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Hückeswagen: Mit 75 Jahren Abschied aus dem Rat

Hückeswagener Stadtrat : Mit 75 Jahren Abschied aus dem Rat

Der CDU-Politiker feiert Donnerstag seinen Geburtstag – Zeit für ihn, aus der aktiven Kommunalpolitik auszusteigen.

Als Harald Bannies 1987 in die CDU eintrat, war Helmut Kohl gerade bei der letzten Bundestagswahl vor der Deutschen Wiedervereinigung zum Kanzler gewählt worden. In Bonn wurde die schwarz-gelbe Koalition mit dem dritten Kabinett Kohl fortgesetzt. Klar war: Im Vier-Parteien-System der Bundesrepublik hatten sich zwei grundsätzliche politische Richtungen entwickelt: das „Regierungslager“ mit CDU und FDP und die rot-grüne Opposition mit SPD und inzwischen etablierten Grünen.

Politische Lager und Richtungskämpfe interessierten den damals 42-jährigen Harald Bannies kaum, als er sich entschied, Mitglied der CDU zu werden. Den Ausschlag gab weniger Helmut Kohl als vielmehr Peter Biesenbach, damals für die CDU im Rat der Stadt und heute Justizminister in NRW. Er und Bannies waren Nachbarn an der Weststraße. Bannies blickt zurück: „Wir haben uns gut verstanden. Peter Biesenbach hat damals Bildungsreisen für die CDU organisiert, ich habe ihn später dabei unterstützt. Auf den Reisen haben wir viel diskutiert, auch über Politik. Da habe ich mich entschieden, in die CDU zu gehen.“

Ehrenamtliches Engagement neben dem Beruf als technischer Angestellter war für den Hückeswagener nichts Neues: Schon als Jugendlicher war er zur Freiwilligen Feuerwehr gegangen und dort ab 18 im aktiven Dienst. Auch in der DLRG setzte er sich ein – unter anderem für den Bau und später den Erhalt des Hallenbades. Arbeit an konkreten Projekten für Hückeswagen: Das war es, was ihn auch an der Politik reizte.

Als sachkundiger Bürger sammelte Harald Bannies politische Erfahrung. 2004 holte er dann zum ersten Mal das Direktmandat in seinem Wahlbezirk und zog für die CDU in den Stadtrat ein. Es war eine Zeit des Wechsels: Bürgermeister Norbert Jörgens verabschiedete sich in die Privatwirtschaft, Uwe Ufer folgte nach – anfangs zum Entsetzen der CDU, deren Kandidatin schon vor der Stichwahl gescheitert war. Die CDU-Fraktion im Rat, damals unter Vorsitz von Horst Schreiber, tat sich schwer mit dem parteilosen Ufer. Harald Bannies sieht die „Ära Ufer“ rückblickend positiv: „Er war ein guter Bürgermeister, der Hückeswagen voran gebracht hat. Außerdem war er geradlinig. Wenn er etwas für richtig hielt, dann stand er dazu, auch, wenn‘s mal Gegenwind gab.“

Auch Ufers Nachfolger, dem amtierenden Bürgermeister Dietmar Persian, bescheinigt Bannies: „Er macht einen guten Job für Hückeswagen, ist aber weicher und knickt bei Widerstand eher ein.“ Der 74-Jährige denkt dabei zum Beispiel an die Nutzung des unteren Schulhofs der Katholischen Grundschule. Bannies hatte angeregt, dort Parkplätze auszuweisen, weil der Bereich als Freifläche für die Schule nicht mehr benötigt werde. Die Stadt schien geneigt, dem zu folgen. Dann gab‘s Proteste, Persian gab nach, aus neuen Parkplätzen in der Enge der Altstadt wurde nichts. Mit anderen Ideen setzte Bannies sich durch: So wurden im Stadtgebiet Stellflächen für Wohnmobile ausgewiesen, vor Umbau des Etapler Platzes wurde die Infrastruktur für Ladesäulen für E-Autos geschaffen, und die schon zum Abriss vorgesehene Brücke über die alte Bahntrasse zum Mühlenweg blieb für Fußgänger erhalten.

„Kommunalpolitik ist nicht Ideologie, sondern Einsatz in den politischen Gremien für Projekte, die sinnvoll und gut für die Stadt sind“: Diesem Grundsatz ist Harald Bannies in 16 Jahren als Ratsherr treu geblieben. Inzwischen ist er der Zweitälteste im Rat hinter seinem Fraktionskollegen Friedhelm Malecha (Jahrgang 1943). Anders als Malecha ist Bannies zur Kommunalwahl im September nicht wieder angetreten: „Mit 75 ist es Zeit, Jüngere ran zu lassen“, sagt er. Sein Rat an die, die jetzt neu in den Stadtrat einziehen: „Fair bleiben und daran denken, dass wir alle, egal welcher Couleur, etwas für unsere Stadt tun wollen!“

Harald Bannies freut sich auf mehr freie Zeit nach dem 75. Geburtstag: „Wenn die Gesundheit mitspielt, will ich viel mit dem Reisemobil unterwegs sein.“ Früher führten ihn berufliche Reisen in die ganze Welt, privat ist er seit Jahren im Wohnmobil vor allem quer durch Deutschland unterwegs: „Meine Frau und ich haben da immer wieder schöne Ecken gesucht und gefunden. Jetzt haben wir die Zeit, sie in Ruhe zu entdecken.“