenturm, der einem Leuchtturm ähnlich ist, den teils abgesenkten Schlosshof mit darunterliegender Gastronomie und Freitreppe sowie den neu gestalteten Rosengarten, dessen gläserner Hochzeitspavillon von zwei kleinen Teichen mit Seerosen und Wasserspielen umrahmt ist. Ob diese Vision des Architekturbüros PASD Feldmeier Wrede aus Hagen und Berlin, die in einem computeranimierten Film festgehalten wird, jemals Realität werden wird, steht momentan in den Sternen. Das, was die Politiker des Planungsausschusses am Montagabend im Heimatmuseum zu sehen bekamen, waren ohnehin erst einmal lediglich Ideen, was sich vier Architekturbüros für eine künftige Nutzung des Schlosses vorstellen könnten und welche baulichen Veränderungen machbar wären.


Was ist die Zielsetzung? In der Verwaltung gibt es Überlegungen, das Schloss künftig nicht mehr als Rathaus zu nutzen. Es bildet daher das Ankerprojekt des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) und des Regionale-2025-Prozesses. Wobei die Regionale laut Jonatán Garrido-Pereira vom Bauamt die Handlungsfelder und Ziele vorgibt, in denen sich ein Projekt wiederfinden muss. Die Aufgabe bei der Umnutzung des Schlosses ist es, einen Mehrwert für Hückeswagen und seine Bürger zu entwickeln und gleichzeitig eine überregionale Strahlkraft zu entfalten. „Das wertet nicht nur das Schloss auf, sondern auch Hückeswagen in der Region“, erläutert Stadtkämmerin Isabel Bever im Gespräch mit unserer Redaktion.


Warum der Architekten-Workshop? Der erste Schritt ist es, eine Nutzungsidee zu entwickeln. „Wir brauchen jetzt eine Zukunftsvision für das Schloss und wollen wissen, was baulich machbar ist“, erläutert Bauamtsleiter Andreas Schröder. Daher hatte die Stadt im Sommer Kontakt zu vier Architekturbüros aufgenommen, die bereits Erfahrungen im Umgang mit historischer Bausubstanz haben. Deren Mitarbeiter hatten alle Freiheiten und sollten auch mal „spinnen“ – vorgestellt wurden im Workshop am 21. November Vorschläge „von eher kleinräumigen Veränderungen bis hin zu großen Visionen“, sagt Schröder. Es geht nun nicht darum, dass sich die Politik für eine dieser Ideen entscheidet. Vielmehr sind sie als Grundlagen für eine weitere Diskussion zu sehen. „Alles ist offen“, versichert der Bauamtsleiter.


Gibt es dennoch bestimmte Voraussetzungen? Die öffentliche Nutzung muss, zumindest in einem bestimmten Umfang, beibehalten werden“, stellt Schröder klar. Das Schloss soll nicht etwa an einen Privatier übergehen, der das dann nur für sich nutzt. „Wir wollen schon eine multiple Nutzbarkeit“, macht auch Isabel Bever deutlich.


Was passiert mit dem historischen Gebäude? „Der Baukörper bleibt in allen vier Vorschlägen, wie er ist“, berichtet Isabel Bever. Fest steht aber auch, dass für das Schloss in absehbarer Zeit substanzielle Investitionen von Nöten sein werden. Schröder: „Wir müssen was tun – überall, von oben bis unten.“ An den Sanitärbereichen ebenso wie an der Elektrik, an den Decken wie an den Böden. „Wenn etwas passiert, wird nicht mehr viel übrig bleiben als die Außenmauern“, stellt der Bauamtsleiter klar.


Welche Idee favorisiert die Verwaltung? Keine. Denn die Vorschläge dienen ausschließlich als Basis für weitere Überlegungen. „Ein Hotel wollen wir nicht“, versichert Schröder. Auch soll der Schlosshof nicht zugebaut werden. „Denn wir wollen weiterhin eine öffentliche Nutzung“, sagt er. Zudem glauben Bauamtsleiter und Kämmerin nicht daran, dass im Schloss eine größere Gastronomie eingerichtet werden kann. „Die Anforderungen etwa an die Kühlräume und Belüftungslage sind extrem“, sagt Isabel Bever. „Das wäre schwierig umzusetzen.“ Möglich wäre eine Gastronomie aber in einem Anbau, lässt Schröder durchblicken.
Was sind die nächsten Schritte? Zunächst muss das Nutzungskonzept konkretisiert werden, anschließend braucht die Stadt eine Machbarkeitsstudie zum baulichen Sanierungsaufwand. Dann könnte ein Architekten-Wettbewerb folgen, aus dem sich das Finanzierungs- und Betreiberkonzept ergibt. Abschließend folgen die Planung und Beratung der Finanzierung und Förderung.


Apropos Finanzierung – wie sieht’s damit aus? Die Stadt hat den ersten Projektbogen – ein Formular mit dem Projektvorschlag – inzwischen bei der Regionale-2025-Agentur eingereicht und hofft nun zunächst auf den C-Stempel. Bekommt sie irgendwann auch noch den A-Stempel, wäre das Projekt förderfähig. „Wir könnten dann Fördermittel bei Bund und Land beantragen“, erläutert Schröder.

Werden die Hückeswagener befragt, wie es mit dem Schloss weitergehen soll? Ja. Es soll Beteiligungsverfahren geben, versichert der Bauamtsleiter. Darin können und sollen die Hückeswagener ihre Ideen, Wünsche und Bedenken nennen. „Das Ganze soll ein transparenter Prozess werden“, verspricht Isabel Bever. Die Entscheidung, ob und was umgesetzt wird, fällt dagegen der Stadtrat, nachdem der Sieger des entsprechenden Architekten-Wettbewerbs ermittelt ist.


Gibt es eine Rathaus-Alternative zum Schloss? Die Verwaltung will eine Machbarkeitsstudie für ein Rathaus in der ehemaligen Katholischen Grundschule an der Kölner Straße. Möglich seien ein Um- oder Anbau, aber auch der Abriss und Neubau sind nach derzeitigem Stand denkbar. Die Verwaltung möchte das Gebäude aus den 1920er Jahren aber gerne erhalten.