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Hückeswagen: Meditativer Tanz spricht die Seele an

175 Jahre Katholische Frauengemeinschaft Hückeswagen : Meditativer Tanz spricht die Seele an

Seit etwa 20 Jahren treffen sich jeden Mittwochvormittag kfd-Frauen aus Hückeswagen zum gemeinsamen Tanzen.

Etwa zehn Frauen sind in einem der beiden Nebenräume des katholischen Gemeindehauses an der Weierbachstraße. In einem Moment stehen sie zusammen mit Andrea Honrath um ein Tuch, das in ihrer Mitte drapiert ist. Eine brennende Kerze und ein paar Sonnenblumen runden die herbstliche Dekoration ab. Dann startet Andrea Honrath die Musik, und die Frauen beginnen zu tanzen. Der Kursus Meditativer Tanz der katholischen Frauen Hückeswagen findet jeden Mittwochmorgen von 10 bis 11.30 Uhr statt.

Und es geht dabei weit lustiger und lebendiger zu, als es der Titel vermuten lassen würde. „Meditatives Tanzen setzt sich aus Folklore und klassischen Elementen zusammen“, sagt Andrea Honrath. Die Bergisch Gladbacherin hat den Kursus von ihrer Vorgängerin Barbara Berger vor zwei Jahren übernommen. Sie ist Lehrerin und Sozialarbeiterin, die zudem zahlreiche Zusatzausbildungen gemacht hat. „Etwa über Tanz als Gebet, rituelle Frauentänze sowie meditativen und spirituellen Tanz“, sagt Andrea Honrath. Für sie ist Meditatives Tanzen ähnlich wie Yoga. „Es spricht das gleiche seelische Segment an. Meditatives Tanzen ist nur nicht so en vogue wie Yoga. Wie Forelle blau nicht immer in ist, sondern eben Sushi“, sagt sie und lacht.

Der Kursus der Hückeswagener kfd-Ortsgruppe wird schon seit etwa 20 Jahren angeboten. Manche der Teilnehmerinnen sind schon seit der ersten Stunde dabei. Wie etwa Annegrete Reuber. Die 76-Jährige kommt gerne am Mittwochvormittag ins Gemeindezentrum. „Man muss sich ein bisschen in den Rhythmus reinfinden, und Spaß am Tanzen haben schadet natürlich auch nicht“, sagt sie. In den Anfangstagen habe der Tanzkursus noch auf Wiehagen stattgefunden. Der Mittwochvormittag sei immer gleich geblieben. „Ich würde mir nur ein wenig Nachwuchs wünschen, denn wir müssen mindestens zehn Teilnehmerinnen sein, damit der Kursus gefördert wird“, sagt Annegrete Reuber.

Eine neue Tänzerin ist an diesem Mittwochvormittag jedenfalls dabei. Angelika Leidenberger hat in ihrem Leben noch nicht getanzt und ist von einer alten Schulfreundin überredet worden, doch einmal zum Meditativen Tanzen zu kommen. „Ich habe mir gar nicht wirklich was darunter vorstellen können“, sagt die 66-Jährige. Es habe ihr aber auf jeden Fall großen Spaß gemacht, und sie werde auf jeden Fall wieder kommen, sagt Angelika Leidenberger.

Die Laune der Tänzerinnen ist gut, auch wenn manche Bewegungsabläufe nicht beim ersten Mal sitzen. „Es gibt hochkomplexe Choreographien, aber auch ganz einfache. Hier mache ich nicht die ganz schweren, weil der Spaß ja auch nicht zu kurz kommen soll“, sagt Andrea Honrath. Derzeit tanze sie mit ihren Kursusteilnehmerinnen einen Zyklus Herbsttänze. „Ein Tanz etwa macht den Jahreskreislauf sichtbar. Ein anderer kommt dagegen aus Osteuropa und stellt die Rhythmik in den Mittelpunkt“, sagt die Kursusleiterin. Dabei wird viel gelacht, weil es zum Ende hin sehr schnell wird und die Frauen kaum mit dem rhythmischen Stampfen hinterherkommen.

Wie immer bei den katholischen Frauen steht auch beim Meditativen Tanzen die Gemeinschaft im Mittelpunkt, bei aller Freude am Tanzen. „Die Unterhaltung, das Klönen, gehört natürlich auch dazu. Wir machen auch in der Mitte der anderthalb Stunden eine Kaffeepause“, sagt Andrea Honrath.

Der Tanzkursus richtet sich in erster Linie an Frauen. Aber Andrea Honrath wehrt sich dagegen, dass Tanzen eine reine Frauendomäne sei. „Das ist totaler Quatsch und nur bei uns in Mitteleuropa verbreitet. Überall sonst tanzen Männer genauso gerne und leidenschaftlich wie Frauen.“ Daher hätte sie auch kein Problem damit, wenn ein Mann mittanzen wolle. „Wenn das für den Rest der Gruppe in Ordnung ist – warum denn dann bitte nicht?“, fragt die Leiterin und lacht.