Hückeswagen: Mit Gitarre auf den Jakobsweg unterwegs

Pilgertour : Mit Gitarre auf dem Jakobsweg unterwegs

Nach 40 Tagen und 900 Kilometern auf dem Jakobsweg ist Florian Jantke nicht nur reicher an Erfahrung. Der 26 Jahre alte Student hat auf dem langen Fußweg auch seinen ersten eigenen Song geschrieben.

Wenn Florian Jantke von seiner Auszeit in Spanien erzählt, spürt man deutlich die Begeisterung. Im Juni hatte sich der Maschinenbaustudent mit Fachrichtung „Erneuerbare Energien“ zwischen seinem Bachelor- und Masterstudium auf den Jakobsweg begeben und die Strecke von Saint Jean Pied de Port in Frankreich bis zur Kathedrale in Santiago de Compostela in Nordspanien in 40 Tagen zurückgelegt. Nicht fehlen durfte auf dem Weg seine Gitarre. Als Alleinreisender war der 26-Jährige auf sich gestellt und dadurch frei in seinen Entscheidungen – aber dennoch nicht einsam. Zahlreiche Mitpilger aus verschiedenen Ländern der Welt lernte der Hückeswagener auf der knapp 900 Kilometer langen Strecke kennen.

„Wenn man offen dafür ist und ein wenig Englisch spricht, entstehen oft schon nach zehn Minuten sehr persönliche Gespräche. Das gibt den Begegnungen eine besondere Tiefe“, berichtet Florian Jantke. Die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern und Menschen aus anderen Ländern und Kulturen kennenzulernen, war ein Anreiz für den Studenten, sich auf diesen Pilgerweg zu begeben. Aber auch das Buch „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling und die Berichte von Familienmitgliedern, die den Weg schon teilweise absolviert haben, haben ihn motiviert.

Meerblick: Am Ziel in Finisterre, knapp 100 Kilometer weiter als Santiago de Compostella an der Küste. Foto: Jantke

Am 1. Juni war der Wanderrucksack samt Schlafsack, Treckingschuhen, Merinowollsocken und Gitarre gepackt. 25 Stunden dauerte die Anreise nach Frankreich per Bus und Zug. Die erste Etappe war gleichzeitig eine Härteprüfung, denn sie führte von St. Jean Pied de Port knapp 25 Kilometer weit über den Berggrat der Pyrenäen nach Roncavesvalles in Spanien. „Am Anfang ist man noch sportlich orientiert, steckt sich Etappen ab und läuft die auch“, sagt Florian Jantke. Das änderte sich aber im Laufe der Zeit. „Man geht den Weg ja auch, um ihn zu genießen“, fügt er hinzu. Da der Rückflug noch nicht gebucht war, hatte er die Freiheit, unplanmäßige Pausen einzulegen oder nur zehn Kilometer pro Tag zurückzulegen. Anders als drei Italienerinnen, die jeden Tag etwa 40 Kilometer zurücklegen mussten. „Das ist eine brutale Tortur“, weiß Jantke.

Internationales Picknick am Wegesrand (v.l.): Florian Jantke, Arthur aus Frankreich, Vanessa aus Amerika, Nick aus England, Marusha aus Slowenien. Foto: Jantke

Der „Camino Francés“ führt über Pamplona, Burgos und Léon. Die Vielseitigkeit der Natur gefiel dem Hückeswagener besonders gut. „Man durchwandert Berge, sieht Mohnfelder, Weinberge und die Meseta, die mit ihren scheinbar unendlichen Weiten fast einer Wüste gleicht. „Dort war es über 30 Grad warm, und ich hatte nicht genug Wasser dabei“, erinnert sich der 26-Jährige. Auf langen Strecken war die Gitarre ein willkommener Begleiter. Zwei Italienern spielte er unterwegs ein Lied von Pink Floyd vor. „Zum Dank haben sie mir meine Wasserflasche aufgefüllt. Das war ein richtig schöner Moment“, sagt er. Unterwegs habe er auch seinen ersten eigenen Song geschrieben. Das Smartphone kam nur alle paar Tage oder für Fotos zum Einsatz. „Ich bin kein Freund von permanenter Handynutzung“, betont er.

Spirituelle Erfahrungen hat der Student nicht gemacht – und dennoch gab es ungewöhnliche Begebenheiten: „Ich habe einmal gedacht, dass ich meinen Nacken vor der Sonne schützen müsste – 300 Meter weiter lag eine Kappe auf der Erde.“

Geschlafen hat der Pilger in Herbergen. Essen kochen und Wäsche waschen gehörten schnell zur täglichen Routine. Manche bekamen Wanzenbisse von den angebotenen Wolldecken. „Es war pures Glücksspiel, wen es erwischte“, sagt Jantke und lacht. Am Ziel in Santiago de Compostela wurde zunächst einmal ausgiebig gefeiert. Erst am vierten Tag nach der Ankunft besuchte der Hückeswagener die völlig überlaufene Pilgermesse in der Kathedrale. Sein Weg war damit aber nicht zu Ende. „Es hat sich zu einem Trend entwickelt, noch knapp 100 Kilometer weiter bis zur Küste nach Finisterre, dem westlichsten Punkt Spaniens, zu laufen, um dort alle Sachen zu verbrennen und im Meer baden zu gehen. An der Küste riss der Schnürsenkel seines Schuhs – ein ganz persönliches Zeichen für das Ende der Pilgerreise.

Insgesamt kam der junge Pilger mit Knieschmerzen und drei Blasen an den Füßen davon. „Ein guter Schnitt für 900 Kilometer“, findet er selbst. In wenigen Tagen startet nun das erste Master-Semester in Oldenburg und Lissabon. Die Erfahrung vom Jakobsweg möchte er nicht missen. „Florian ist nicht verändert zurückgekommen, wohl aber bestärkt in seinem Tun“, sagt seine Mutter, Patricia Jantke.

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