Neuer Beauftragter für Hückeswagen Masterplan für den Klimaschutz vor Ort

Hückeswagen · Zum ersten Mal in ihrer Geschichte beschäftigt die Stadt einen Klima-Manager. Seit September ist Marius Burmester (31) im Amt. Im Umweltausschuss legte er jetzt seinen ersten Bericht vor. Am Anfang steht die Arbeit an einem Konzept.

 Wenn es nach den Klimaschützern ginge, wären Kohlkraftwerke längst abgeschaltet – und zwar weltweit.

Wenn es nach den Klimaschützern ginge, wären Kohlkraftwerke längst abgeschaltet – und zwar weltweit.

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Vieles an Einzelaktionen ist denk- und machbar für einen verbesserten Klimaschutz direkt vor der eigenen Haustür. Aber um die Problematik des von Menschen gemachten Klimawandels auch vor Ort systematisch und damit langfristig wirkungsvoll anzugehen, braucht es einen konkreten Plan, zugeschnitten auf die örtlichen Gegebenheiten, Möglichkeiten und Zielsetzungen. Und es braucht jemanden, der, ausgerüstet mit dem entsprechenden Fachwissen, diesen Gesamtplan letztlich entwickelt.

Im örtlichen Rathaus ist das Marius Burmester. Im Sommer hat der 31-jährige gebürtige Hückeswagener sein Master-Studium an der RWTH Aachen erfolgreich abgeschlossen. Seit dem 1. September ist der Umweltingenieur mit dem Studien-Schwerpunkt „Energie und Umwelt im Bauwesen“ nun der erste Klima-Manager im Hückeswagener Rathaus. Schon im März 2021 hatte der Rat beschlossen, diese Stelle neu einzurichten, sie wird über das Bundesumweltministerium für zwei Jahre zu 100 Prozent finanziell gefördert. Es handelt sich um eine Stabsstelle mit direkter Anbindung an den Bürgermeister als Verwaltungschef. Die Aufgabenstellung gibt allerdings der Bund als Geldgeber vor. Konkret lautet der Arbeitsauftrag: Bis 2024 muss Burmester ein Integriertes Klimaschutzkonzept für Hückeswagen vorlegen.

Marius Burmester ist seit dem 1. September Hückeswagens erster Klimaschutz-Beauftragter.

Marius Burmester ist seit dem 1. September Hückeswagens erster Klimaschutz-Beauftragter.

Foto: Burmester

Im Umweltausschuss erläuterte der 31-Jährige jetzt, was „integriert“, bezogen auf das Konzept, konkret heißt. Gemeint ist demnach eine Gesamtstrategie für unterschiedliche Handlungsfelder zur Minderung des Ausstoßes von Treibhausgasen. Seit mehr als 30 Jahren ist wissenschaftlich anerkannt, dass es die Treibhausgase sind, die über die menschengemachte zunehmende Erderwärmung den Klimawandel als wahrscheinlich global größte Menschheitsbedrohung erzeugen. Seit über 30 Jahren ist auch bekannt, dass und wie dem Klimawandel begegnet werden kann, doch haben die erkannten Lösungsansätze eben tatsächlich nicht in auch nur annähernd ausreichendem Maße zur Lösung geführt. Die in mehreren Abkommen international vereinbarte Begrenzung des Treibhausgas-Ausstoßes reicht nicht aus, die Erderwärmung setzt sich fort.

„Viele kleine Dinge laufen in Hückeswagen schon für den Klimaschutz, aber sie sind nicht verknüpft“, sagte Burmester im Ausschuss. Er wolle seinen Beitrag dazu leisten, „dass Hückeswagen sich in nachhaltiger Richtung entwickelt“. Ziel des noch zu erarbeitenden Integrierten Klimaschutz-Konzeptes müsse es sein, aus einer Bestandsaufnahme mit zahlenbelegter Energie- und Treibhausgas-Bilanz heraus eine Potenzial-Analyse zu entwickeln. Darin gehe es dann darum, konkrete Handlungsfelder, Ziele und Strategien zu formulieren und auch zu priorisieren, was in welcher Reihenfolge zu tun ist. Aus den Handlungsfeldern ergebe sich dann die Definition konkreter Vorschläge, also quasi ein Maßnahmen-Katalog, der im Anschluss Stück für Stück abzuarbeiten sein wird.

Das Integrierte Klimaschutz-Konzept muss nach Vorgaben des Bundes bis März 2024 abgeschlossen sein. Burmester ist dabei zwar der einzige Klima-Manager der Stadt, aber trotzdem nicht allein auf weiter Flur: Andere Städte auch im Oberbergischen haben diese Stelle schon länger besetzt, alle profitieren also vom Austausch miteinander, statt das Rad für jede Kommune neu erfinden zu müssen. Auch mit den örtlichen Akteuren, die sich für Umweltschutz in der Stadt engagieren, will Burmester den intensiven Gesprächsaustausch suchen, denn: „Ich sitze nicht für mich allein in meinem Büro und denke mir Maßnahmen aus, die dann doch nicht umgesetzt werden. Da sind viele Akteure beteiligt, die Kommunikation untereinander und die Vernetzung sind enorm wichtig.“

Auch nach Vorstellungen des Bürgermeisters ist der Klima-Manager vor allen Dingen derjenige, der die Fäden der Gesamtplanung in der Hand hält und nicht der Hans Dampf in allen Umweltgassen. Das muss er seiner Ansicht nach aber auch nicht sein, denn: „Die Stelle ist zwar neu, aber konkret kümmern wir uns um das Thema Umwelt- und Klimaschutz schon seit längerer Zeit und überlegen ständig, wie wir uns da weiterentwickeln können“, unterstrich Dietmar Persian. Während Marius Burmester am Integrierten Konzept arbeite, laufe schon einiges an Aktivitäten pro Umwelt und Klimaschutz. Persian versicherte: „Wir fangen mit der praktischen Arbeit ganz bestimmt nicht erst an, wenn das Konzept fertig ist.“

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