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Hückeswagen: Mehr als eine habe Stelle ist für Anwältin der Kinder nicht drin

Sozialausschuss in Hückeswagen : Nur eine halbe Stelle für Schulsozialarbeit

Mehr sozialpädagogische Unterstützung an den Schulen ist wünschenswert, aber wohl nicht bezahlbar.

Katja Hüttenschmidt ist Diplom-Sozialpädagogin und seit vier Jahren Schulsozialarbeiterin in Hückeswagen. Bezahlt wird die Mitarbeiterin der Caritas Oberberg für 17,5 Stunden Arbeit pro Woche, sie besetzt also eine halbe Stelle. Mindestens eine Vollzeitstelle wäre für das inhaltlich breite Feld der Schulsozialarbeit auch in der Kleinstadt mit ihren fünf Schulen notwendig – aber die ist finanziell nicht drin. Das Land zahlt nur für 17,5 Stunden. Jede Stunde darüber hinaus müsste die Stadt finanzieren, die sich diese freiwillige Ausgabe als Gemeinde im Haushaltssicherungskonzept nicht leisten kann. Das Dilemma kam im Sozialausschuss zur Sprache. Katja Hüttenschmidt berichtete dort aus ihrem Arbeitsalltag.

Der ist geprägt durch die Beratung von Eltern zum „Bildungs- und Teilhabepaket“ (BuT) und die konkrete Hilfestellung bei Anträgen auf BuT-Leistungen. Das vor Jahren gesetzlich geschnürte Gesetzespaket soll dazu dienen, das Recht von Kindern auf Bildung und Teilhabe am sozialen und gesellschaftlichen Leben auch dann zu wahren, wenn das für die eigenen Eltern wegen eines geringen Einkommens nur begrenzt möglich ist. Teilnahme am Schul-Essen, an der Klassenfahrt, Nachhilfeunterricht, Lernmittel, Mitgliedschaft im Verein: Das alles kostet Geld, das in vielen Familien fehlt. BuT soll die Lücke schließen. Und die Schulsozialarbeiter sollen Familien dabei unterstützen, vom Staat das für ihre Kinder zu bekommen, was ihnen nach dem Gesetz zusteht. Deshalb übernimmt das Land die Gehaltskosten für die Sozialarbeiter, die damit zu BuT-Anwälten der Kinder werden.

In den zurückliegenden Jahren ist die Anzahl der Anträge zu Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket stark gestiegen, berichtete Katja Hüttenschmidt. Das hängt unmittelbar mit ihrer Arbeit, also der vom Land gewünschten gezielten Beratung von Eltern zusammen. So half sie zum Beispiel 2016 bei 62 Anträgen auf Lernförderung (Nachhilfeunterricht), 2018 waren es bereits mehr als doppelt so viele – Tendenz weiter steigend, wie auch in anderen Bereichen. 109 Kinder aus Familien, die Leistungen nach unterschiedlichen Sozialgesetzbüchern beziehen und also auch Anspruch auf BuT-Förderung haben, betreute die Schulsozialarbeiterin im Vorjahr. Bei zunehmender Arbeitsbelastung, die sich daraus ergibt, bleibt immer weniger Zeit für andere Bereiche der Schulsozialarbeit, die generell als ein vertrauliches Angebot zur Beratung und Unterstützung von Schülern, Lehrern und Familien definiert wird. Katja Hüttenschmidt wäre bereit, mehr Stunden zu leisten. Eine Ausweitung der Stelle ist aber nicht geplant. „Wo hakt es da?“ Das wollte Shirley Finster (Grüne) wissen. Antwort von Bürgermeister Dietmar Persian: „Wir können uns alle noch sehr viel mehr an wünschenswerten Aufgaben vorstellen, aber das ist eine Frage des Geldes. Wenn wir mehr Schulsozialarbeit wollen, dann müssen wir das selbst finanzieren.“

Konkrete Anträge aus der Politik und Vorschläge zu ihrer Gegenfinanzierung liegen bislang nicht vor.